Ein echtes kleines Museum

Weizenbier, das dachte Christian Karl lange, hat weniger Alkohol als ein frisch gezapftes Pils. Heute ist der Familienvater „Gott sei dank” aufgeklärt und weiß um die hohen Prozente. Einen Spleen, der mit dem Irrglauben an den „spritlosen” Gerstensaft verbunden ist, hat sich der 44-jährige Altriper bewahrt: Karl ist verrückt nach Weizenbiergläsern.

1300 davon hat er bis dato gesammelt. „Von 718 verschiedenen Brauereien sind die”, sagt der Gläserfan. Die „Trinkbecher” stehen allesamt nach Bundesländern sortiert und dann wiederum alphabetisch geordnet, in der Vitrine und im Holzregal im Eigenheim. Das knapp 19 Quadratmeter große Zimmer im ersten Stock ist zugleich das erste Altriper Weizenbierglasmuseum, das Karl am 20. September 2003 eröffnet hat.

Drei Interessenten hätten sich schon gemeldet, die gerne mal einen Blick auf die Sammlung werfen würden, berichtet er. „Wer sich vorher anmeldet, kann das gerne tun.” Infos über das Museum gibt es im Internet unter der Adresse „www.altrip.de” und der Rubrik „Bürger im Netz” anklicken.

Karl fährt gern Motorrad. Das hat ihn eigentlich erst dazu gebracht, Gläser zu sammeln. „Einmal habe ich halt ein Glas mitgebracht”, berichtet der Familienmensch, der Hausmeister im Rathaus Altrip ist. Anfangs haben die „Trinkbecher” noch auf zwei Bretter gepasst, eines 1,20, das andere zwei Meter lang. Aber immer, wenn Karl in Urlaub gefahren ist und einen Getränkemarkt oder eine Hausbrauerei gesehen hat, musste er anhalten und ein Glas mitnehmen. „Irgendwo ist das verrückt”, meint er selbst. Die beiden Kinder hätten damals öfter die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. „Aber irgendwann waren die auch nicht mehr mit einem Eis oder einem Schwimmbadbesuch zu beruhigen.”

Karl war sogar so verrückt nach den Gläsern, dass er vor der Urlaubsreise Adresse und Telefonnummer jener Brauereien zusammengesucht hat, deren Trinkgefäße er noch nicht hatte. „Das darf man ja gar nicht sagen, aber ich habe den Urlaub fast danach geplant”, schüttelt er den Kopf. Sogar eine Reiseroute hat er sich via Internet zusammengestellt, um ja keine Brauerei zu verpassen. „Aber wir sind immer nur bei schlechtem Wetter hingefahren”, ist Karl seiner Frau dankbar, dass sie den Spleen akzeptiert.

23 Jahre jagt der Altriper nun schon den Gläsern hinterher. Noch vier fehlen ihm, dann ist wenigstens Rheinland-Pfalz komplett. Aber der gesamte Osten der Republik ist wie ein weißer Fleck: Von dort ein Glas zu bekommen, ist fast unmöglich. „Ich habe da keine Kontakte”, meint Karl. Zudem gebe es die Gattung der reinen Weizenbierglassammler nicht allzu oft. „Die meisten suchen alles: Weizen- und Pilsgläser sowie Bierdeckel”, sagt Karl. Er selbst ist bei einem Kollektoren-Ring dabei, der ganz Deutschland umfasst. „Da tauscht man dann mal ein Glas aus. Man muss aber auch viel auf Flohmärkte gehen”, berichtet der 44-Jährige. Auf der Internettauschbörse „ebay” hat er kürzlich ein Glas für rund 100 Euro ersteigert. Den Wert der ganzen Sammlung schätzt Karl auf stolze 8000 bis 14.000 Euro.

Der Familienvater ist gelernter Schreiner. Die Vitrine und die Regale, in denen die Gläser stehen, hat Karl selbst gezimmert. „Es gibt Leute, die setzen wegen einer Sammlerei ihre Ehe aufs Spiel.” So weit würde er nie gehen, versichert Karl. Aber beim Waschen der Gläser hilft seine Frau nicht. „Das darf nur ich machen”, meint der 44-Jährige. Dann wird nahezu jedes Glas einzeln die Treppe herunter, und zur Spüle getragen. „Wenn nämlich eines zerbricht, tut mir das weh.” (oki)

Christian Karl und seine gläsernen Schätze. FOTO: LENZ

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 21. Januar 2004)