Der Feuerfalter lebt gefährlich

Die Rheinauen zählen zu den artenreichsten Lebensräumen der Welt. Die alten Fluss-Schlingen, in denen sich der Strom früher gemächlich gen Meer wälzte, sind mit ihren pflanzenreichen Uferstreifen heute die Kinderstube für viele Arten von Fischen, Vögeln und Insekten. Die Vielfalt an Kleingetier wiederum zieht andere Lebewesen in die warmen Feuchtgebiete.

Wenn Sie in den Rheinauen spazieren gehen, dann ist Ihnen vielleicht schon mal ein auffallender, feurig roter Schmetterling begegnet, der an der Unterseite bräunlich und grau-hellblau gefärbt ist. Dabei handelt es sich um den großen Feuerfalter. „Er ist ein typischer Auenfalter, der eine besondere Bedeutung für die Rheinebene hat und im gesamten Kreis vorkommt. Trockene Jahre wie diese sind ausgezeichnete Falterjahre”, erklärt Siegfried Filus, Diplom Biologe bei der Kreisverwaltung.

Der große Feuerfalter ist ein Einzelfalter, der nicht in Massenpopulationen auftritt und überwiegend auf Feuchtwiesen vorkommt. „Er ist ein Spezialist mit eingegrenztem Lebensraum und auf wenige Pflanzen fokussiert”, beschreibt Filus. Der große Feuerfalter braucht den Ampfer, genau genommen den krausen Ampfer, eine Pflanze, die auf Feuchtwiesen, an Wasser- und Grabenrändern relativ häufig zu finden ist. Wenn die Futterpflanze aber nicht vorhanden ist, dann verschwindet der mobile Falter, der immer der Gefahr ausgesetzt ist, dass seine Futterpflanze gemäht wird.

Relativ kurze Lebensdauer

Es gibt zwei Generationen Falter. Wenn die Eier im Sommer gelegt werden, dauert es neun Monate bis zum fertigen Schmetterling. Viel schneller geht es bei den im Frühjahr abgelegten Eiern, weil im Sommer bessere Bedingungen herrschen und der Falter bereits im Juli zu voller Pracht entwickelt ist. Lange daran erfreuen kann man sich nicht, denn die Lebensdauer der Schmetterlinge beträgt nur ein paar Tage, vielleicht Wochen. Die meiste Zeit seines Lebens verbringt der Falter als Raupe. Und schon da werden die Bestände ausgedünnt, denn sowohl die Raubwanzen als auch die Schlupfwespen machen sich gerne an Eier und Puppen heran. Pilze und Infektionskrankheiten schon im Raupenstadium tun ein übriges. Und wer es dennoch schafft, dem droht Gefahr von Vögeln, Spinnen und Insekten, wie zum Beispiel den Hornissen.

Bläulinge sind typische Rheinauen-Falter. Ihre Futterpflanze ist der große Wiesenknopf. | FOTO: ARCHIV„Ein weiterer weit verbreiteter Auenfalter ist der dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling”, erläutert der Biologe. Die helle Variante kommt nur noch selten in den Auwäldern vor. Die einzige Futterpflanze des Rheinauen-Schmetterlings ist der große Wiesenknopf, zu dem der Pfälzer „Bluttröpchen” sagt. Im Juli beginnt der große Wiesenknopf zu blühen, und der Schmetterling, der stark an diese Pflanze gebunden ist, taucht auf. Um den Energiebedarf zu decken, steckt der Falter seinen Saugrüssel in die Blüte und saugt den Nektar, der Treibstoff, den die Schmetterlinge für ihre beachtliche Flugleistung brauchen.

Seinen Namen hat der dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling aber nicht nur von der Futterpflanze, wo die Eier abgelegt werden. Nach zwei Häutungen wandern die Raupen am Stiel der Pflanze nach unten und suchen sich ein Ameisennest oder werden von den Ameisen ins Nest getragen. „Die Raupen überwintern dort und scheiden ein Sekret ab, das die Ameisen veranlasst, sie aufzunehmen und nicht zu fressen”, klärt Filus auf, räumt aber ein, dass hier noch Forschungsbedarf besteht.

Die Raupen füttern die Ameisen mit Zuckersaft, leben als Parasiten im Nest und machen sich sogar über die Eier und Larven der Ameisen her. Gefährdete Schmetterlinge gehören zu den europaweit geschützten Arten, denn sie existieren nur, wenn sowohl der bis zu 1,50 Meter groß werdende Wiesenknopf, als auch die Ameisen vorhanden sind. Zudem sind sie nicht besonders mobil.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 9. August 2003 | Von Thomas Leimert)

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