Steinerner Zeitzeuge der Dorfgeschichte

Heimat- und Geschichtsverein weiht Myriameterstein ein - Vor neun Jahren entdeckt

In einer Feierstunde stellte der Heimat- und Geschichtsverein am Samstag den lange verschollen geglaubten Altriper Myriameterstein offiziell der Öffentlichkeit vor. Edgar Alt hatte ihn vor neun Jahren wenige Meter neben dem Vereinsheim des Motoryachtclubs wiederentdeckt.

Das Vermessungs- und Katasteramt hatte Edgar Alt für seine Suche eigens alte Karten zur Verfügung gestellt. Und Stein wurde fündig, vor neun Jahren. Aber erst im vergangenen September begann die Bergung: Um den 1,80 Meter hohen und etwa zwei Tonnen schweren Stein von seinem ursprünglichen an den nur 20 Meter entfernten jetzigen Standort zu bewegen, mussten zwei Bagger eingesetzt und rund neun Kubikmeter Erde bewegt werden. „Das war ein Riesenloch”, erinnerte sich Bauhofleiter Lutz Pfeuffer an die Arbeiten. Die Kosten in Höhe von rund 1800 Euro teilten sich der Heimat- und Geschichtsverein und die Kommune.

Der Vereinsvorsitzende Wolfgang Dilly und Bürgermeister Jürgen Jacob bezeichneten den Koloss bei der offiziellen Präsentation am Samstag als wichtigen Zeitzeugen der Geschichte der Gemeinde. Neben dem Stein enthüllte Dilly eine Informationstafel, die allerhand Wissenswertes über das aus Granit sowie Sandstein hergestellte Monument vermittelt. Zum Beispiel erfahren Interessierte, dass ein Myriameter zehn Kilometern entspricht und der Stein 1874 von der Commission für die Rheinschifffahrt gesetzt worden war. „Damals diente er den Kapitänen als Orientierungspunkt”, erklärte Dilly. Auf der dem Fluss zugewandten Seite steht bis heute die Nummer des Steins in römischen Ziffern. Die Landseite informiert über die Entfernung in Myriametern nach Basel sowie bis zur Rheinmündung in Rotterdam. An den beiden übrigen Seiten des viereckigen Steins ist die Entfernung zu den damaligen Landesgrenzen angegeben: Das Großherzogtum Hessen etwa lag 21 Kilometer stromaufwärts.

„Verschollen ging das gute Stück bei einer Geländeaufschüttung zugunsten der ehemaligen Kiesgrube”, erzählte Dilly. Damals habe die Industrie eben keine Rücksicht auf historisch wertvolle Relikte genommen und diese einfach beseitigt, wenn sie im Weg standen. Es sei Edgar Alt und seiner unermüdlichen Suche zu verdanken, dass der Altriper Myriameterstein nun endlich wieder für jeden zugänglich ist. (mamü)

Edgar Alt (rechts) bestaunt mit Elke Knöppler, Bürgermeister Jürgen Jacob und Wolfgang Dilly vom Heimatverein (links) den Myriamterstein. Alt hatte den Stein vor neun Jahren entdeckt. | FOTO: LENZ

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 30. April 2007)