„Wimba“ und „Woiknorze“

Altriper Chöre begeistern beim traditionellen „Singen unter den Kastanien“ am Freitag vor der Kerwe

Es ist schon Tradition geworden: Am Freitag, bevor der eigentliche Kerwebetrieb Fahrt aufnimmt, stimmen die Altriper Chöre beim „Singen unter den Kastanien“ auf die Feierlichkeiten ein. Zum achten Mal haben sich auf dem Partnerschaftsplatz vor der Maxschule die Sänger eingefunden. Trotz kühler Witterung und drohenden Regens waren alle Bänke gut besetzt.

Machte beim „Singen unter den Kastanien“ den Anfang: der Protestantische Kirchenchor. FOTO: LENZ

Den Anfang machte der Protestantische Kirchenchor mit seinem Dirigenten Alfred Hirsch. Mit einem Programm von drei Madrigalen legte der Chor los. Madrigale, das sind kunstvoll-verspielte mehrstimmige weltliche Chorlieder, die in der Zeit der Renaissance und des frühen Barock sehr in Mode waren. Manche singt man heute noch als Volkslieder. Der Kirchenchor glänzte mit „Tanzen und Springen“, „Wie schön blüht uns der Maien“ und zum Schluss dem „Amor im Nachen“ von Giovanni Gastoldi. Die Gruppe brachte damit zumindest im Gesang einen Hauch von Frühling unter die Kastanienbäume an der Maxschule.

Munter ging es weiter mit dem Kinderchor der „Rheinfinken“. In ihren roten T-Shirts verbreiteten die Nachwuchskünstler schon gute Laune, noch ehe sie überhaupt mit dem Singen angefangen hatten. Es dauerte eine Weile, bis alle ihren richtigen Platz gefunden hatten. Geleitet wurden die „Rheinfinken“ vom Keyboard aus von Michael Jandl in Vertretung für Chorleiterin Christine Schmidt. „Wenn die Erdnussflocken locken“ sangen sie mit viel Körpereinsatz, „...mmm, das ist ein Pfotenlecken“. Das sah man auch daran, wie die Händchen beziehungsweise Pfoten danach ausgestreckt wurden. „Wimba lässt die Puppen tanzen“ hieß das zweite Lied, und auch hier kamen die Erdnussflocken vor. Und der ganze Urwald dröhnte. Mit soviel Begeisterung und Einsatz sangen die Kinder, dass sie einen Riesenbeifall einheimsten. Und Moderatorin Bärbel Jacob fragte: „Macht ihr eigentlich noch was anderes als singen?“ Schon, aber singen ist doch schöner als Schule. Die beiden Lieder wiesen darauf hin, dass die „Rheinfinken“ gerade das Urwaldmusical „Wimba“ proben. Premiere ist am Sonntag, 10. November.

Die „Young Voices“ und der Kammerchor Altrip fehlten dieses Mal. Beide Ensembles haben kürzlich einen neuen Dirigenten bekommen, sodass es zu Terminüberschneidungen kam. Die „Young Voices“ haben sich übrigens schon auf die Gebietsreform und die neue Verbandsgemeinde eingestellt, erzählte Bärbel Jacob. Ihr Konzert am 23. und 24. November wird sowohl in Altrip als auch in Waldsee aufgeführt. Die musikalische Begleitung übernimmt die Otterstadter Big Band.

Nach der Pause kam der Auftritt des MGV Altrip. Mit Sabine Kneer hat eine Frau als Dirigentin das Sagen beim MGV. Es dürfte auch der einzige Männergesangverein sein, bei dem mehrheitlich Frauen mitsingen. In Altrip ist man halt längst emanzipiert. Der Chor gab „Nehmt Abschied Brüder“, „Amazing Grace“, das „Halleluja“ aus dem Film „Shrek“ und zum Abschluss den „Pälzer Woiknorz“ zum Besten. Das letzte Stück mit so viel Seele, dass man daraus sicher auf nicht nur kulinarische Vorlieben schließen kann.

Als letzter Chor trat die Sängereinheit unter Leitung von Hermann Wunderle auf. Wein- und Pfalzlieder schmetterte das Ensemble. „Aus der Rebe in die Tonne“, das „Weinparadies“, „Der Spielmann“ und „Heimat“ waren ihre Titel. Dabei summte mancher Zuschauer leise mit.

Ebenfalls schon eine liebgewonnenen Tradition: der gemeinsame Schlusschor. „Lobet den Herrn der Welt“ vereinte alle Chöre auf der nagelneuen Bühne, die von den Eintrittsgeldern dieser jährlichen Veranstaltung angeschafft worden war. Vorher gab es Worte des Dankes vom evangelischen Pfarrer Bernhard Pfeifer und von Bürgermeister Jürgen Jacob. Er verriet, dass seine Frau ihn wenigstens hier einmal im Jahr mit „Herr Jacob“ anspricht.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 16. September 2013 | Von Andrea Dölle)