Urlaub ohne Brauerei-Besuch nur halb so schön

Christian Karl hat sich sein eigenes Weizenbierglas-Museum eingerichtet

Sammler sind bisweilen für ihren kompromisslosen und zielstrebigen „Jagdtrieb” bekannt. Doch nicht jeder Beutejäger geht seinem Hobby so konsequent nach, dass er eigens hierfür ein Museum betreibt. Anders Christian Karl: Er hat das erste Altriper Weizenbierglas-Museum eingerichtet. 1851 Weizenbiergläser aus 1183 deutschen Brauereien beherbergt mittlerweile seine Schatzkammer.

Sobald der Besucher die Vielfalt der blank geputzten Gläser erfasst hat, drängt sich zwangsläufig die Frage der Reinigung auf: Das mache er natürlich selbst in Handarbeit. Sechs Wochen im Jahr sei er damit beschäftigt, versichert Karl.

1851: So viele Weizenbiergläser hat der Altriper Christian Karl bisher gesammelt. | FOTO: LENZBegonnen hat der Sammeltrieb aus Naivität, wie der 48-Jährige bekennt. Als junger Mann sei er der - freilich falschen - Meinung gewesen, dass Weizenbier weniger Alkohol habe als anderes Bier. „Ich glaubte deshalb, mir als passionierter Motorradfahrer bei Ausflugsfahrten eher ein Weizenbier leisten zu können”, gesteht der Altriper. Heute weiß er das natürlich besser und hat nicht nur Gläser, sondern auch einiges Wissen über das obergärige Bier angesammelt.

Von seinen übrigen Biergläsern hat sich Karl der Menge wegen längst getrennt und sich ausschließlich auf Weizenbiergläser spezialisiert. Aber auch da ist er Purist: Weder Krüge noch Henkelgläser oder gar Designergläser findet man in seinem Museum. Er beschränkt sich ausschließlich auf Gläser von deutschen Brauereien - und da wird die Suche nach den begehrten Objekten immer schwieriger. Besonders alte Gläser aus bereits geschlossenen Brauerein haben es dem Sammler angetan. Etwa 70 Jahre alt ist sein ältestes, mundgeblasenes Stück, das etwa 350 Euro wert ist.

Derzeit ist der gelernte Schreiner auf der Suche nach einem Glas der Kaiserslauterer Brauerei Marhoffer, die seit 1937 geschlossen ist. Dank Internet hat sich mittlerweile eine Sammlerbörse etabliert, wo sich Karl mit bundesweit 40 Sammlern austauscht. Es gebe Kollegen, die für sehr seltene Gläser 1200 Euro ausgeben, berichtet Karl. Soviel Geld gibt der Altriper zwar nicht aus, auf der Suche nach Seltenem oder Kuriosem nimmt er jedoch längere Wege in Kauf.

„Früher habe ich Urlaubsziele auch nach Brauereien ausgesucht, das war für die Kinder nicht immer spannend”, gesteht der zweifache Familienvater. Am liebsten fuhr er mit der Familie zu kleinen fränkischen Hausbrauereien. Dort schmecke das Bier ganz unterschiedlich, sagt der Kenner, der niemals ein anderes alkoholisches Getränk probiert.

Mittlerweile sind die Kinder erwachsen und werden das elterliche Haus wohl bald verlassen. Dann hat Christian Karl wieder Platz, um seine Sammlung zu erweitern. Er will sich jedoch nicht nur den Gläsern, sondern auch deren Inhalt widmen: einem selbst gebrauten Weizenbier.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 19. Juli 2008 | Von Marion Bastian)