Der Zivilcourage ein Denkmal gesetzt

Oswald-Jacob-Platz feierlich eingeweiht – Erinnerung an einen „mutigen Demokraten“

Altrip hat der Zivilcourage ein „Denkmal” gesetzt: Bürgermeister Willi Kotter hat am Samstag den Oswald-Jacob-Platz eingeweiht. Er liegt an der Weggabelung von Wilhelm- und Luitpoldstraße und erinnert an einen „mutigen Demokraten”, wie es auf einem dort installierten Infoschild zu entnehmen ist.

Altrips Bürgermeister Willi Kotter und Hilde Netsch, die Tochter von Oswald Jacob, weihten den neu benannten Platz ein. | FOTO: LENZOswald Jacob (1896 bis 1961) war gelernter Schlosser, in der SPD aktiv und sozial engagiert. Er organisierte unter anderem für die Arbeiterwohlfahrt ein Waldparkfest und unterstützte mit dem Erlös das „Winterhilfswerk Altrip”. Im Alltag handelte und reparierte er als Selbstständiger Motor- und Fahrräder. Jacob waren die Kommunisten ein Dorn im Auge. 1931 „sprengte” er eine ihrer Versammlungen im „Rheintal”, nachdem eine Referentin der Kommunisten die SPD aufs Korn genommen hatte. Es waren vor allem die großen Wahlerfolge der Hitlerbewegung, die Jacob SPD-Mitglied werden ließen. 1933 wurde er sogar zum Ortsvereinvorsitzenden gewählt.

Das allein war es aber nicht, was die Gemeinde veranlasst hat, Jacob zu gedenken – obwohl es laut Kotter im „Gemeinderat ein paar Probleme deswegen” gegeben habe. Der neue Platz erinnert an Jacob, weil er sich der „Machtergreifung durch die Nationalsozialisten entgegengestellt” hat, heißt es auf einer Infotafel. Die Nazis hatten die Zahl der Ratssitze auf zehn reduziert. Vier davon bekam die SPD. Jacob war zu dieser Zeit SPD-Fraktionssprecher. Bei der Verpflichtung neuer Ratsmitglieder blieb er mit seinen Genossen beim „Sieg Heil” demonstrativ sitzen. Die NS-Presse beschimpfte ihn als „Sumpfpflanze”, Jacob wurde in Schutzhaft genommen. (oki)

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 10. November 2003)