Als Ehrenjungfrauen beim Fischerfest

In diesem Jahr erneut Fischerfestumzug - Vor 50 Jahren gab es gleich zwei Termine

Überraschend wird es in diesem Jahr wieder einen Fischerfestumzug in Altrip geben. Damit wird die geplante Pause von fünf Jahren zwischen den Umzügen unterbrochen. Vor einem halben Jahrhundert wurde das Fest wegen schlechten Wetters wiederholt.

Die Würfel sind gefallen: Nachdem bereits 2007 nach längerer Pause wieder ein Fischerfestumzug stattfand, soll sich auch in diesem Jahr am Fischerfestsonntag wieder ein Umzug durch die Ortsstraßen bewegen. Damit entspricht die Gemeinde einem allgemeinen Wunsch. Früher gab es nur alle fünf Jahre ein solches Ereignis in Altrip.

50 Jahre später: Ingrid Grimm (auf beiden Fotos inks) und Hannelore Lebherz waren „Ehrenjungfrauen“ beim Fischerfestumzug in Altrip. Auf dem unten stehenden Foto aus dem Jahr 1958 flankieren sie die inzwischen verstorbene Ortrud Boras, die damals Fischerkönigin war. | FOTO: LENZ/PRIVAT

50 Jahre später: Ingrid Grimm (auf beiden Fotos inks) und Hannelore Lebherz waren „Ehrenjungfrauen“ beim Fischerfestumzug in Altrip. Auf dem unten stehenden Foto aus dem Jahr 1958 flankieren sie die inzwischen verstorbene Ortrud Boras, die damals Fischerkönigin war. | FOTO: LENZ/PRIVATVor 50 Jahren, als die Gemeinde Altrip das traditionelle Fischerfest vom Sportanglerverein in eigene Regie übernahm, gab es neben der Premiere mit einem historischen Umzug gleich anderntags eine zweite Auflage. Der Festsonntag war nämlich so verregnet, dass sich nur wenige Zaungäste am Straßenrand einfanden. Die Fischerkönigin Ortrud Boras und die beiden Ehrenjungfrauen, Ingrid und Hannelore Schneider saßen deshalb mit Regencapes auf dem Festwagen.

Ein sparsamer Mann

Bürgermeister Emil Lebherz, der bekanntermaßen ein sparsamer Mann war, hatte den Vorschlag gebracht, in Zukunft unter den „Tanzkränzeldamen” jeweils zwei Damen mit den schönsten Kleidern auszuwählen, dann bräuchten auch keine „Fischerfestkleider” mehr angeschafft zu werden. Während die damalige Fischerkönigin schon vor 20 Jahren verstarb, erfreuen sich die Ehrenjungfrauen des Jahres 1958 guter Gesundheit. Ingrid Schneider, verheiratete Grimm, hat zwei Söhne und zwei Enkelkinder. Hannelore Schneider heiratete den Sohn des ersten hauptamtlichen Bürgermeisters in Altrip, Emil Lebherz Junior, und ist stolz auf eine Tochter und drei Enkel. Ihre Tochter ist übrigens jene Damenschneidermeisterin, unter deren Anleitung die einstige Altriper Tracht „wiedererstanden” ist.

Dargestellt wurde in dem Festzug vor 50 Jahren die lange Geschichte des einstigen Fischerdorfes, von ihren römischen Anfängen bis zur Neuzeit. Durch Figuren wurde außerdem „Die Kunst, Fische zu fangen” gezeigt. Bürgermeister Emil Lebherz entschied kurzerhand damals den verregneten Festzug anderntags zu wiederholen, ohne aber zu wissen, wie dann das Wetter sein würde und ob auch alle berufstätigen Akteure so schnell von ihren Arbeitgebern „frei” bekämen.

Für den Umzug unter dem Motto „Die Fischerei im Wandel der Zeiten' gab es sehr viel Applaus und als der Tross im Waldpark eintraf, war kein Platz mehr frei. Dem starken Besucherandrang war es zu verdanken, dass die Gemeinde Altrip es als Veranstalter finanziell knapp schaffte.

Rathaus geschlossen

Möglich war dies allerdings nur, weil der Bürgermeister montags das Amt geschlossen hielt und alle Rathausbeschäftigten zur Arbeit beim Fest einteilte. Ehrenamtliche Helfer erhielten zudem als „Lohn” nur Verzehrbons. 3250 zahlende Gäste wurden registriert und Bier gab es nur in Literkrügen für 1,10 Mark. Der Reinerlös des dreitägigen Festes betrug dennoch nur 195 Mark und im Gasthaus „Karpfen” wurde uch dieser Betrag bei einem Helferfest ausgegeben.

Noch mehr Dorfgeschichte gab es beim bisher prächtigsten Fischerfestumzug im Jahre 1969 aus Anlass der 1600-Jahrfeier der Gemeinde. Der Zug mit 44 „Nummern” war ein echter Streifzug durch die Geschichte: Römische Reiter, römisches Fußvolk, römische Zecher, der Bau des Kastells, der Abzug der Römer, ein römischer Streitwagen und 16 junge und hübsche Römerinnen wiesen auf die Wurzeln der Rheingemeinde hin.

„Blaue Adria”

Es gab eine Begegnung mit dem Geschichtsschreiber Regino, mit Backsteinmachern und dem alten Fährbetrieb bis hin zu den Plänen für das Naherholungsgebiet „Blaue Adria”. Ein Schwerpunkt war jedoch der Fischerei gewidmet. Der Karpfen als Wahrzeichen der Altriper, der Rheingraf, der die Interessen der Fischer vertrat, die Fischerzunft, die die Traditionen bewahrte sowie Schwarzfischer und Fischverkäufer wurden dargestellt.

Und auch „echte Altriper Backfische”, nämlich Teenager, zogen zusammen mit den „Männlein von Altrip”, den Gestalten aus einer alten Dorfsage, tapfer durch die Straßen. Bürgermeister Michael Marx gelang es auch, einen sechsspännigen Brauereiwagen aufzubieten. Doch was es bei den historischen Umzügen alter Art noch nicht zu sehen gab, ist die neu erstandene Altriper Tracht, die in diesem Jahr beim Festzug präsentiert wird. Und vielleicht mausert sich der im Vorjahr doch sehr schillernde Zug, mit zum Teil ausgefallenen Beiträgen, auch einmal wieder zu einem echten historischen Fischerfestumzug.

(Quelle:  DIE RHEINPFALZ - Marktplatz Regional - 9. April 2008 | Von Wolfgang Schneider)