Fast wie bei Christie’s

Kamutbrot, Römerbrot und andere frisch gebackene Laibe werden beim Altriper Backhausfest versteigert

Die meisten Menschen tun es – entweder im Internet oder in einem der Auktionshäuser der Region: Gegenstände ersteigern. Dass das auch mit einem Grundnahrungsmittel, dem Brot, funktioniert, haben die Altriper beim Backhausfest am Samstag gezeigt.

Der Duft nach frisch gebackenem Brot liegt in der Luft. Seit 11 Uhr wird das Altriper Backhaus angeheizt, damit alle 30 Brote zur ersten Versteigerung um 14 Uhr fertig sind. „Als wir unser Backhaus zwischen der Maxschule und dem Bürgerhaus vor fünf Jahren errichteten, wollten wir allen Interessierten die Möglichkeit geben, mit natürlichen Zutaten ihr Brot selbst zu backen, als Gegenpunkt zur industriellen Fertigung“, erklärt Alois Eitl, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins Altrip (HGV), die Wiederauferstehung einer gemeinsamen Brotbacktradition.

Renate Renner ist aus Oggersheim angereist, um in Altrip ihr Brot zu backen und es versteigern zu lassen. |  FOTOS: KHEZum Backtag, der jeden zweiten Samstag im Monat stattfindet, kommen nicht nur Hobbybäcker aus Altrip. Renate Renner aus Oggersheim zum Beispiel weiß das Angebot zu schätzen und schwärmt von der netten Gemeinschaft am Backhaus: „Alle haben mich herzlich aufgenommen, sodass ich, auch wenn ich sonst daheim backe, einfach dabei sein muss. Ich kaufe überhaupt kein Brot mehr“, sagt sie und freut sich, als ihr Backwerk aus Einkorn, Hafer und Kamut, das sie ins heutige Versteigerungsrennen schicken wird, dampfend aus dem Ofen gehoben wird. So sieht das auch Heike Schories aus Waldsee. Sie ist das erste Mal beim Backhausfest und begeistert: „Als ganzheitliche Gesundheitsberaterin liegt mir eine naturnahe Ernährung am Herzen, und hier stimmt die Zutatenliste.“

Auktionator Alois Eitl preist am Mikrofon die von Doris Mansky präsentierten Backwerke an. | FOTOS: KHEDoch wie kommt man auf die Idee, die Brote zu versteigern? Alois Eitl erzählt: „Weil viele zwar gerne backen, noch mehr es aber lieber essen, kam der Wunsch auf, das Brot auch kaufen zu können. Also ließen wir uns etwas einfallen, was auch dem Verein zugute kommt, und die Idee zur Versteigerung beim jährlichen Backhausfest war geboren.“ Mit dem Erlös deckt der Verein seine Kosten für das Brennholz. Das Konzept ging auf: „In der Regel werden 20 bis 30 Euro für ein Brot geboten“, berichtet Lothar Bisson, Mitglied der Brotbackgruppe. „Letztes Jahr brachte es ein Brot auf 50 Euro“, erinnert sich Eitls Frau Karin. „Zwei Cousins haben um die Wette geboten, das war wohl eine Sache der Familienehre.“

Drinnen im Bürgerhaus warten die Brote auf ihre Käufer. Es gibt runde Brote, welche in Gugelhupfform, Zopfbrote, Toastbrote und schwarzbraune aus Vollkorn. Sogar ein Federweißenbrot, passend zur Saison, ist dabei. Alois Eitl als Auktionator erklärt die Versteigerungsregeln: Grundpreis drei Euro, bis fünf Euro wird in 50-Cent-, danach in Ein-Euro-Schritten geboten. Seine launigen Sprüche kommen an. So geht das erste Brot aus Ruchmehl mit der Erklärung „das ist nicht etwa ein verruchtes Brot, sondern ein nach einem aufwendigen alten Schweizer Mahlverfahren gebackenes Weizenbrot“ gleich für 26 Euro weg. Und das Kamutbrot mit Mandelmilch bewirbt er als Cleopatras Schönheitsrezept, während er beim Römerbrot, gewürzt mit Anis, Kümmel und Fenchel, an Altrips Vergangenheit erinnert.

Eher still, dafür emsig nähend, sitzen Heike Just und Birgit Schmidt von der Trachtengruppe des HGV im Bürgerhaus hinter ihren Nähmaschinen und zeigen ihr Können. Zwischen den beiden Versteigerungen erfreut die Sängereinheit mit Gesang und Klaviermusik. Die Altriper wissen eben, wie man ein Event gestaltet. Und üben damit schon für die große 1650-Jahr-Feier im kommenden Jahr.

TERMIN
Der nächste Backtag findet am Samstag, 13. Oktober, statt. Anmeldungen sind bis Mittwoch unter Telefon 06236/4854311 möglich. Weitere Informationen im Netz unter www.hgv-altrip.de.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 8. Oktober 2018 | Von Kathrin Hentzschel)