Zwischen Industrielärm und Waldidylle

Beschaulicher Spaziergang durch die Rheingemeinde - Künstlerische Stromkästen als Wegmarken

Wie wirkt eigentlich eine Stadt oder Gemeinde auf einen Besucher, der zufällig mittags um 12 Uhr dort ankommt? In der vergangenen Woche hat sich der Marktplatz regional in Altrip umgesehen.

Was für eine Kulisse! Riesige Ladekräne ragen in den grauen Himmel, weißer Rauch quillt aus den Schornsteinen, Maschinenlärm tönt herüber. Ein Frachtschiff quält sich den Rhein herauf, dazwischen die Fähre, die Altrip und Mannheim verbindet - auch zur Mittagszeit transportiert sie mehrere Autos.

Und dann, nur wenige Schritte vom Fähranleger den Strom hinab, steht man in einer kleinen Waldidylle. Vögel zwitschern zwischen den langsam grünenden Ästen, der weiche, matschige Boden federt unter den Schritten nach. Die Luft riecht nach Holz und Moos, ein tiefer Atemzug reicht, um die Schlote auf der anderen Seite des Rheins zu vergessen.

Ohne Ziel laufen

Manchmal lohnt es sich, das Auto einfach mal für einige Minuten abzustellen und ohne Ziel loszulaufen. Vorbei am Hundeübungsplatz, vorbei an den kleinen Schrebergärten, die mit hohen Holztoren und schweren Vorhängeschlössern sowohl vor Blicken als auch vor allzu neugierigen Entdeckern geschützt sind. Die Nähe zum Rhein ist auch in dem kleinen Wäldchen allgegenwärtig - Muschelschalen liegen auf dem Boden.

Wenige Minuten später - der Kopf ist nach dem Kurzurlaub am Rheinufer wieder frei - geht die Fahrt zurück nach Altrip. Während in vielen Orten das „Zentrum” an jeder Straßenecke ausgewiesen ist, gestaltet sich die Suche hier schwierig. Vor dem Supermarkt geht es geschäftig zu, ansonsten sind die Straßen nahezu ausgestorben. Lediglich der Briefträger geht seine Runde. Dort, wo die Menschen offenbar schon auf ihn gewartet haben, öffnen sich die Türen und der Briefkasten wird neugierig gelehrt.

Hauptstadt-Flair: Der Verteilerkasten in der Berliner Straße. | FOTO: BREUERIn einer Seitenstraße zieht ein Verteilerkasten den Blick wie magisch an. Bunt bemalt, mit Brandenburger Tor, Reichstagsgebäude und Fernsehturm sieht er so ganz anders aus als die grauen Kästen, die man sonst kennt. Und richtig - er steht in der Berliner Straße, wie passend! Die folgenden Meter fährt man gleich aufmerksamer, und schon taucht die nächste Überraschung auf. „Die Simpsons”, eine bekannte Zeichentrickfamilie aus Amerika, grüßen vom nächsten Verteilerkasten. Strommasten, Pferde, menschliche Silhouetten, der Phantasie sind in Altrip keine Grenzen gesetzt. (cbr)

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Marktplatz Regional - 5. März 2008)