Kinderstube für Störche

Storchennest auf ältestem Haus Altrips errichtet – Hoffen auf „Einzug“ im Frühjahr

Die Wohnung ist bereitet, jetzt müssen bloß noch die gewünschten Bewohner einziehen: In Altrip wartet ein Storchennest auf Zuzug im kommenden Frühjahr. Auf dem Dach des ältesten Hauses im Ort haben Sven Ofer und Mitarbeiter des Bauhofs eine Plattform mit einem Nest angebracht.

„Störche gibt es hier in der Gegend schon einige, nur in Altrip haben sich noch keine niedergelassen“, sagt Franz Stalla, während Plattform und Nest Richtung Dachfirst gehoben werden. Stalla ist Vogelexperte, Sonderbeauftragter für Landschaftspflege und Mitarbeiter des Naturschutzbundes (Nabu) Ludwigshafen. Die Idee zum Storchennest habe Bürgermeister Jürgen Jacob gehabt.

Stalla hat daraufhin Sven Ofer aus Römerberg angesprochen. Er ist ehrenamtlich beim Natur- und Vogelschutzverein Dudenhofen tätig, auch beim Nabu engagiert, und hat schon mehrere Storchennester aufgebaut.

Mit einer Hub-Arbeitsbühne, die ein Speyerer Unternehmen zur Verfügung stellte, fuhr Ofer bis auf die Höhe des Dachfirstes des dreistöckigen Fachwerkhauses. Dort platzierte er das Nest etwa drei Meter hinter dem Giebel zur Römerstraße.

„Zuerst muss das Nest ausreichend groß sein“, erklärte Ofer, als er wieder festen Boden unter den Füßen hat. Mit einem Durchmesser von 1,30 Meter werden die Störche und ihr Nachwuchs ausreichend Platz haben. Den Rahmen, der das Nest trägt, habe er aus Eichen- und Robinienholz gefertigt. Beide Hölzer seien recht wetterbeständig. Das eigentliche Nest sei aus Weidenzweigen geflochten. Innen habe er es mit Gras, kleinen Zweigen und Mulch gepolstert. Im Hauptberuf ist Ofer Forstwirt in Dudenhofen und ausgebildeter Natur- und Landschaftspfleger. Das Altriper Nest sei das fünfte, das er gebaut habe.

Hausbesitzer Eckhard Bachert fand die Idee mit dem Storchennest gut. „Das passt doch gut zu dem alten Haus“, meinte er. Seit zweieinhalb Jahren lebt er in dem Gebäude, das 1660 erbaut wurde. Er brachte den Arbeitern und Zuschauern nach getaner Arbeit heißen Punsch.

Vogelexperte Stalla hofft, dass das Nest bald bewohnt wird. „Die Störche werden je nach Wetter im Februar aus Afrika zurück kehren. Vielleicht lässt sich dann ein Paar hier nieder“, meinte er. Der Rückgang der Storchenpopulation liege nicht ausschließlich an der unruhig gewordenen Landschaft und den fehlenden Wiesen. Problematisch sei, dass Störche in anderen Ländern bejagt werden. Auch sei die Insektenbekämpfung in Afrika für die Vögel gefährlich, stellte Stalla fest, der bereits achtmal die Wege der Störche nach Afrika verfolgt habe.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 19. Dezember 2013 | Von Gereon Hoffmann)