„Edel“ bleibt unvergessen

Edelgard Rex ist eine Pionierin gewesen. Sie gründete den Altriper Reitclub und den Rexhof in den Jägerwiesen. Und nicht nur in der Region war sie im Einsatz für den Reitsport. Rex machte in Deutschland die Isländer als Freizeitpferde bekannt. Vor 20 Jahren starb sie mit 76 Jahren, als ihr Wohnhaus abbrannte. Zum Jahrestag des Unglücks am Sonntag haben viele Reiterfreunde ihrer gedacht.

Edelgard Rex hatte ein großes Herz für Kinder und Tiere, erzählen die, die sie kannten. Nun kamen Freunde und Weggefährten zusammen, um der Rexhof-Gründerin zu gedenken. | FOTO: LENZ

Es sind nicht nur Pferde, die den Rexhof bevölkerten. „Erinnert ihr euch an die Hunde?“ fragt Anya Kraus in die Runde, die sich am Sonntagabend auf dem ehemaligen Rexhof bei Altrip versammelt. „Es gab eine Menge davon, die überall herum wuselten.“ Es sind Erinnerungen, die diesen Abend prägen. „Und meine Kaninchen“, fährt Kraus fort. „Ich hatte ein Weißes, das ausbüxte und danach braune und graue Kleine bekam. Es war eigentlich kein Platz da für sie. Also kamen sie in eine Box mit einem Pony. Das ging gut!“ Kraus wuchs auf dem Rexhof auf, bis sie 19 Jahre alt war. In einer Wohnung in jenem Haus, in dem später Schreckliches passieren sollte.

Der 9. Dezember 1998, 3.45 Uhr am frühen Morgen. Die Rettungsleitstelle Ludwigshafen alarmiert die Altriper Feuerwehr. Auf dem Rexhof ist ein Feuer ausgebrochen. 31 Mann rücken in sechs Fahrzeugen aus. Als sie auf dem Rexhof ankommen, steht das Wohnhaus, etwa 150 Meter von den Ställen entfernt komplett in Flammen, sagt Wehrleiter Klaus Orth damals der RHEINPFALZ. Gegen 5.30 Uhr ist das Feuer unter Kontrolle, die Löscharbeiten dauern bis zum Vormittag. Für Edelgard Rex, die Gründerin des Reiterhofs, aber kommt jede Hilfe zu spät. Sie stirbt in den Flammen. Die Wehrleute finden die Leiche der 76-Jährigen im völlig zerstörten Wohnzimmer. Das Bett im Schlafzimmer ist laut Wehrleiter Orth aufgedeckt gewesen. Dort finden die Einsatzkräfte auch einen toten Hund.

Zum 20. Jahrestag des Unglücks kommen am Sonntag etwa 30 Ehemalige vom Rexhof auf das Gelände. Sie entzünden Kerzen und gedenken der Gründerin. Rebecca Knöll, die Initiatorin der Feier, erinnert in einer kleinen Ansprache an Wärme und Herzlichkeit der Gründerin, gepaart mit Tatkraft: „Edelgard Rex brachte die Menschen zusammen über die Liebe zu den Tieren“, sagt sie und zitiert Dietrich Bonhoeffer: „Je schöner und voller die Erinnerung, desto schwerer ist die Trennung. Mit der Dankbarkeit verwandelt die Erinnerung sie in stille Freude.“

„Edel“ Rex war eine Pionierin, die in Deutschland die Isländer als Freizeitpferde bekannt machte. Die kleinen, robusten Ponys waren das „Markenzeichen“ des Hofs. Rex hatte sie während des Zweiten Weltkriegs, 1942 in der Ukraine, kennen und lieben gelernt. Es wurde ihr Lebenstraum, einen Ponyhof mit viel Platz für Kinder und Pferde zu eröffnen. Auf dem Weg dorthin hatte sie einige Rückschläge zu verkraften. 1952 starb ihr Mann, der sie mit zwei kleinen Töchtern zurückließ. Mit einem kleinen Gemüseladen und der Verpachtung von Campingplätzen brachte sie die Familie durch. Durch einen Verkehrsunfall starb später eine ihrer beiden Töchter.

1970 gründete Rex den Reitclub Altrip, dessen Ehrenvorsitzende sie wurde. Zehn Jahre zuvor hatte sie bereits den Rexhof ins Leben gerufen, zu Beginn mit sechs Islandpferden. Sie trat mit dem isländischen Konsulat in Verbindung und holte die Kleinpferde in die Pfalz. Wenige Jahre später waren es bereits 22 Pferde. 1978 zog sie mit ihrem Hof auf die Jägerwiesen etwas außerhalb Altrips und begann, gemeinsam mit dem Reitclub, viele namhafte Turniere nach Altrip zu holen. Der Name Rexhof wurde weit über die Region hinaus bekannt. Als Rex die Ehrennadel des Landes Rheinland-Pfalz erhielt, sagte Ernst Bartholomé (CDU), zu dieser Zeit Landrat des damaligen Landkreises Ludwigshafen: „Edelgard Rex hat ein Paradies für Pferde, für Kinder und für Jugendliche aufgebaut und damit einen in dieser Industrielandschaft so wichtigen Ausgleich geschaffen.“

Edelgard Rex in ihrem Element – mit den Island-Pferden. | Um 3.45 Uhr ging der Alarm bei der Altriper Feuerwehr ein. Als sie auf dem Rexhof eintraf, stand das Wohnhaus bereits voll in Flammen. | FOTO: LENZ

Immenhof-Idyll, so muss das damals gewesen sein. Als Anya Kraus mit ihrem Vater Dieter und der Stiefmutter Anita, den Verwaltern des Hofs, zu Edelgard Rex kam, war sie neun Jahre alt. „Wir waren so frei damals, wie man sich das heute nicht mehr vorstellen kann“, erzählt sie. „Wenn wir Lust hatten, schwangen wir uns auf ein Pferd – ungesattelt, und es waren nicht nur Ponys – und ritten los ins Gelände. Oder wir spannten zwei Ponys vor den kleinen Wagen und fuhren zum Bäcker nach Altrip, Brötchen holen.“ Sie berichtet von einem besonderen, kameradschaftlichen Geist auf dem Hof. „Wer da war, gehörte dazu, half im Stall und wo es nötig war“, sagt sie. In der Hochzeit standen 90 Pferde in den Stallungen, von Isländern bis zu rassigen Warmblütern. Nicht alle Eltern hätten ihren Kindern Reitunterricht bezahlen können. „Aber wer dabei war, lernte es trotzdem. Man war da nicht so.“ Edelgard Rex hatte ein großes Herz für Kinder und Tiere, erzählen die, die sie kannten.

Heute ist der Rexhof verkauft. Ein Reha-Zentrum für Pferde soll dort entstehen. Von den auf dem Hof geborenen Islandponys leben noch die Stuten Samrad, Solbjört und Fjalladis, mittlerweile auf anderen Höfen und mehr als 30 Jahre alt. Die ehemaligen Rexhoferinnen reden von ihnen wie von Familienmitgliedern. Die Idee von Edelgard Rex lebt also weiter – und ihr „Pferde-Gen“ hat derweil eine Generation übersprungen. Ihre Enkelin Tanja Gundlach ist Trainerin mit Prüferlizenz auf einem Reiterhof bei Bremen. Ihr Spezialgebiet sind natürlich die Isländer.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 11. Dezember 2018 | Von Andrea Dölle)
Diese Website nutzt Cookies, um Ihnen die bestmögliche Nutzererfahrung auf unserer Website bieten zu können.
Einverstanden Ablehnen