Vereine auf der Datenautobahn

Kontaktbörse, Pinnwand, Fotos und Veranstaltungstipps: Mehr als 20 Millionen Deutsche nutzen das soziale Netzwerk Facebook. Auch Vereine aus der Region präsentieren sich auf dieser Plattform im Internet. „Marktplatz regional” zeigt an drei Beispielen, wie unterschiedlich Facebook genutzt wird.

Manchmal muss man moderne Wege gehen, um die Vergangenheit zu erhalten. So wie Jürgen Hajok. Der 50-Jährige ist Mitglied im Heimat- und Geschichtsverein in Altrip und kümmert sich um die Historie seiner Gemeinde. Aber nicht auf die herkömmliche Art und Weise. Seit einem halben Jahr ist der Verein im sozialen Netzwerk Facebook vertreten.

Die Gründe hierfür liegen auf der Hand. „Wir müssen versuchen, junge Leute für Altrip zu begeistern”, erklärt Hajok. Es gebe schließlich keine Zukunft ohne Vergangenheit. Und um diese zu bewahren, sei man auf Nachwuchs angewiesen.

Der Verein zählt aktuell 100 Mitglieder. „Mit meinen 50 Jahren gehöre ich schon zu den jungen Wilden”, sagt Jürgen Hajok mit einem Schmunzeln. Deshalb soll die Jugend von heute über neue Kommunikationswege wie Facebook angesprochen werden. Der Verein habe zwar seit zehn Jahren eine eigene Homepage, aber man will mit der Zeit gehen. Noch befindet sich die Facebook-Seite des Vereins im Aufbau. An der Pinnwand sind schon Informationen rund um Altrip zu lesen. Mit der Zeit soll noch mehr Inhalt hochgeladen werden. „Die Pflege der Seite ist sehr aufwändig. Aber auch das 1642 Jahre alte Altrip wurde nicht an einem Tag erbaut”, sagt Jürgen Hajok.

Drei Vereine, ein Netzwerk (von links): Jürgen Hajok vom Heimatverein Altrip bewahrt die Vergangenheit seiner Gemeinde bei Facebook. Peter Nied vom Ersten Trucker-Club Otterstadt bleibt dank Laptop auch auf Tour mit seinen Freunden in Kontakt. Roland Bruckert vom TSV Iggelheim informiert über die Handballer des Vereins. FOTOS (3): EHRET Drei Vereine, ein Netzwerk (von links): Jürgen Hajok vom Heimatverein Altrip bewahrt die Vergangenheit seiner Gemeinde bei Facebook. Peter Nied vom Ersten Trucker-Club Otterstadt bleibt dank Laptop auch auf Tour mit seinen Freunden in Kontakt. Roland Bruckert vom TSV Iggelheim informiert über die Handballer des Vereins. FOTOS (3): EHRET

Der Turn und Sportverein (TSV) Iggelheim ist da schon etwas weiter. Die Handballabteilung informiert bereits seit drei Jahren in Facebook über Veranstaltungen, veröffentlicht Spielberichte und Fotogalerien. „Anfangs tummelten sich nur zehn Leute auf der Seite”, erinnert sich Roland Bruckert. Der 58-Jährige ist seit 1993 im Verein und kümmert sich derzeit um die Öffentlichkeitsarbeit. Über die rasante Entwicklung bei Facebook war er überrascht. „Mittlerweile haben wir mehr als 300 Anhänger im sozialen Netz”, sagt er deshalb stolz. 164 Nutzer haben sogar ihre Begeisterung für die Seite durch einen Klick auf den „gefällt mir”-Knopf zum Ausdruck gebracht. Die Plattform sei optimal, um in Kontakt zu bleiben. Der Verein könne auf diesem Weg auch neue Mitglieder werben und auf sich aufmerksam machen.

Seine Begeisterung für das Medium Internet ist beruflich bedingt: „Ich war einige Zeit für die Homepage der Controlling-Abteilung der BASF verantwortlich.” Seit Juli ist Bruckert in Altersteilzeit. Langweilig wird es dem 58-Jährigen allerdings nicht. Im Gegenteil: „Wir überlegen, alle Abteilungen des Vereins in Facebook zu stellen.” Im Laufe des Jahres soll die umfangreiche Aktion gestartet werden. Roland Bruckert hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: „Die Zahl der Anhänger auf 500 zu erhöhen wäre toll.

Auch für Peter Nied aus Maxdorf ist die Gemeinschaft mit Gleichgesinnten wichtig. Der 52-Jährige führt zusammen mit seiner Frau ein Speditionsunternehmen und ist im Vorstand des Ersten Trucker-Clubs Otterstadt. Der Verein wurde vor zwölf Jahren gegründet.

Seit drei Jahren können die 43 Mitglieder ihre Leidenschaft über das soziale Netzwerk im Internet teilen. Deshalb nimmt Peter Nied seinen Laptop immer mit auf Tour.

„Man ist lange alleine unterwegs. Durch das soziale Netzwerk ist man aber immer in Kontakt mit seinen Freunden”, erzählt Nied. Pro Jahr fährt er rund 60.000 Kilometer durch Deutschland, transportiert Container mit den unterschiedlichsten Waren. In den Lenkpausen biegt er dann ganz schnell auf die Datenautobahn ab. Dann wird der Laptop ausgepackt, eine Verbindung zum Internet hergestellt und Facebook aufgerufen. „Was machen die anderen Clubmitglieder, wer hat seinen LKW umgebaut oder was ist für unser nächstes Treffen geplant. Man ist immer auf dem neuesten Stand”, sagt Nied. Im vergangenen Jahr besuchte Country-Legende Tom Astor das Treffen des Clubs. Noch heute schwärmt Nied von dem Auftritt. Die besten Fotos von dem Konzert kann man natürlich bei Facebook bestaunen. „Ich bin seit 34 Jahren mit dem LKW unterwegs, habe viel erlebt”, sagt Nied. „Aber die Möglichkeiten von Facebook sind schon erstaunlich.” Dadurch hat er auf den endlosen Fahrten auf der Autobahn dabei, was ihm am wichtigsten ist: seine Familie und Freunde.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Marktplatz regional - vom 24.08.2011 / Michael Ehret)