Ein neuer - alter - Schöpfbrunnen für den Rathausvorplatz

Brunnen aus dem Jahr 1759 wird am Kerwe-Wochenende offiziell in Empfang genommen - Herkunft unklar

Altrip hat zwar eine lange und reiche Geschichte, ist aber extrem arm an steinernen Zeugen der Vergangenheit. Frühere Grabungsfunde gingen während des Zweiten Weltkrieges in Berlin unter und so waren die Altriper froh, dass 1961 im Zuge der Ortskanalisierung wieder nach Überresten des Kastells „Alta Ripa” gesucht wurde.

Mit einem Quäntchen Glück fanden die Kastellgräber in der Ludwigstraße in der Straßenmitte sogar den Kastellbrunnen aus der Zeit um das Jahr 369 nach Christus. Doch nach der wissenschaftlichen Untersuchung der Brunnenbretter, den fotografischen Aufnahmen des auseinander gebrochenen Puteals aus rotem Sandstein sowie des mörtellos gemauerten Brunnenschachtes, wurde die Fundstelle wieder dem Schlaf der Geschichte übereignet und zugeschüttet. Innerhalb des ehemaligen Kastellareals stand aber auch ein Brunnen, der in die heutige Zeit gerettet werden konnte. Mehr noch: Der letzte Besitzer, Werner Hook, stellte ihn der Gemeinde zur Verfügung. Ein Steinmetz hat den Brunnen nunmehr hergerichtet und er wird fortan vor dem Rathaus an eine längst vergangene Zeit erinnern.

An der Altriper Kerwe, die am Samstag, 20. September, um 15 Uhr mit dem Kerwe-Umzug beginnt, wird der alte Schöpfbrunnen durch Bürgermeister Jürgen Jacob offiziell in die Obhut der Gemeinde genommen und fortan die Ortsmitte zieren.

Der aus hellgelbem Sandstein geschaffene Schöpfbrunnen stand lange Zeit im Garten des Hauses Reginostraße 7 und trägt im Joch die Jahreszahl 1759 sowie ein „S”. Der Sandstein stammt vermutlich aus einem Steinbruch des relativ nahe gelegenen Haardtgebirges. Fest steht, dass dieser Brunnen nie ein Dorfbrunnen war, wie einer noch um die Wende zum 20. Jahrhundert im Bereich des heutigen Wasserturms stand.

Bei der „Churfürstlichen Renovation” von 1746 war am letzten Standort noch keinerlei Bebauung und so nah am Ort war auch kein Gemarkungsbrunnen erforderlich. Nach dem Ersten Weltkrieg ließ sich der Altriper Sicherheitskommissär und Feuerwehrkommandat Karl August Schneider von dem Ludwigshafener Architekten Karl Grein in der Reginostraße 7 ein Wohnhaus mit Butzenscheiben errichten und in dessen Garten stand besagter Brunnen.

Als der Bauherr die Altriperin Elisabeth Hook heiratete, bekam diese gleich den Übernamen „Bolise-Lisett”, wobei „Bolis” für Polizist steht. Noch vor der Einführung einer zentralen Wasserversorgung wurde im Garten des Kommissärs der „Geflügel-Park Elisabeth” etabliert. Für die Versorgung des Geflügels war natürlich Brunnenwasser erforderlich. Ende 1929 suchte der Geflügelpark per Anzeige im „Rheingönheimer Tageblatt/Altriper Lokalanzeiger” einige alte Brunnen, die durch die zwei Jahre zuvor eingeführte zentrale Wasserversorgung „abgängig” waren.

Vor und nach dem Zweiten Weltkrieg kamen ganze Schulklassen, um sich den Brunnen. Eine Fotografie aus dem Jahre 1959 zeigt den Brunnen mit einem großen Trog und der bekannte Pfälzer Maler Karl Graf (1902-1986) malte ihn gar für ein Landkreisbuch. Wo der Brunnen aber vor nahezu 250 Jahren tatsächlich ursprünglich stand, ist unbekannt. Der Altriper Edgar Alt, der sich hobbymässig insbesondere mit Grenzsteinen befasst, vermutet, dass der Brunnen einst auf dem „Hinteren Seckenheimer Ried” zur Versorgung des dortigen Viehs stand.

Zu jener Zeit war dieses Ried eine linksrheinische Gewanne von Seckenheim. Ein Indiz dafür könnte auch das eingemeißelte „S” als Seckenheimer Dorfzeichen sein. Im Laufe der Zeit haben sich übrigens schon mehrere Steinmetze an dem Brunnen zu schaffen gemacht. Das „S” könnte natürlich auch das Initial eines seiner Besitzer gewesen sein, etwa des erwähnten Sicherheitskommissärs Schneider. (wfl)

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 10. September 2008)