Polder-Gegner mit Rettungsboot auf Tour

Farbenfroher Fischerfest-Umzug: Mitglieder des Karnevalvereins „Rhoihexe”, die Flamenco-Gruppe des Kulturforums und Kinder des Geschwister-Scholl-Kindergartens (von links). | FOTOS: LENZ

Umzug zum Fischerfest mit fast 50 Zugnummern begeistert Zuschauer und lässt Bürgermeister an früher denken

Mit dem Umzug am Sonntagnachmittag hatte das vor 75 Jahren zum ersten Mal gefeierte Fischerfest diesmal einen echten Höhepunkt. Die Straßen waren gesäumt von interessierten Bürgern aus Altrip und vielen Besuchern aus Nachbargemeinden.

Kurz vor 14 Uhr machen sich die Zuschauer auf, um einen guten Platz zum Umzug-Schauen zu haben. Viele stehen vor dem Rathaus, auf dessen Balkon Moderator Ralf Kissel die Zugnummern erklärt. Es dauert ein paar Minuten, da hört man aus der Ferne Trommeln: Der Zug beginnt mit einer Guggemusik. Die „Newwelfetzer” aus Mannheim sind als Seeungeheuer verkleidet und rumpeln und tröten, was das Zeug hält. Bürgermeister Jürgen Jacob fühlt sich an der Seite von Fischerkönigin Michaela Becker offensichtlich wohl. Beide grüßen huldvoll von der offenen Kutsche.

Bei knapp 50 Zugnummern macht natürlich alles mit, was Beine hat. Manche haben sogar vier davon, nämlich die Hunde der Hundefreunde und die Pferde des Reitclubs. Die originellen Themen und Verkleidungen kommen bei den Zuschauern sehr gut an. So gibt es nicht nur Römerinnen, frisch gewickelt in neue Gewänder von Rosel Jungbauer, sondern auch Asterix und Obelix, die Wildschweine grillen, und Miraculix braut einen Zaubertrank - ob da Rheinwasser drin ist, ist nicht bekannt. Mit Wasser hat auch die Bürgerinitiative Hochwasser und Naturschutz zu tun. Die Aktivisten stellen schon mal ein Rettungsboot vor, das 8000 Altriper im Fall einer Polderflutung retten soll.

An den ersten Gelehrten von Weltruf aus Altrip erinnern gleich mehrere Kuttenträger im Mönchsgewand. Ohne Kutten sind die Motorradfahrer des Bikerclubs unterwegs. Während eine übliche, voll verkleidete „Gold-Wing”-Maschine wie Zwei-Zimmer-Küche-Bad auf Rädern wirkt, ist in Altrip auch eine Honda „Gold Wing” als schönes „Naked Bike”, mit einer sehr gut aussehenden - bekleideten - Fahrerin, zu bewundern. Die Nordic Walker zählen zum Athletenclub und zeigen, dass sie sehr energisch am Stock gehen.

Ute Kaltenbach-Pockrandt, die an der Zugstrecke wohnt, hat es sich am Straßenrand gemütlich gemacht. „Mir hat der Umzug sehr gefallen”, sagt sie. Der am Ortsrand wohnende Peter Sefrin ist zu Besuch gekommen, um gemütlich sitzend den Zug zu sehen. Thomas und Ina Kaufhold haben es sich ebenfalls mit Sesseln und Beistelltischchen bequem gemacht. Ihnen gefallen die Ideen der Umzugsteilnehmer. Petra Kuchenbecker aus Rheingönheim hat sie zum Umzug-Gucken besucht.

Der Zug beginnt und endet am Waldpark. Jutta Keim, deren Familienbetrieb schon seit 1956 mit einem Süßwarenstand nach Altrip kommt, hofft auf gutes Wetter. Der Auftakt des Fests sei nämlich schleppend verlaufen. Viel zu tun hat Nicole Ostfalk, Junior-Chefin der Fischbraterei Ostfalk, die nun in der vierten Generation zum Fischerfest kommt. „Hier hängt der Besuch immer sehr stark vom Wetter ab”, so ihre Erfahrung.

Für Jürgen Jacob ist es der erste Umzug als Bürgermeister. Er zeigt sich von diesem Ereignis ebenso begeistert wie von der hübschen Fischerkönigin. Jacob denkt sogar darüber nach, den Umzug wieder öfter zu machen, nicht nur alle paar Jahre. Als er ein kleiner Schulbub war, habe es zum Fest immer frei gegeben, damit die Kinder als „Altriper Männle”, als Heinzelmännchen, auftreten konnten, erinnert er sich. Die große Resonanz freue ihn. Auch Fischerkönigin Michaela Becker hat Freude am Umzug. An ihre Untertanen hat sie die Botschaft: „Ich hoffe, dass noch viele am Montag kommen und gemeinsam den Abschluss und das Feuerwerk erleben.” (ghx)

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 2. Juli 2007)