Flucht nach vorne

In Altrip wollen die Römer hoch hinaus.

„Voller Neid mögen die anderen Städte auf diese neuen Mauern blicken”, so der Rhetoriker Quintus Aurelius Symmachus am Neujahrstag des Jahres 370 in Trier. „Zunächst fällt dem Betrachter die Gunst der Lage ins Auge: die Erhöhung im Gelände und der vorteilhafte Bogen der zwei Flüsse Rhein und Neckar.” Symmachus' Adressat, der römische Kaiser Valentinian I., mag an der Stelle beifällig genickt haben: Die Preisrede greift, den Regeln des Genres gemäß, oft zur Schmeichelei - warum der Kaiser das Kastell „Alta Ripa”, also „hohes Ufer”, hat errichten lassen, erfasst der Rhetoriker gleichwohl.

Valentinian, in dessen Auftrag die Rheingrenze mit einer ganzen Reihe von Kastellen gesichert wird, ist eigentlich Karrieresoldat: Er tritt früh in die Armee ein, dient unter seinem Vorgänger Julian in Syrien und wird 364 selbst von seinen Truppen auf den Schild gehoben. Militärische Kompetenz in seiner Führungselite kann das spätrömische Reich auch wahrlich gut gebrauchen.

Seitdem der obergermanisch-rätische Limes zwischen Rhein und Donau um 260 von Germanen überrannt worden ist, haben sich die Römer sukzessive in die linksrheinischen Gebiete zurückgezogen. Immer wieder stoßen germanische Plünderungstrupps auch dorthin vor - und Valentinian bevorzugt angesichts der schwierigen Situation die Offensiv-Verteidigung.

Mit Zügen über den Rhein, ins Germanengebiet, will er die Kräfte der Barbaren binden. Der ab 369 entstehende Baukomplex am hohen Ufer, jenseits der damaligen Neckarmündung, ist dafür ausgelegt: Eine Schiffsbrücke verbindet das linke Rheinufer mit Vorwerken auf dem rechten - und so entsteht ein Sprungbrett für Operationen im Feindesland.

Valentinians Befestigungen halten die Germanen für einige Jahrzehnte in Schach. Und der Ort Altrip bei Ludwigshafen ist einer der ganz wenigen in der Pfalz, der seine römischen Wurzeln bis heute im Namen trägt.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 17. Juni 2012 | Von Daniel Krauser)