Warten gehört dazu

Am späten Nachmittag herrscht an der Rheinfähre Hochbetrieb

Die Altriper Autofähre ist für viele Bewohner des Rhein-Pfalz-Kreises eine schnelle und praktische Möglichkeit, um auf die andere Rheinseite zu gelangen – und wieder zurück. Zur Feierabendzeit reiht sich die Autoschlange am Mannheimer Ufer bis zum Kreisverkehr hinter dem Großkraftwerk.

Hochbetrieb: Im Feierabendverkehr wird die Altriper Fähre stark frequentiert. FOTO: KAISER

Auf der Altriper Seite stehen zwei Autos, die auf die Fähre warten. Es dämmert bereits. Eindrucksvoll erhebt sich das Großkraftwerk auf der gegenüber liegenden Seite des Stroms, der hier normalerweise nicht so breit ist. Doch jetzt ist Hochwasser. „Wir fahren, so lange die Straße bei Altrip noch befahrbar ist“, erklärt Fährführer Olaf Piel.

Gerade hat der Binnenschiffer mit der Rheinfähre von Mannheim abgelegt - voll beladen. Trotzdem wartet schon wieder eine lange Autoschlange darauf, dass sie zurückkommt. Es ist kurz vor 17 Uhr. Der Feierabendverkehr hat eingesetzt. „Bei Hochwasser brauchen wir länger für die Querung“, weiß Piel. „Die Strömung ist stärker, und ich muss auf Treibgut achten. Aber da kann man eben nichts machen.“ Normalerweise ist der Rhein zwischen Altrip und Mannheim 160 Meter breit. „Jetzt sind es bestimmt 230 Meter“, schätzt er.

Zwischen 16 und 19 Uhr herrscht Hochbetrieb an der Fähre. Aber nur einseitig. Ein Großteil der Fahrgäste kommt von der Arbeit. 21 Autos kann die Fähre transportieren, hinzu kommen Mofas und Fahrräder. Viele nutzen die Fähre fast täglich. „Da gibt es einige bekannte Gesichter“, erklärt Fährgehilfe Marco Stähle und winkt einer älteren Dame in einem roten Wagen zu. „Dann weiß ich auch schon, wer eine Monatskarte hat und nicht zahlen muss.“ Während der Überfahrt kontrolliert Stähle die Tickets und kassiert. In Altrip angekommen, winkt er die Autofahrer nach einem eingespielten System von der Fähre. Es muss schnell gehen, denn auf der anderen Seite wird die Autoschlange immer länger.

Die zwei Autofahrer lenken ihre Wagen vorsichtig auf die Fähre. Drei Jugendliche gehen zu Fuß an Bord. Ihr Ziel wird anhand der Fan-Utensilien sofort deutlich: Sie möchten zum Eishockeyspiel der Adler in die SAP-Arena. Jetzt hat Marco Stähle kurz Zeit in seiner kleinen Kabine zu verschwinden, um kurz zu verschnaufen und einen Schluck zu trinken.

Dann betrachtet er sich die Autoschlange auf der anderen Rheinseite: „Ich schaue mir die Wagen an, um zu entscheiden, wo welches Auto parken kann.“ Große Fahrzeuge dürfen nicht nach vorne, sonst habe der Fährführer keine freie Sicht. Kaum hat das Schiff angelegt, winkt der Fährgehilfe die Autos routiniert herunter und die nächsten hinauf. Bei einer voll besetzten Fähre muss er sich beeilen, um jeden zu kontrollieren.

Diese Hektik ist oben auf der Brücke bei Olaf Piel komplett ausgeblendet. Der Binnenschiffer steuert die Fähre wieder Richtung Mannheim. Aus dem Radio erklingt leise Musik, eine dampfende Tasse Kaffee steht neben ihm. „Morgens ist viel los bei uns und eben jetzt zur Feierabendzeit.“ In den vergangenen fünf Jahren hätten die Fahrgastzahlen stetig zugenommen, sagt er. Wer regelmäßig fährt, sei es gewohnt, zu warten: „Das ist eben so“, sagt eine Frau. „Wenn ich bei Ludwigshafen über eine der Brücken fahren würde, dann stünde ich zu dieser Zeit im Stau.“

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Marktplatz Regional - 2. Januar 2013 | Von Olivia Kaiser)