Das Westreich in eine Blütephase geführt

Flavius Valentinianus, so lautete der offizielle römische Name, wurde im Jahr 321 in der römischen Provinz Pannonien, ein Landstrich im heutigen Kroatien, geboren.

Sein Vater war Militärkommandant in der Provinz Africa. So wurden das Militär und die wechselnden Feldlager zur Lebenswelt des jungen Valentinian und der Grundsstein für eine spätere Militärlaufbahn gelegt.

Unter Kaiser Constantius II. erhielt Valentinian sein erstes Kommando. Sein große Stunde schlug während der Perserfeldzüge. Mit großem Geschick gelang es ihm, die zerstrittenen römischen Westprovinzen für das militärische Vorhaben zu gewinnen und deren Loyalität wiederherzustellen. Kaiser Iovianus dankte Valentinian seinen Einsatz mit dessen Ernennung zum Kommandanten der Palastgarde.

Nach dem Tod Iovianus berieten die obersten zivilen und militärischen Machthaber in Nicaea über die Wahl eines neuen Kaisers. Nach langen zermürbenden Beratungen entschied man sich schließlich für Valentinian, der sich in den schwelenden Machtkämpfen zwischen Christen und Heiden in dieser Zeit stets als neutraler Moderator bewährt hatte. Im Februar 364 wurde Valentinian zum Kaiser ausgerufen, wobei er seinem jüngeren Bruder Valens die Osthälfte des Reiches zur Regentschaft überließ. Valentinian selbst sorgte sich vor allem um das bedrohte Westreich.

Innenpolitisch änderte sich vieles unter dem neugewählten Herrscher. So gewährte er allen Bewohnern des Reiches Religionsfreiheit. Außerdem sorgte er für eine Entschärfung der von ihm verhassten Gladiatorenspiele. Verbrecher wurden nicht mehr so leichtfertig in die Arena geschickt. Auch mit den Reichen und Mächtigen im Land legte er sich an. Dem einfachen Volk jedoch war der Kaiser zugetan und behandelte es milde.

Außenpolitisch hatte Valentinian es mit der andauernden militärischen Verteidigung des Westreiches mit seiner Hauptstadt Trier gegen die Alemannen, die Goten und anderen Stämmen zu tun. Dennoch gelang es ihm, das Westreich unter seiner Führung in eine Blütephase zu führen. Der Grund lag in der militärischen Genialität des Kaisers und dem massiven Ausbau der Befestigungsanlagen an den Grenzen und rund um die Städte. Unter anderem auch in Alzey und in Altrip, wo sich Valentinian kurzzeitig aufhielt, ließ er Kastelle bauen, die das Reich vor Eindringlingen schützen sollten. Der permanente Kampf um die Erhaltung des Reiches forderte schließlich seinen Tribut. Im Jahr 375 erlag Valentinianus I. einem Gehirnschlag. (rnc)

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Marktplatz Regional - 2. Januar 2008)