„Wilder Rhein” und Myriameterstein

Bürgerinitiative konzipiert Hochwasser-Lehrpfad

Auf der Gemarkung Altrip ist ein Hochwasser-Lehrpfad eingerichtet worden. Die Idee ist schon älter, der Grundstein wurde 2005 zum Jahrestag des verheerenden Hochwassers von 1955 gelegt. An den Schautafeln haben verschiedene Bürgergruppen mitgewirkt, indem sie ihr Wissen zu Rhein und Hochwasser zusammentrugen.

„Rheinblicke” heißt das Motto des Lehrpfades, der bis jetzt zu drei Informationstafeln führt. Zur Eröffnung am Sonntag eingeladen hatte die Bürgerinitiative Hochwasser- und Naturschutz (BIHN) Altrip, die Schirmherrschaft hat Altrips Bürgermeister Jürgen Jacob übernommen.

Gegenüber der früheren Wirtschaft „Karpfen” befindet sich die erste Tafel mit dem Thema „Der wilde Rhein”. Fotos zeigen Hochwasser-Situationen und wie die Altriper damit zurande kamen. Der zugehörige Text beschreibt die Historie. Die zweite Tafel befindet sich Richtung Waldsee am „Horn”. Sie zeigt einen Dammquerschnitt und erläutert Deich- und Entwässerungssysteme. Die dritte Tafel schließlich wurde am Standort des wiederentdeckten Myriameter-Steins aufgestellt, beim Motorboothafen am Altrheinarm des Prinz-Karl-Wörth. Hier wird die Bedeutung des Steins und die Vermessung des Rheins erklärt.

BIHN-Mitglied Dorothee Limburg-Arnold erklärte, der Hochwasser-Lehrpfad solle historisch gewachsenes Wissen um Rhein und Hochwasser bewahren. „Dieses Wissen ist heute nicht mehr gefragt. Heute verlassen sich Entscheidungsträger auf Modellrechnungen”, sagte sie. Sie wies darauf hin, dass Erfahrungswissen und Berechnungen beim geplanten Polder nicht zusammenpassen würden. Bürgermeister Jacob versprach, sich bei Nachbargemeinden für die Fortführung des Pfades einzusetzen.

Als Vertreter der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd in Neustadt lobte Vizepräsident Ralf Neumann den Pfad als „vorbildlich”. Die weitere Fortführung des Pfades wäre sinnvoll und die Vernetzung mit anderen Regionen am Flussufer, wie Rheinhessen, sei wünschenswert, ergänzte der SGD-Vizepräsident.

Über den Polder bei Altrip gebe es dagegen „unterschiedliche Auffassungen”. Als Neumann Grüße der in Altrip nicht sehr geliebten Ministerin und Polder-Bauherrin Margit Conrad (SPD) übermittelte, ging ein Raunen durch die Reihen der Bürger.

Die Eröffnung der Veranstaltung stieß unterdessen auf großes Interesse. Landrat Werner Schröter (SPD) war gekommen, die Bürgermeister von Waldsee und Neuhofen übermittelten Grüße. Ortshistoriker Wolfgang Schneider, Emil Lebherz als Vertreter der Agenda 21 und der Entdecker des Myriametersteins, Edgar Alt, erklärten ihre Beiträge zum Hochwasser-Lehrpfad. (ghx)

Das Hochwasserproblem Altrips veranschaulicht: Dorothee Limburg-Arnold von der Bürgerinitiative und Emil Lebherz als Vertreter der Lokalen Agenda erklären eine der Informationstafeln. | FOTO: LENZ

(Quelle: Die Rheinpfalz - Ludwigshafener Rundschau - 19. Juni 2007)