Heulton vertreibt lästigen Tunnelgräber

Nach der Frostperiode tauchen Maulwurfshügel am Damm auf - Raffinierter Fallensteller

Was wissen Sie eigentlich vom Maulwurf? Hier ist nicht der Agent gemeint, der sich gut getarnt in eine Organisation eingeschmuggelt hat, auch nicht der einstige DDR-Traktor gleichen Namens und auch nicht der „kleine Maulwurf”, der in der „Sendung mit der Maus” so bekannt wurde, sondern das Säugetier, das seine Hügel in Gärten, Wiesen und Feldern und leider auch an und auf den Rheindeichen aufwirft.

Wenn der Boden nicht mehr gefroren ist, dann tauchen wieder Maulwurfhügel auf; eigentlich ein Zeichen, dass der Boden gut ist. Der nicht einmal 20 Zentimeter große und 100 Gramm schwere Fleischfresser frisst täglich so viele Käfer, Engerlinge, Asseln, Schnecken, ja gar Jungmäuse und kleine Schlangen, wie wer selber wiegt. An „guten” Tagen kann er sogar das Zwei- bis Dreifache vertilgen.

Überhaupt frisst ist er nahezu ohne Unterbrechung. Deshalb schläft er auch nur wenig und an einen Winterschlaf ist da schon gar nicht zu denken. Hat er nicht genug zu fressen, so kann der kleine „Untergrundkämpfer” binnen zwölf Stunden an Entkräftung sterben.

Der kleine Kerl, der mit Igel und Spitzmaus verwandt ist, gräbt ein System aus Tunneln, das bis zu 100 Meter lang sein kann. Gewöhnlich sind Gänge in einer Tiefe von 20 bis 40 Zentimeter und in harten Wintern auch einmal bis zwei Meter unter der Erde. Die Maulwurfhügel entstehen dadurch, dass das emsige Tier den überschüssigen Abraum aus den Gräben nach oben befördert.

Dabei geht er als Fallensteller raffiniert ans Werk. So hat er Laufröhren mit geglätteten Wänden und Jagd- und Fangröhren mit ungeglätteten Wänden. Die Jagdgänge läuft der Maulwurf alle vier Stunden ab und alles was sich darin an Insekten und Kleintieren zeigt, frisst er auf. Er ist dabei ausschließlich auf Lebendnahrung aus. Was er nicht gleich fressen kann, kommt in eine spezielle Vorratskammer. Da können dann schon einmal Hunderte von Regenwürmern zusammengepfercht sein. Damit diese aber nicht „ausbüchsen”, beißt er ihnen einfach die ersten Kopfringe ab.

Der typische Einzelgänger verfügt auch über einen mit Gras, Moos und Laub ausgepolsterten Wohnkessel, in dem er schläft und in dem das in der Paarungszeit geduldete Weibchen ihre drei bis fünf lediglich feuerbohnengroße Jungen zur Welt bringt.

Nachts kommt der äußerst kurzsichtige Geselle auch gelegentlich an die Erdoberfläche und sucht dort mit seinem hervorragenden Geruchssinn nach Beute. Seine natürlichen Feinde - Fuchs, Iltis, Waldkauz, Schleiereule und Mäusebussard - sind stark dezimiert. Lediglich der Mensch setzt ihm bisweilen noch zu.

Der Maulwurf gehört zu den gesetzlich besonders geschützten Tieren. Ihn zu töten ist daher verboten. Und so bleibt etwa dem Gartenbesitzer nur übrig, ihn zu vertreiben. Ein probates Mittel hierfür ist, Katzenkot in die Gänge zu bringen.

Beliebter Aufenthaltsort für Maulwürfe: der Damm bei Altrip. | FOTO: LENZFrüher grub man Flaschen im Abstand von fünf Zentimetern um die wertvollsten Beete und ließen dabei den Flaschenhals fünf Zentimeter herausragen. Der darüber pfeifende Wind erzeugte einen Heulton, der den lärmempfindlichen Maulwurf vertrieb; dabei wurde er aber ebenso wenig getötet wie die in vielen Kreisgemeinden überhand genommenen Marder.

Im Bereich der Deiche ist der Maulwurf, der übrigens auch schwimmen kann, ein echtes Problem. Sogar im Sprichwort begegnet uns der Untergrundbewohner, der bis vier Jahre alt werden kann: „Mit Adleraugen sehen wir die Fehler anderer, mit Maulwurfsaugen unsere eigenen!” (wlf)

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Marktplatz Regional - 6. Februar 2008)