Schwimmendes Drehkreuz für Pendler und Ausflügler

Altriper Rheinfähre transportiert täglich 1100 Fahrzeuge, 474 Zweiradfahrer und 282 Fußgänger

Für die Altriper ist sie eine Institution: die Fähre. Nicht nur die Bewohner der Rheingemeinde schätzen die kleine Schiffsreise über die 200 Meter lange Distanz nach Mannheim. Täglich werden 1100 Fahrzeuge über den Strom von einem Bundesland ins nächste transportiert.

Wie die Autofahrer sind auch die 474 Zweiradfahrer und 282 Fußgänger, die täglich die Fähre benutzen, in guten Händen. Gesteuert wird das 39 Meter lange und fast elf Meter Fahrzeug mit einer Tragfähigkeit von 45 Tonnen von Fährführer Olaf Piehl oder einem seiner beiden Kollegen. Piehl ist 1998 als Fährführer eingestiegen. Von 2004 bis 2006 hat er einen Abstecher auf die Schienen gemacht, um dann wieder aufs Wasser zurückzukehren, diesmal in der Funktion als Teamleiter. Und seitdem ist er der Fähre treu geblieben.

Wer wie die drei Mitarbeiter bei ihrer Früh- oder Spätschicht rund 40 Mal pro Tag oder 800 Mal pro Monat von Ufer zu Ufer fährt, dem gehen die Handgriffe an den diversen Schalthebeln in der Führerkabine in Fleisch und Blut über. „Es ist nicht schwieriger, als einen Lkw zu fahren”, winkt Olaf Piehl ab. „Man gibt einmal Gas, dann kommt man bis rüber”, lautet sein Schnellkurs.

Herr über die Technik: Olaf Piehl ist einer von drei Fährführern auf der Altriper Fähre. | FOTO: LENZ

Das Geheimis sitzt natürlich tiefer, genauer gesagt unter der Fähre: Mit seinen Hebeln gibt Piehl Kraft auf den Propeller, der der Fähre Schub verleiht. „Kein herkömmlicher Schraubenantrieb wie bei einem Schiff, sondern ein ganz eigener Antrieb”, erklärt der „Kapitän”.

Und so bewegt er die Fähre tatsächlich ebenso leicht, als würde er mit ihr auf der Straße fahren. Punktgenau und nur mit einer geringen, kaum merklichen Erschütterung legt die Fähre am Steiger an, wie die Anlegestelle im Fachjargon genannt wird. Nein, schwierig sei die Fahrt von einem Ufer zum anderen nicht.

Die Rheinschifffahrt habe Vorfahrt, die Motorboote und andere Kleinfahrzeuge dagegen nicht, erläutert Piehl die Verkehrsregeln auf dem Fluss, genauer gesagt die Rheinschifffahrtsordnung. „Man muss schauen, dass alles in Ordnung ist, Ruhe bewahren und sich nicht verrückt machen lassen. Sicherheit geht vor”, kommentiert Olaf Piehl seine Tätigkeit.

Besondere Aufmerksamkeit erfordern die Fahrten in der Dunkelheit, da kommt dem Fährführer sein Radar zu Hilfe. Gefragt nach der Strömung winkt er ebenfalls ab. „Man fährt ein bisschen hoch, stellt sich schräg, damit die Strömung nicht voll gegen die Fähre drückt”, ist sein Rezept.

Neben den Fährführern sind auf dem beweglichen Arbeitsplatz noch drei feste Kassierer und eine Aushilfe sowie zwei Nachtwachen beschäftigt. Nachts, wenn der Betrieb ruht, ist an Bord dennoch ganz schön was los. Reparaturen und Inspektionen würden vorzugsweise in den Nachtstunden ausgeführt, damit der Fährbetrieb so wenig wie möglich davon berührt wird.

Vorkommnisse auf der Fähre gibt es selten, aber wenn etwas passiert, ist es gleich ein spektakulärer Unfall wie vor kurzem, als eine Autofahrerin bei Nebel in der Dämmerung die Auffahrtsrampe mit der Fähre verwechselte und mit ihrem Auto im Rhein landete. Etwa einmal im Jahr würde sich ein Fahrgast auf diese Wiese „verfahren”, berichtet Piehl.

Frequentiert wird das schwimmende Transportmittel vor allem von Pendlern auf dem Weg zu ihrem Arbeitsplatz. Sie können - je nachdem welches Ziel auf der anderen Rheinseite angesteuert wird - gut und gerne 15 Kilometer sparen. Im Frühjahr und Sommer kommen zudem von der Mannheimer Seite aus die Camper, die die Plätze in Altrip und Waldsee ansteuern, sowie eine Vielzahl von Fahrradfahrern, die den Rheindamm bevölkern und zu einem Ausflug in den grünen Süden oder an die Blaue Adria starten. (mmö)

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Marktplatz Regional - 27. Februar 2008)