Außergewöhnlich vielschichtig

Kraftvoll und mitreißend: Orffs Carmina Burana ist schlicht ein geniales Werk – Auftritt in Altrip

Mit Carmina Burana von Carl Orff haben der Chor Prochoro, der Kinderchor „Rheinfinken“ zusammen mit der Brühler Bläserakademie und den Solisten Nelly Palmer, Ingo Wackenhut und Thomas Herberich eine grandioses Musikerlebnis auf die Bühne des Altriper Reginozentrums gebracht.

Großaufgebot an Musikern zur Carmina Burana in Altrip. | FOTO: ENKCarmina Burana, das bedeutet ein Großaufgebot an Musikern. Christiane Schmidt, die rührige Sängerin, Chorleiterin und Musikpädagogin, hat ein Dreivierteljahr mit ihren Chören Prochoro aus Westheim und den Altriper Rheinfinken an diesem Werk gearbeitet. „Ich kenne die Carmina Burana auswendig“, sagte sie am Sonntag im Altriper Reginozentrum, schon über 50 Mal habe sie das Stück aufgeführt. Das sah man auch an ihrem Dirigat, an den Schwingungen ihres Körpers, der jede Nuance des außergewöhnlich vielschichtigen und abwechslungsreichen Werks gestisch unterstützend mitging.

Mit einem Schlag der Dirigentin war die unüberschaubare Künstlerschar von Null auf 100. Kraftvoll und mitreißend kam der Eröffnungs- wie Schlusschor „Fortuna Imperatrix Mundi“ daher, der weltweit auch als Filmmusik Furore gemacht hat und in über 90 Film- und Fernsehproduktionen verwendet wurde. Die Bläserakademie aus Brühl trug den Chor kraftvoll zu gewaltigen Tonbildern und einfühlsam zart zu schlicht klingender Poesie.

Großen Eindruck machten die Solisten. Tenor Ingo Wackenhut rührte als gebratener Schwan mit seinem Klagegesang tief in Herz und Seele an, Bassbariton Thomas Herberich schwelgte kraftvoll tönend in dem Ambiente des fröhlichen Zechers. Nelly Palmer verzauberte in ihrem zarten Sopran der am Ende des „Cour d’amours“ auch aufwallende, jauchzende Koloratur bieten durfte. Und dann Prochoro. Ein außergewöhnlich kompakter und wohlklingender gemischter Chor, der ganz in diesem großen Werk aufging.

Carl Orffs (1895-1982) 1936 veröffentlichtes Werk verarbeitet mittellateinische und mittelhochdeutsche Texte aus dem elften und 12. Jahrhundert. Texte aus dem prallen Leben, die vom Liebessehnen und Liebesglück, von ausschweifender Zecherei, von derben Genüssen und zarter Minne künden. Dass die Nazis das Werk als „bayerische Niggermusik“ geschmäht haben, zeugt von deren primitiver Borniertheit. Das geniale Werk spannt einen musikalischen Bogen von der melodischen Schlichtheit des Mittelalters bis zur tonalen Klangsprache des frühen 20. Jahrhunderts. Und es war ein weiterer glanzvoller Höhepunkt in der gelungenen Veranstaltungsreihe zum 1650-jährigen Bestehen Altrips. Das Publikum war begeistert und ließ Künstler nicht ohne Zugabe von der Bühne. 

(Quelle: Die Rheinpfalz - Ludwigshafener Rundschau - 24. September 2019 | Von Werner Schenk)

 Weitere Bilder von dieser Veranstaltung finden Sie hier in unseren Fotoalben zum Jubiläumsjahr.

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