Seidenraupenzucht in Altrip

Erst im 6. Jahrhundert konnte Kaiser Justinian zwei Mönche dazu veranlassen, Eier der Seidenraupe in ihren Wanderstäben aus Bambus aus China heraus zu schmuggeln.

In Europa verbreitete sich die Seidenherstellung sehr langsam. Erst in der Renaissance erreichte sie Italien, wo sehr wertvolle Brokate und Damaste hergestellt wurden.

Nachdem bereits Mitte des 18. Jahrhunderts unter Kurfürst Karl Philipp (1716 - 1742) der Versuch der Seidenraupenzucht und damit die Gewinnung der Seide fehlgeschlagen war (damals ließ man von Heidelberg nach Schwetzingen eine Maulmeerbaumallee anlegen und gründete eine "Seidenwurmfabrik"), unternahm Kurfürst Carl Theodor (1742 - 1799) nochmals einen Anlauf, die Seidenherstellung zu neuem Leben zu erwecken. Diese Seidenbaugesellschaft sollte innerhalb von vier Jahren 12000 Maulbeerbäume in der Pfalz anpflanzen und die Bevölkerung in der Seidenraupenzucht unterrichten. Da aber diese Gesellschaft ihre vertraglichen Verpflichtungen nicht erfüllte, entzog ihr der Kurfürst nach zwei Jahren ihre Rechte und übertrug sie dem Seidenstrumpffabrikanten Jean Pierre Rigal. Dieser war schon im Herzogtum Württemberg Generalinspektor der Maulbeerbaumplantagen. Solche bestanden in Heidelberg, Neuenheim, Ladenburg, Weinheim und Frankenthal. In Heidelberg befanden sich fünf Baumschulen, von wo aus man den Gemeinden die benötigten Pflanzen lieferte.

Im Jahre 1770 machte man den Gemeinden den Anbau von Maulbeerbäumen zur Auflage. Die mehrfachen Anläufe waren jedoch nicht von Erfolg gekrönt. Deshalb wurde am 25. Januar 1785 zwischen dem kurfürstlichen Geheimen Rat von Maubuißon und der Gemeinde Altrip, vertreten durch dem damaligen Schultheißen Barthol Schweickert, ein "Contract" abgeschlossen, der in 18 Artikeln alles regelte, von der Pflanzung, der Unterhaltung bis zur Vergütung.

Wo in Altrip die Bäume gepflanzt waren, lässt sich heute nicht mehr genau feststellen. Aber einem Vorvertrag vom 1. Dezember 1784 zufolge übertrug die Gemeinde "dem Herrn Maubuißon das Eigentum aller Chausseegräben, wie (sie) solche in der Gemarkung mehrere haben, nicht weniger auch den Theil der Rheindämme zu beiden Seiten, es mögen Haupt- oder Nothdämm seyn, Ohne Ausnahme 3 bis 4 Schuh breit, so viel solches zum Baumpflanzen nothwendig ist."

Seidenraupenzucht in AltripDie Zucht der Raupen ist nicht gerade einfach. Sie benötigt ein mäßig warmes Klima. Die Eier werden im Frühjahr von den Schmetterlingen in luftigen, sauberen Räumen mit 18 Grad Wärme ausgelegt, die jungen Raupen mit den Blättern des Maulbeerbaumes gefüttert. Nach 32 bis 40 Tagen fressen die Raupen nicht mehr und verpuppen sich in starkem, gelochtem oder gefaltetem Papier. Dabei spinnen sie aus einem einzigen, etwa 2000 Meter langen Faden einen Kokon. Zwei bis drei Wochen später schlüpfen die zur Weiterzucht gehaltenen Schmetterlinge aus. Der übrig gebliebene Kokon bildet dann das Rohmaterial für die Naturseidenindustrie. Kot und Blattreste müssen täglich entfernt werden.

Doch diese Arbeit raubte den Untertanen viel Zeit. Darum ist es auch verständlich, dass sie über diese zusätzlichen Arbeiten nicht begeistert waren. Durch Vernachlässigung gingen viele Maulbeerbäume ein und mussten nachgesetzt werden.

Um Ausfälle zu vermeiden, inspizierte von Zeit zu Zeit ein Maulbeerbaum-Inspektor die Pflanzungen. Jeder Seidenzieher bekam für zwanzig Pfund Kokons einen Reichsthaler (1 Gulden 30 Kreuzer) Prämie.

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