Ein Zeichen der Dankbarkeit

GEDENKEN:
Tödliches Brandunglück auf dem Rexhof bei Altrip jährt sich zum 20. mal
Feier zur Erinnerung an Edelgard Rex 

Am Donnerstag, 10. Dezember 1998, berichtete der „Mannheimer Morgen“ über das folgenschwere Feuer. | © MM-ArchivAm Donnerstag, 10. Dezember 1998, berichtete der „Mannheimer Morgen“ über das folgenschwere Feuer. | © MM-Archiv

Rebecca Knöll kann sich noch lebhaft an die Nacht zum 9. Dezember 1998 erinnern. „Es muss gegen 5 Uhr morgens gewesen sein, als ich vom Klingeln des Telefons aufgewacht bin“, berichtet die 39-Jährige. Sie habe einen Blick auf die Uhr geworfen, sich kurz gewundert, sei dann aber wieder eingeschlafen. Die schockierende Nachricht erreicht sie deshalb erst später: Bei einem nächtlichen Feuer auf dem Altriper Rexhof ist die beliebte Gründerin des Reiterhofs, Edelgard Rex, im Alter von 76 Jahren ums Leben gekommen. Ihr Tod sorgt damals weit über die Gemeinde hinaus für Betroffenheit. Am Sonntag jährt sich das folgenschwere Brandunglück nun zum 20. Mal.

„Für mich war das unfassbar. Ich dachte, dass das gar nicht wahr sein kann“, erinnert sich Knöll an jenen Morgen zurück. Bereits als Siebenjährige hatte sie ihre Ferien auf dem Rexhof verbracht und über die Jahre hinweg ein inniges Verhältnis zu der Betreiberin aufgebaut. „Mit zwölf Jahren hatte ich mein eigenes Islandpferd auf dem Hof. Ich weiß noch, dass wir immer zu ihr ins Haus durften und sie uns Geschichten erzählt hat“, sagt sie. Noch am Abend vor dem Unglück sei ihre Mutter bei Edelgard Rex zu Besuch gewesen. „Sie haben am Kamin gesessen und ein Glas Wein getrunken, wie sie es oft gemacht haben“, berichtet die 39-Jährige. Im Nachhinein habe sie sich oft gefragt, ob das klingelnde Telefon am frühen Morgen nicht „Edel“ gewesen sei, wie Freunde die 76-Jährige liebevoll nannten. „Vielleicht hat sie noch versucht, anzurufen“, sagt Knöll. Herausfinden konnte sie es nicht mehr.

Einen Moment innehalten
Die Erinnerung an Edelgard Rex ist für Rebecca Knöll verbunden mit der Erinnerung an eine glückliche Jugend. „Auch wenn der Rexhof heute nicht mehr in dieser Form besteht, so leben doch so viele Gedanken und Freundschaften weiter, die dort entstanden sind“, sagt die zweifache Mutter. Auch bei ihrem letzten Abiturtreffen seien die ganzen alten Geschichten wieder hochgekommen. „Da ist mir bewusst geworden, dass sich der Vorfall tatsächlich schon zum 20. Mal jährt.“

Das hat die 39-Jährige zum Anlass genommen, für Sonntag eine kleine Gedenkfeier zu organisieren. „Das mag vielleicht ein bisschen seltsam klingen, aber ich habe davon geträumt, wie alle Rexhof-Freunde mit einer Kerze am Unglücksort einen Moment innehalten“, berichtet sie. Im Kindergarten ihrer Tochter habe sie deshalb bunt beklebte Gläschen besorgt, in denen die Anwesenden am Sonntag ab 17 Uhr Kerzen entzünden sollen. Kommen kann jeder, der sich in irgendeiner Weise mit Edelgard Rex oder dem Rexhof verbunden fühlt. „Die Gedenkfeier soll vor allem ein Zeichen der Dankbarkeit sein, für all das, was ,Edel’ ermöglicht hat“, so Knöll.

Die Inbetriebnahme des Rexhofs im Jahr 1978 war für Edelgard Rex die Erfüllung eines Traums. Mit mehr als 20 eigenen Islandpferden richtete sie Reittage, Kurse und Turniere aus. Bereits 1969 hatte sie den Reitclub (RCA) Altrip gegründet, dessen Gelände unmittelbar neben dem ehemaligen Rexhof liegt und lange Jahre eng mit diesem verwoben war.

Maßstäbe bei der Pferdehaltung
„Viele Menschen, die ihre Pferde auf dem Rexhof eingestellt hatten, konnten beim Reitclub ihrem Hobby nachgehen“, berichtet der heutige Vereinsvorsitzende Bernhard Siegel. Der Hof sei bei Pferdefreunden weit über Altrip hinaus beliebt gewesen. „Edelgard Rex’ große Ziele waren die Nachwuchsförderung und die Begeisterung der Menschen für die Tiere“, sagt Siegel. Und auch was die Haltung der Pferde anbelangt, habe die Gründerin des Rexhofs Maßstäbe gesetzt. So erhielt sie etwa Auszeichnungen für ihre Offen- und Laufstallhaltung. „Sie hat es geschafft, Pferde so zu bewegen, dass sie es gerne tun und auch so, wie sie es brauchen“, erklärt Siegel.

„Tragischerweise konnte ihre Idee nach einigen Jahren nicht mehr fortgesetzt werden“, berichtet der Vereinsvorsitzende. Für den Rexhof fand sich kein Investor, der den Betrieb in der alten Form weiterführen wollte. Heute befindet sich dort ein Rehazentrum für verletzte Sportpferde. Doch zumindest am Sonntag wird der Geist von Edelgard Rex noch einmal aufleben.

DER REITERHOF

  • Edelgard Rex gründete den Rexhof im Jahr 1960 an der Bezirksstraße in Altrip. 1978 ging er an neuem Standort außerhalb des Ortes in Betrieb.
  • Zu Spitzenzeiten waren bis zu 90 Pferde in den Ställen untergebracht.
  • Rex war eine Spezialistin für Islandpferde und machte sich einen Namen durch artgerechte Haltung und naturnahes Reiten.
  • Am 9. Dezember 1998 starb sie 76-jährig bei einem Brand in ihrem Haus.
  • Jahre später gab es einen Rechtsstreit um den Hof. Heute befindet sich dort ein Rehazentrum für Pferde.
© Mannheimer Morgen, Freitag, 07.12.2018 - Autor: Julian Eistetter (jei)