Im Schatten zweier mächtiger Blutbuchen steht nördlich des spätromanischen Turms der protestantischen Pfarrkirche in Altrip das sogenannte Regino-Denkmal. Das am 19. November 1911 eingeweihte sechs Meter hohe Denkmal erinnert an den mittellateinischen Autor Regino, der in dem schon in römischer Zeit gegründeten Altrip geboren wurde. Regino von Prüm, wie er auch genannt wird, starb 915 in Trier. Zwischen 892 und 899 war er Abt des Benediktinerklosters Prüm, seit 899 Abt von St. Martin in Trier. Reginos Hauptwerk ist die 908 verfasste, im Mittelalter weit verbreitete "Chronica", eine Weltgeschichte von Christi Geburt bis 906, die den Zerfall des Karolingerreiches dokumentiert. Er wurde deshalb als "Verfasser der ältesten deutschen Weltgeschichte" und als der "erste Geschichtsschreiber Deutschlands" bezeichnet.
Im Gemeindearchiv Altrip lagert ein umfangreicher Quellenband zur Geschichte des 1911 erbauten Regino-Denkmals. Er erlaubt einen für die Pfalz einzigartigen Einblick in die Entstehungsgeschichte dieses von dem Mannheimer Bildhauer Friedrich Kurz gestalteten Denkmals, gibt Auskunft über die Intention der Auftraggeber, schildert detailliert Finanzierung und die Ausschreibung des Bauvorhabens, das Ringen um die künstlerisch beste Lösung, Eitelkeiten und Streitigkeiten unter den Stiftern und die Einweihungsfeierlichkeiten. Diese einzigartige lokalgeschichtliche Quelle hat den Autor angeregt, sich intensiver mit der Geschichte dieses Altriper Denkmals zu beschäftigen.
Heute wird in der vorderpfälzischen Gemeinde Altrip dreifach an den berühmten Sohn der Gemeinde erinnert. Außer dem Denkmal gibt es eine seit 1905 nach ihm benannte Straße und die vor einigen Jahren erbaute Festhalle.
Bis in die zweite Hälfte des 19. Jhdts. war die Beziehung zwischen Regino und Altrip in dem Rheindorf nicht bekannt. Am 5. Dezember 1911 erinnerte sich Hermann Provo in einem Schreiben an die Gebrüder Baumann: "Im Jahre 1868-69 stieß ich zum ersten male auf die Notiz, dass R. in Altrip geboren sei. Der Sicherheit halber frug ich bei der Redaktion der Leipziger Illustrierten Zeitung an. Die bejahende Antwort erschien gedruckt im Briefkasten dieser Zeitung. Nun habe ich in Altriper Kreisen die Sache bekannt gemacht. Vorher wurde der Name Regino nie genannt. Kein Mensch in Altrip wusste etwa von ihm."
Gut dreißig Jahre später gab es 1901 erste Bestrebungen Regino mit einem Erinnerungszeichen in Altrip zu würdigen, allerdings ohne konkretes Ergebnis. Der Gedanke wurde neun Jahre später erneut aufgegriffen. Nach Vorgesprächen am 16. Oktober gründete sich am 27. Oktober 1910 in der Altriper Wirtschaft "Zum Schwanen" ein "Komitee zur Errichtung eines Regino-Gedenksteins". Zu den 14 Mitgliedern des Vereins gehörten die Honoratioren des damals gut 2000 Einwohner zählenden Dorfes. Dazu gehörten die Gebrüder und Dampfziegeleibesitzer Ignatz und Michael Baumann, der Bürgermeister war, Pfarrer Jacob Häberlein, Adjunkt Philipp Hook IV., der Arzt Dr. Th. Horn und Lehrer Heinrich Zorn. Zu den Komiteemitgliedern gehörten auch Bäckermeister Math. Knauber und Metzgermeister Adam Hook.
Als treibende Kraft erwies sich ein Auswärtiger, der aus Altrip stammende und in Schwetzingen wohnende Privatier Hermann Provo. Von der Gründung des Komitees bis zur Errichtung des Denkmals dauerte es gerade ein gutes Jahr. Als sich die Initiatoren einen Monat nach der Gründung erneut im "Schwanen" versammelten, waren bereits 183,50 Mark an Spenden eingegangen, die man bei der Spar- und Darlehenskasse angelegt hatte. In welcher Form Reginos gedacht werden sollte, war zu diesem Zeitpunkt noch völlig offen. In der Sitzung vom 23. November 1910 machte Pfarrer Häberlein deshalb den Vorschlag: "Es möge zum Andenken ... ein Reginohaus gebaut werden, in dem die Kleinkinderschule und die Schwesternwohnungen untergebracht werden könnten. Eine entsprechende Gedenktafel könnte man dann am Reginohaus anbringen." Der Antrag des Pfarrers fand keine Gegenliebe, er wurde bei einer Stimmenthaltung einstimmig abgelehnt. Im Februar 1911 war die Spendensumme auf 628,50 Mark angewachsen. Jetzt hatte man auch genauere Vorstellungen von der Form des Denkmals: "Alsdann wird beschlossen, für den Regino-Gedenkstein einen einfachen Granit- und Syenitblock (Findling od. gehauen), auf einem Postament von ca. 1 m aufgebaut, in der Gesamthöhe von ca. 3 - 3,50 m zu errichten, u. zwar mit entsprechender Ausschmückung durch passende Blöcke. Auf dem Granit- od. Syenitblock soll die mit Inschrift versehene Bronze-Tafel angebracht werden. Einschlägige Offerten mit Skizzen sollen von Bildhauern eingeholt werden."