Erste Fusion in der Vorderpfalz

VERTRAG: Waldsee, Otterstadt und Altrip an der „Blauen Adria" gehen künftig gemeinsame Wege

Einen historischen Moment gibt es heute Nachmittag um 14 Uhr, im Rathaus von Waldsee: Als erste Kommunen in der Vorderpfalz werden Waldsee, Otterstadt und Altrip mit der Unterschrift ihrer Bürgermeister unter den Fusionsvertrag die „Ehe" der drei Gemeinden in der Rheinebene gemäß den Bedingungen der rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform besiegeln. Waldsee und Otterstadt bildeten bereits seit 1972 eine Verbandsgemeinde - nun kommt mit dem einstigen Römerkastell Altrip die wohl älteste Pfälzer Gemeinde am Rhein hinzu.

Ehe bringt beachtliche „Morgengabe" vom Land

Verbands- und Ortsbürgermeister Otto Reiland (Waldsee) und seine beiden Kollegen Jürgen Jacob (Altrip) und Bernd Zimmermann (Otterstadt) werden den „Ehevertrag" unterschreiben und der neuen Großgemeinde durch die freiwillige Fusion damit eine beachtliche finanzielle „Morgengabe" der Landesregierung in Millionenhöhe sichern. Die „Einheirat" ist politisch bereits in trockenen Tüchern: Nach Waldsee und Otterstadt stimmte nun auch der Gemeinderat Altrip mit nur einer Gegenstimme dem Zusammenschluss zu.

Großgemeinde hat 16 500 Einwohner

Die künftige Großgemeinde zwischen Ludwigshafen und Speyer, für die die Einwohner noch bis zum 31. Januar nächsten Jahres einen Namen vorschlagen können, hat mit rund 16 500 Einwohnern das vom Landesgesetzgeber in Mainz geforderte „Mindestmaß". Altrip (7 700 Einwohner), Waldsee (5 340) und Otterstadt (3 300) gingen eine Art „Liebesheirat" ein - obwohl Altrip zuvor auch mit einem Zusammenschluss mit Neuhofen liebäugelte. Dort jedoch ist Limburgerhof der erklärte Favorit.

Die drei Gemeinden bilden als Großgemeinde an der Rheinschiene auch flächenmäßig eine beachtliche Einheit: Otterstadt hat zwar die wenigsten Einwohner, aber mit 15,57 Quadratkilometern die größte Gemarkung. Es folgen Waldsee mit 12,93 und Altrip mit 10,48 Quadratkilometern. Alle drei Gemeinden bringen viel Wasser in die neuformierte Gemeinde ein: Die „Blaue Adria" und Baggerseen, Rheinufer und Altrheinarme sind seit Jahrzehnten vor allem für die nahen Großstädte Mannheim und Ludwigshafen beliebte Naherholungsziele.

Aber auch nach der Unterschrift der Ortschefs heute nNachmittag um 14 Uhr werden noch weitere Verhandlungen notwendig sein - es müssen Detailfragen geklärt werden. So werden Waldsee und Altrip eigene überschaubare Ortsverwaltungen haben - aber das wünschen sich auch die Otterstadter. Fest steht schon jetzt, dass die freiwilligen Feuerwehren der drei Gemeinden „vor Ort" bleiben - ihre Einrichtungen aber zentral verwaltet werden. Die Altriper Rheinfähre wird auch in Zukunft von Altrip aus gesteuert - das Bürgerbüro bleibt im Ort.

Ortsnamen bleiben als Untertitel bestehen

Wie auch immer die neue Großgemeinde heißen wird: Altrip, Waldsee und Otterstadt werden ihre bisherigen Namen nicht aufgeben müssen. Sie werden auf dem Briefkopf der Zentralverwaltung als „Untertitel" weitergeführt - und die Ortsschilder an den Ortseingängen nur unwesentlich geändert. „Altrip bleibt Altrip" versicherte in der Gemeinderatssitzung Bürgermeister Jürgen Jacob.

Bei einer ebenfalls diskutierten, aber unerwünschten Eingemeindung in die nahe Großstadt Ludwigshafen wäre die Altriper Identität wohl eher verloren gegangen.

(Quelle: www.wormser-zeitung.de am 19.12.2011 / Rolf Sperber)