Dann verschlägt es ihm die Sprache

Viele, viele Dankesworte haben Altrips Bürgermeister Jürgen Jacob am Sonntag in den Ruhestand begleitet. Seinem Nachfolger Volker Mansky wurde viel Vertrauensvorschuss gespendet. Der 41-Jährige ist nun offiziell der Boss im Rathaus. Für Jacob hat es nach 15 Jahren eine feierliche, lustige und auch etwas wehmütige Verabschiedung gegeben – mit so mancher Überraschung.

Amtseinführung unter alten Bekannten: Jürgen Jacob ernennt Volker Mansky zum Ortsbürgermeister. | FOTO: LENZ

„Winken Sie mir alle, oder ist Ihnen nur warm?“ Jürgen Jacobs Humor blitzte gleich bei der Eröffnung der konstituierenden Sitzung beim Blick vom Podium in die Zuschauermenge auf. Viele gelbe Programmzettel wurden da vor den erhitzten Gesichtern geschwungen, um die heiße Luft im Reginozentrum in Bewegung zu bringen. Rund 260 Bürger und Offizielle waren gekommen und zuvor im langen Defilee an Jacob und Mansky vorbeigezogen, die den Temperaturen angepasst im lockeren Kurzarmhemd am Saaleingang Hände drückten, umarmten und launige Begrüßungen austauschten. Man kennt sich eben auf dem Dorf – auch wenn es ein so großes ist.

Erst einmal wurde es aber ganz offiziell und Jürgen Jacob nahm – tapfer im Sakko – seine letzte Amtshandlung vor. Denn schließlich galt es, die neuen Ratsmitglieder zu verpflichten und die scheidenden zu verabschieden. Und dann, seinen eigenen Nachfolger zu ernennen und zu vereidigen. „Sie – Du – ach, wir kennen uns doch schon so lange.“ Eine Amtseinführung unter guten alten Bekannten. Feierlich sprach Volker Mansky die Eidesformel nach und erhielt – ganz pragmatisch – von Jacob den Rathausschlüssel. Nach einer halben Stunde schloss der 63-Jährige seine letzte Sitzung als Bürgermeister. Dann wurde es feierlich. Die Irish-Folk-Band Fleadh spielte ihre eindringliche Musik. Und fleißige Helfer verteilten pausenlos gefüllte Wassergläser im Saal.

Mansky hatte am 26. Mai mit 60,3 Prozent der Stimmen die Ortsbürgermeisterwahl gegen SPD-Bewerberin Christiane Stillger gewonnen. „Ich war so nervös am Wahlabend“, gestand er in seiner Ansprache. Umso mehr habe ihn das deutliche Resultat gefreut, „ein Ergebnis von 27 Jahren ehrenamtlicher Arbeit“. Er freue sich auf eine interessante und hoffentlich erfolgreiche Zeit.

Ralf Kissel (SPD), dem langjährigen Ratsmitglied und Ersten Beigeordneten (Jacob: „Da habe ich einen guten Freund gewonnen.“), blieb es überlassen, Jacob seine Entlassungsurkunde zu überreichen, nach einem launigen Rückblick auf zehn Jahre hauptamtliche und fünf Jahre ehrenamtliche Zeit, in der sich Jacob „immer mit Leidenschaft für die Gemeinde eingesetzt hat“. Jürgen Jacob wird weiterhin für die FWG im Kreistag und im Verbandsgemeinderat sitzen, und er bleibt Geschäftsführer der Rheinfähre Altrip GmbH.

Gleich 13 Grußworte folgten, von Kreis-, Verbandsgemeinde-, Parteien-, Vereins- und Kirchenvertretern, mit persönlichen Erinnerungen, Anekdoten, Dank an Jacob und Glückwünschen für Mansky. Couragiert, aufrichtig, leidenschaftlich, immer ein offenes Ohr – diese Eigenschaften Jacobs betonten die Redner. „Ich bin von der Anzahl und dem Inhalt der Grußworte überwältigt“, sagte Jacob am Ende – „so schlecht war ich jo offenbar gar net.“ Und es gab Geschenke. Vom Benzingutschein für den passionierten Motorradfahrer über eine Orgelpfeife, von 1650 Minuten „Ortsjubiläums-Schnuppertennis“ bis hin zu einer großen Keramik-Alta-Ripa-Elwedritsch. Die verschlug sogar dem nie um eine Bemerkung verlegenen Jürgen Jacob erstmal die Sprache.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 2. Juli 2019 | Von Ulrike Minor)
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