Wieder Badeverbot am Neuhofener Altrhein

In dem Gewässer haben sich die Blaualgen erneut stark vermehrt – Landesamt für Umwelt ruft nach jüngsten Wasserproben Alarmstufe aus

Erst im Mai ist das Badeverbot am Neuhofener Altrhein aufgehoben worden, jetzt tritt es wieder in Kraft. Nachdem sich die Blaualgen, die dem See seit Jahren zu schaffen machen, deutlich vermehrt haben, herrschte schon Warnstufe. Ortsbürgermeister Jürgen Jacob ließ vorsorglich einen Strand sperren. Nach Auswertung der jüngsten Wasserproben hat das Landesamt für Umwelt gestern die Warn- zur Alarmstufe angehoben.

Wegen der giftigen Blaualgen hat bereits die Warnstufe gegolten, der Badestrand war gesperrt (links). Jetzt gilt mit gestrigem Datum ein komplettes Badeverbot. Fotos: Lenz

Der Grund: Die Situation habe sich nochmals erheblich verschlechtert. „Das Thema Blaualgen beschäftigt uns seit 14 Tagen wieder verstärkt“, sagt Gerd Plachetka, Sprecher des Landesamts für Umwelt in Mainz. Denn die potenziell giftigen Organismen, auch als Cyanobakterien bekannt, hätten sich erschreckend großflächig an Mosel und Saar ausgebreitet – allerdings eine andere Gattung als die seit Jahren im Neuhofener Altrhein vorhandenen. Die genaue Ursache sei noch nicht bekannt, doch das überraschende Phänomen hänge vermutlich mit der Witterungslage zusammen. „Obwohl wir einen Sommer mit vielen Niederschlägen hatten, was ihre Vermehrung eigentlich hemmt“, sagt er.

Sein Kollege Wolfgang Frey kennt sich mit dem Altriper Gewässer bestens aus, betreut es seit Jahren. Auch diesen Sommer schaut er wieder regelmäßig vorbei, behält die Lage im Blick. Zuletzt hat er am Donnerstag Wasserproben genommen. Dabei stellte er fest, dass die kritische Sichttiefe von einem halben Meter klar unterschritten ist.

Schuld daran sind die Blaualgen. Sie verursachen die starke Trübung. „Es ist davon auszugehen, dass sich durch weiteres Anwachsen der Cyanobakterien sowie durch deren Absterben die Situation noch verschlechtert“, teilt der Experte mit. Deshalb hat er aus Sicherheitsgründen dazu geraten, den Badebetrieb komplett einzustellen. Zumal sich die Saison dem Ende nähere. Die Verbandsgemeinde Rheinauen hat daraufhin gestern ein Badeverbot erlassen.

Zugleich weist Frey darauf hin, dass die auffälligen gelben Teppiche an der Wasseroberfläche, die besonders in Ufernähe zu beobachten seien und teils als orange-gelbe Beläge am Ufer landen, harmlos sind. Dabei handle es sich um Zysten von Gold-Glanzalgen.

Droht nun erneut ein Umkippen des Gewässers samt Fischsterben wie 2015? Vorerst bestehe im eher seichten Altwasser zurzeit keine Gefahr. Lediglich ab einer Tiefe von 2,50 Metern, die im größten Teil des Gewässers nicht erreicht werde, gehe der Sauerstoff zurück. Dieser Teil des Baggersees profitiere durch die niedrigen Wasserstände und die bessere Windexposition, die der eigens geschlagenen Schneise zu verdanken sei. Die Sichttiefe sei mit 70 Zentimetern hier auch deutlich besser als im übrigen Baggersee. Dennoch würden die Blaualgen sich hier auch vermehren.

Allgemein sei die Sauerstoffversorgung im Neuhofener Altrhein trotz allem noch immer etwas besser als in den vergangenen Jahren. Für den ausgekiesten Bereich ist Frey zufolge im Spätherbst aber durchaus mit einer kritischen Situation wie im Dezember 2016 zu rechnen, als der Sauerstoff im Baggersee auf Null zurückging und es deutlich nach Schwefelwasserstoff roch.

(Quelle: Die Rheinpfalz - Ludwigshafener Rundschau - 26. August 2017 | Von Markus Müller)