Heilig Geist, Christopherus oder Dag Hammarskjöld?

Protestantische Kirchengemeinde sucht anlässlich ihre 450-jährigen Bestehens einen Namen für ihre Dorfkirche

Die Protestantische Kirchengemeinde Altrip feiert in diesem Jahr ihr 450-jähriges Bestehen. Neben der Vorstellung einer Festschrift am Sonntag, 2. März und einem Sommerfest mit einer Ausstellung von Gemälden von Edgar Landherr zur Altriper Kirchengeschichte ist zur Jahresmitte ein „Theo-Talk” (theologisches Gespräch) zur Pfälzer Kirchen- und Reformationsgeschichte sowie gegen Jahresende eine Präsentation der Werke der Altriper Ikonenmalgruppe vorgesehen. Und eventuell bekommt die altehrwürdige Dorfkirche auch einen Namen.

Presbyter Walter Bohn hat die Namensgebung angeregt und Pfarrer Bernhard Pfeifer hat dazu Vorschläge im Gemeindebrief „Kirchenfenster” unterbreitet. Zu den Vorschlägen „Heilig-Geist-Kirche”, „Christopherus-Kirche” und „Dag-Hammarskjöld-Kirche” hat Pfarrer Pfeifer auch jeweils eine kurze Begründung angeführt, wobei die für den früheren Generalsekretär der Vereinten Nationen am ausführlichsten war. Hammarskjöld sei nicht nur einer der größten Mystiker des 20. Jahrhunderts gewesen, sondern habe Glaube und Handeln in idealer Weise miteinander verbunden.

Die Gemeindemitglieder sind ab sofort zur Diskussion und zu weiteren Vorschlägen an Pfarer Pfeifer oder an die Mitglieder des Presbyteriums aufgerufen. Freilich: Die Kirchenleitung muss ihr Plazet geben und es darf nicht schon eine Kirche gleichen Namens im Dekanat Ludwigshafen geben. Am Ende der Diskussion kann auch das Ergebnis stehen, dass die Kirche weiterhin namenlos bleibt.

Im Mittelalter war das Gotteshaus, von dem aus alter Zeit nur noch der romanische Kirchturm erhalten blieb, dem heiligen Petrus geweiht. Ein mobiles Peterskreuz, das von anderen Gemeinden, etwa von Wachenheim und Bensheim, ausgeliehen und in Prozessionen durch deren Gemarkung getragen wurde, zeugt von dem einst weithin bekannten Ruf der Kirche.

Später kam es zum Doppelpatronat zu Ehren der Kirchenfürsten „Sankt Petrus et Paulus”. Seit bei der so genannten Kirchenteilung das Gotteshaus den Protestanten zufiel, ist es ohne jeglichen Namen. Im letzten Jahrhundert gab es in Altrip allerdings wieder ein Peter-und-Paul-Patronat, als die kleine zu Waldsee gehörende Katholikengemeinde im Jahre 1931 eine eigene Kirche erhielt. Als diese Kirche jedoch schon nach zwölf Jahren total ausgebombt wurde, kam es nach dem Wiederaufbau 1955 erneut zur Namensgebung „Peter und Paul”. Jetzt bleibt mit Spannung abzuwarten, ob sich bei den Altriper Protestanten die Tradition des lutherischen Kirchenzweiges mit einer Namensgebung durchsetzt oder eher die der Calvinisten fortsetzt, die für Gotteshäuser ohne eigenen Namen stehen.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 2. Februar 2008 | Von Wolfgang Schneider)

Um 1900 existierte hinter der protetstantischen Kirche in Altrip ein weitläufiger Pfarrgarten. Um 1900 existierte hinter der protetstantischen Kirche in Altrip ein weitläufiger Pfarrgarten.