Schwere Schwerter – mächtige Mauern

Grundschüler erkunden die Geschichte ihrer Gemeinde in den Straßen Altrips und im Bürgerhaus

Einfach mal rausgehen und Geschichte hautnah erleben. Das haben die Schüler der Albert-Schweitzer-Grundschule vergangene Woche getan. Die Idee hatte der Altriper Heimat- und Geschichtsverein (HGV) – eine gute, wie sich herausstellt hat, auch für interessierte Erwachsene.

Drei Tage lang erkundeten die Schüler ihre Heimatgemeinde zu Fuß. Mit den Römern hatten sie schon in der Schule Bekanntschaft gemacht. „Wir haben gerade eine Römer-Projektwoche“, berichtete Lehrerin Katharina Schmitt. Sie ist mit ihren Schülern öfters beim „Draußentag“ unterwegs, um vor Ort mehr über ein Lernthema zu erfahren. Diesmal ging es zunächst zur Stele zu Ehren von Kaiser Valentinian. „Der hat 369 das Kastell alta ripa gegründet – als Befestigungsanlage gegen die Barbaren“, erklärte ihnen dort Horst Hook vom HGV, Bürgermeister Volker Mansky (parteilos) war auch da. Um den Kindern eine Vorstellung vom Bauwerk mit seinen drei Meter dicken Außenmauern zu geben, schritt Volker Mansky die Distanz ab – und die Schüler staunten.

Wie die Fähre früher aussah, erfuhren die Schüler im Bürgerhaus. | FOTO: MMÖAls Horst Hook eine echte Münze aus der Zeit von Kaiser Valentinian herumreichte, konnten sich die Kinder nicht satt sehen. Einen Legionär mit Rüstung und Schwert – nicht in echt, aber als sehr realistisch wirkende lebensgroße Puppe – bewunderten die Schüler in der ständigen Ausstellung des HGV im Bürgerhaus. Das Schwert war ein begehrtes Objekt: „Darf ich mal anfassen?“, fragten die Kinder, und Horst Hook ließ sie die Waffe am Knauf packen. „Das ist aber schwer!“, stellten die Schüler fest.

Interessiert studierten sie auch das Modell der Gierfähre, der Vorläufer der heutigen Motorfähre. Und beim Mammutknochen war das Staunen groß. Der wurde bei Kiesbagger-Arbeiten gefunden. Bei Ausgrabungen in der Ludwigstraße wurden früher Reste des Kastells entdeckt. Nachdem das Modell besichtigt wurde, suchten die Schüler vor Ort Spuren davon. Mit Volker Mansky gingen sie vom Ludwigsplatz aus die Moltekstraße entlang, bogen zunächst in die Maxstraße und kurz darauf in die Reginostraße, um dann vor dem historischen Kirchturm der protestantischen Kirche anzukommen – was in etwa der Grundriss des Kastells war.

Auf dem Weg erfuhren sie: „Dort, wo heute die Römerstraße ist, verlief damals schon der Rhein.“ Und die Römerstraße als älteste Straße des Dorfes bot noch eine weitere, ganz lebendige Attraktion: „Da ist ja ein Storch“, riefen die Jungen und Mädchen. Das Nest wurde vor einigen Jahren auf dem Dach des Römerhauses befestigt und schon bald bewohnt.

Voller Eindrücke kehrten die Schüler in ihr Klassenzimmer zurück. Hinter dem „Draußentag“ steckt nach Auskunft von Katharina Schmitt ein skandinavisches „Outdoor-pädagogischen Konzept“. „Die Kinder nehmen das immer gut an – sie sind auch viel fitter, kreativer und aufmerksamer geworden“, sagt sie. | mmö

FÜHRUNG & AUSSTELLUNG
Die Ausstellung des Heimat- und Geschichtsvereins Altrip im Bürgerhaus alta ripa, Ludwigstraße 42, mit Leihgaben aus dem Historischen Museum der Pfalz, kann auf telefonische Anfrage beim Vorsitzenden Alois Eitl, Telefon 06236 /579056, besichtigt werden. Wissenswertes über das Kastell Alta Ripa erfahren Interessierte vor dem Grundstück in der Ludwigstraße 9. Zu sehen sind Fundstücke aus der Römerzeit sowie zwei Informationstafeln. Am Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 8. September, bieten der HGV, die Protestantische Kirche und das Kulturforum Führungen um 12, 14.30 und um 16 Uhr an.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Marktplatz regional Rhein-Pfalz-Kreis - 29. Mai 2019)
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