ALTA RIPA – Altrip – 1650 Jahre

Der römische Kaiser Valentinian I. (364-375) und Gründer von Alta Ripa, ist allgemein weit weniger bekannt als etwa Nero oder Caligula. Zu unrecht. Er hatte sich weder um den kaiserlichen Purpur des Römischen Reiches gedrängt oder gar geputscht, sondern ihm wurde in Abwesenheit von Soldaten in Nicaea, nahe Konstantinopel, die Kaiserwürde angetragen. Bis dahin war Valentinian, der in Afrika schon frühzeitig durch seinen Vater das Kriegshandwerk erlernte, ein weithin unbekannter Gardeoffizier. Für ihn sprach lediglich, dass er aus einer angesehenen Offiziersfamilie stammte, unter mehreren Kaisern gedient hatte und unter dem Christenhasser Julian standhaft an seinem christlichen Glauben festhielt und deshalb auf einen unbedeutenden Posten nach Theben versetzt wurde. Valentinian galt zwar als grobschlächtig und von geringer Bildung, aber als ehrlicher Soldat. Und das imponierte dem römischen Heer auf der Suche nach einem neuen Herrscher, nachdem Kaiser Jovian nach kurzer Herrschaft im Kampf gegen die Perser gefallen war.

Nach seiner Ankunft in Nicaea wurde Valentinian einhellig zum Kaiser proklamiert. Obwohl er Christ war, so war doch wohl etwas abergläubisch, denn er verkroch sich einen vollen Tag lang wegen eines Schalttages, der allgemein als Unglückstag galt. Am 26. Februar 364 übernahm er aber sodann die Kaiserwürde. Schon bald erhob er seinen Bruder Valens zum Mitkaiser und entsprach damit einer Forderung des Heeres, zumal das Reich vor großen militärischen Herausforderungen stand. In seltener Einmütigkeit teilten sich beide Augusti das Reich in einen Ostteil (Orient), den Valens mit Sitz in Konstantinopel übernahm und in ein Westreich (Occident), dem sich Valentinian widmete. Auch in das Heer und die Generäle teilten sich beide einvernehmlich. Alle wichtigen Gesetze und Verordnungen, bis auf Religionsangelegenheiten, galten in Ost und West gleichermaßen. Valentinian residierte zunächst in Mailand, später in Paris und schließlich in Trier, das er zur ersten Weltstadt in Gallien machte.

Wahrer der Rheinfront

Das größte Verdienst Valentinians ist zweifellos die Sicherung der römischen Rheingrenze. Dazu schuf er einen Kranz von Kastellen und Befestigungsanlagen von Rätien bis zur Nordsee. Viele heutige Städte und Gemeinden wurden durch sein Wirken erstmals erwähnt, so etwa Basel, Breisach oder Altrip, das antike ALTA RIPA. Den Bauplan für das Bollwerk Alta Ripa, am Zufluss des Neckars über ein Delta in den Rhein, hat er gar persönlich entworfen und sich 369 auch einige Wochen hier aufgehalten, um die Bauarbeiten zu kontrollieren. In Alta Ripa hat er am 19. Juni 369 ein Gesetz unterschrieben und dies ist der Tag der ersten urkundlichen Erwähnung der heutigen Gemeinde Altrip.

Zum Bollwerk Alta Ripa, einem Steinbau mit acht Meter hohen und drei Meter dicken Mauern, gehörte auch eine Schiffslände, eine Schiffsbrücke sowie ein rechtsrheinisch gelegener Burgus (steinerner Wehrturm) und in der Nähe auch ein Hafen für die römische Rheinflotte. Hier vollbrachte er gar eine pioniertechnische Meisterleistung, denn er ließ einen Neckararm bei hohem Wasserstand umleiten, damit sein Kastell nicht unterspült wurde. Von hier aus startete er ein misslungenes Unternehmen in das östliche Barbarenland, um wieder an die alte Größe Roms, wie zu Zeiten Trajans. Anzuknüpfen. Doch Alat Ripa rettete Rom auch nicht mehr. 406/407 drangen germanische Völkerschaften in Gallien ein und Alta Ripa wurde ein Raub der Flammen.

Zwei römische Kaiser weilten zeitgleich in Alta Ripa

Nachdem Valentinian I. seinen neunjährigen Sohn Gratian nach einer überstandenen schweren Krankheit als Mitregent eingesetzt hatte und für ihn als Lehrer einen der damals bedeutendsten Redner, Literat und Rhetorikprofessor, nämlich den Heiden Ausonius, bestellt hatte, traten Vater und Sohn bei allen wichtigen Anlässen gemeinsam auf.

Eine schwülstige Lobrede des berühmtesten Redners der Spätantike , Aurelius Symmachus , auf Valentinian und den Waffenplatz Alta Ripa, gehalten am 1. Januar 370, ist der Nachwelt erhalten geblieben. ALTA RIPA sagte er ewigen Bestand voraus, denn „was von dem gegründet ist, der der Gottheit am nächsten steht, das kann nicht untergehen!“ Es wäre sicher verwunderlich, wenn ausgerechnet bei dem wichtigen Vorhaben, nämlich dem Wasserkastell Alta Ripa, Gratian nicht dabei gewesen sein sollte. Mithin kann unterstellt werden, dass die beiden Augusti zeitgleich in Alta Ripa weilten.

Echte Religionsfreiheit gab es nur unter Valentinian I.

Schon im ersten Regierungsjahr garantierte Valentinian in einem Religionsedikt echte Religionsfreiheit. Er duldete auch Heiden in seinem engsten Umfeld, etwa den antiken Historiker Ammian und dem Redner Symmachus sowie den Erzieher seines Sohnes, Ausonius, der mit seinem Werk „Mosella“ weltberühmt wurde. Rom hat er überhaupt nicht betreten und ließ dort auch die Heiden im Senat wirken. Nie gab es vor und nach Valentinian eine solch große Religionsfreiheit im Weströmischen Reich. Sein Bruder im Ostreich war hingegen Arianer und unterdrückte dort gar die Christen.

Dem Vergessen entrissen

Anlässlich der 1650-Jahrfeier der Gemeinde Altrip hat der Heimat- und Geschichtsverein Altrip in Verbindung mit der Ortsgemeinde vom Bildhauer Siegfried Keller aus Harthausen eine 2,20 Meter hohe Valentinian-Stele aus Jurakalk anfertigen lassen. Ein goldfarbenes Steininlay, das einer römischen Originalmünze mit dem Konterfei von Kaiser Valentinian I. nachempfunden wurde, ziert nun die Stele, auf der auch der Rheinlauf, der Limes sowie das Kastell eingraviert ist. Die feierliche Enthüllung der Stele nimmt am Samstag, 16. März , 15 Uhr, am Bürgerhaus Alta Ripa Ministerpräsidentin Malu Dreyer vor. Auf Einladung der katholischen Kirchengemeinde hält zuvor am Samstag, 9. März, 15 Uhr, der 77-jährige Altriper Hobbyhistoriker Wolfgang Schneider einen Vortrag über den christlichen Kaiser im Edith-Stein-Haus zu Altrip und stellt hierbei sein Buch „Der römische Kaiser Valentinianus I. und sein Bollwerk Alta Ripa“ der Öffentlichkeit vor.

Ausstellung:
In Speyer zeigt das Historische Museum der Pfalz bis zum 16. September 2018 die Ausstellung „Valentinian I. und die Pfalz in der Spätantike“ und im November wird ein Teil hiervon nochmals in Altrip im Bürgerhaus ALTA RIPA zu sehen sein. -red-

(Quelle: speyer-report.de - 26. Februar 2019 | Von Wolfgang Schneider)
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