Fünfziger Jahre - Erinnerungen

 
"Unsere" 50er Jahre

Ach, was waren das noch für geruhsame Zeiten, als wir noch zur Schule gingen. Und wie bescheiden waren wir! Wir begnügten uns mit ein paar Eisbrocken, die wir vom Stangeneis der Pferdefuhrwerke der "Pfälz. Eiswerke" ergattern konnten.

Wir sammelten Alteisen, z.B. auf dem Schuttabladeplatz am Ende der Schillerstraße vor dem Damm (dort steht heute ein prächtiges Wohnhaus). Herr Keilbach in der Luisenstraße gab uns für unsere gesammelten Blechbüchsen etc. immer ein paar Groschen.

Überhaupt ging damals alles geruhsamer zu. Wir konnten uns noch über ein Fahrrad freuen - ja, es musste noch nicht einmal neu sein. Wir opferten sogar unser spärliches Taschengeld nur um schneller oder überhaupt zu einem fahrbaren Untersatz zu kommen. Chromglitzernde Autos wurden von uns damals so bestaunt, wie das die Kinder heute noch in den Entwicklungsländern tun. Die Fahrzeuge im Ort konnte man zu Beginn der 50er Jahre noch zählen. Wir erlebten die beginnende Motorisierungswelle mit Fuidamobil, Goggomobil, Isetta, Heinkel-Kabinenroller und später mit dem Lloyd, den wir so treffend als "Plastikbomber" bezeichneten. Die Zweiradindustrie rang uns mit Motorrädern wie Fox, Horrex und wie sie alle hießen, genauso viel Bewunderung ab, wie die Motorroller Lambretta und Vespa. Aber auch Mopeds wie Quickly und Raumo (von Firma Rauscher in Rheingönheim) erregten unser Interesse.

Fernsehapparate gab es erst kurz vor dem Ende unserer Schulzeit, allerdings nur sehr wenige und dazu nur mit einem einzigen Programm - schwarz-weiß versteht sich. Für uns übte damals die Kinoleinwand eine große Anziehung aus. Immerhin gab es auch zwei Lichtspielhäuser im Ort. Und die hatten auch wochentags Vorführungen. "Unser Tag" war der Mittwoch. Nachmittags liefen "Zorro", "Fuzzy", "Bomba der Dschungelheld", Piratenfilme mit Errol Flynn und natürlich nicht zu vergessen die Tarzanfilme - mit dem "echten" Tarzandarsteller "Jonny Weißmüller". Da war noch Spannung "drin" - da konnte man so richtig "mitgehen". Die Mädchen interessierten sich damals mehr für Filme wie "Das doppelte Lottchen" mit den Kessler-Zwillingen.

Nachmittags trieb es die Buben, sofern sie "Unnagessla" waren, auf die "Unnabladd" (heute befindet sich dort die Straße "Am Damm" sowie ein Spielplatz) zum "Kicken" oder auf den Wörth zum "Stromern", zum Hüttenbauen, Indianerlesspiel, zum Schwarzfischen oder zur Igeljagd. Die "Owwagessla" dagegen hatten ihr Revier mehr auf der Horreninsel bis hin zum Ritzerbaum; einige sogar bis zum "Eilewäldl" (kleines Waldstück beim Eulenhof - Anwesen Feigel). Unter den Volksschülern der oberen Klassen gab es regelrechte "Banden", allerdings ohne jeglichen kriminellen Einschlag. So gab es z.B. die "Addl-Bande", die "Füchser-Bande" und natürlich die "große Volksbewegung" der Owwa- und Unnagessla. Anfang der 50er Jahre gab es sogar einen regelrechten "lndianerkrieg", der sich zwischen Owwa- und Unnagesslern bis in die Dorfstraßen hineinzog. So wurde sogar auf dem Messplatz und auf dem Sportplatz "gekämpft". Die Schleuderzwacken waren hierbei ständig in Aktion; Wurfgeschosse (Kohlebrocken, Holzstücke, Steine) wirbelten durch die Luft. Nach "Bausen" und "Schrammen" wurde dann das Kriegsbeil begraben. Seither sind solche großen "Indianerkriege" in den Ortsstraßen von Altrip nie mehr aufgeflammt.

 

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Pfaelzer Trachten - 029
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