„2003 für Amphibien verheerend”

Die Rheinauen zählen zu den artenreichsten Lebensräumen der Welt. Die alten Fluss-Schlingen, in denen sich der Strom früher gemächlich gen Meer wälzte, sind mit ihren pflanzenreichen Uferstreifen heute die Kinderstube für viele Arten von Fischen, Vögeln und Insekten. Die Vielfalt an Kleingetier wiederum zieht andere Lebewesen in die warmen Feuchtgebiete.

Den Laubfrosch kennt jedes Kind – zumindest ist uns sein Bild auf der Leiter im Einmachglas vertraut. Früher gab es ihn einmal flächendeckend, doch der Bestand ist dramatisch eingebrochen, die Amphibie hat ganze Regionen geräumt, so auch die Rheinauen. Um ihn und seine Artgenossen zu schützen, hat die GNOR (Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie) das Projekt „Auenamphibien” ins Leben gerufen.

Mit der breit angelegten Aktion sollen auch kurzlebige Amphibienarten vor dem Aussterben bewahrt werden, sagt Tom Schulte, der Leiter der GNOR-Geschäftsstelle Pfalz. Bewährt hätten sich dabei extra angelegte Laichgewässer. „Denn wo viel Wasser ist, kommt es zu Massenentwicklungen”, sagt der Biologe. Der Laubfrosch ist jetzt wieder zum Oberrhein südlich von Speyer in nennenswerter Zahl zurückgekehrt, und auch nördlich der Domstadt wird er seit 1999 wieder vereinzelt gesichtet.

Häufig sind dagegen Wasserfrösche wie der kleine Teichfrosch, der die kleinen Biotope der Hausgärten gevölkert. Seltener ist der Seefrosch anzutreffen. Er ist mit seinen 15 bis 18 Zentimetern größer als eine ausgewachsene Erdkröte. Eine genetische Besonderheit ist, dass sich die Frösche der Umgebung anpassen können.

In den Rheinauen verbreitet: Moorfrösche. | FOTO: DDPNeben diesen Grünfröschen, die ans Wasser gebunden sind, gibt es in den Auen noch die Familie der Braunfrösche wie den Gras-, den Moor- und den Springfrosch. Diese Tiere kommen nur zum Laichen an die Gewässer. In ihre Sommerquartiere unternehmen sie nachts richtige Wanderungen. Der Moorfrosch liebt grundwassernahe Bereiche, ist aber in Rheinland-Pfalz stark gefährdet. Der Springfrosch ist mehr in trockenen Auwäldern zu finden. Und der Grasfrosch, eine der häufigsten Amphibienarten, überwintert auch in Gewässern. Dies sogar, wenn das Gewässer zugefroren ist, weil die Amphibie im Winter von der Atmung über die Lunge oder den Mundraum auf Hautatmung umstellen kann.

„Kommen die Frösche und Kröten im Frühjahr zum Laichen an die Gewässer, haben sie unter Umständen einen Weg von zwei Kilometern Länge hinter sich gebracht”, erläutert Schukte. Erdkröten treten immer in Massen auf, da sich alle zur gleichen Zeit auf den Weg machen. Während die am Wasser laichenden Weibchen nach zwei, drei Tagen den Rückzug antreten, wartet das Männchen auf weitere Weibchen. Völlig unterschiedlich sieht der Laich aus. Bei den Fröschen werden Laichballen, so groß wie eine Nuss oder ein Ei abgelegt, bei den Kröten sind es schwarze Eier an gallertartigen Schnüren, bei den Unken Laichfetzen und Molche kleben die Eier einzeln in ein geknicktes Blatt.

Braun- und Grünfrösche können zehn bis zwölf Jahre alt werden, Kröten sogar um einiges älter. So zum Beispiel die Knoblauchkröte, die ab dem zweiten Jahr riesige, fast 15 Zentimeter große Kaulquappen produziert. Allerdings nur in fischfreien Gewässern. Die Kaulquappen hängen bäuchlings nach oben an der Wasseroberfläche und sind chancenlos, wenn sich Raubfische im Wasser aufhalten. Deshalb ist auch die Art stark rückläufig.

„Die Knoblauchkröte liebt zwar sandige Böden, gräbt sich tagsüber 30 bis 40 Zentimeter tief ein und kommt nachts zum jagen raus”, erzählt der Biologe. „Aber insgesamt ist Trockenheit schlecht für die Bestände der Amphibien. 2003 ist da ein verheerendes Jahr.”

Ebenfalls in den Rheinauen zu Hause sind die Kreuz- und die Wechselkröten, die Trockenheit vertragen können, Lebensräume mit steppenartigem Charakter bevorzugen. „Die Kreuzkröte laicht in Pfützen. Das brühware Wasser fördert die schnelle Entwicklung, und in den Pfützen gibt es keine natürlichen Feinde”, so Schulte. Bei der Gefahr der Austrocknung können diese Kröten sogar ihre Entwicklungszeit verkürzen.

Eine Gallionsfigur für die Amphibien ist der Kammmolch, der vor dem Aussterben bewahrt werden soll und für den Schutzgebiete wie der Altrhein ausgewiesen werden müssten, betont Schulte. Neben dem Bergmolch kommt im Landkreis noch der weit verbreitete Teichmolch vor, der im Schifferstadter Wald und bei Böhl-Iggelheim zu finden ist. Die einzige Schlange, die bei uns heimisch ist, ist die Ringelnatter.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 11. August 2003 | Von Thomas Leimert)

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