Familienduell ums Kastellbrot

Bei der Auktion zum Altriper Backhausfest zeigen die Bieter unkonventionelle Methoden

Frisch aus dem Ofen und schon unterm Hammer. So ist es den 30 Broten ergangen, die beim siebten Backhausfest des Altriper Heimat- und Geschichtsvereins zur Versteigerung kamen. Ein alljährlicher Höhepunkt, der diesmal sogar noch spannender war.

Sie waren rund oder oval und auch mal eckig. Heller oder dunkler, leichter oder schwerer. Es geht um die unterschiedlichsten Brotlaibe, die am Morgen des Samstags vor Erntedank im Backhaus des Altriper Heimat- und Geschichtsvereins ihre duftende Kruste erhielten. Schon um halb neun hatte das Team um Hobbybäckermeister Rolf Mansky den Holzbackofen bis auf 360 Grad Celsius angefeuert, um schließlich nach zwei Backgängen bei um die 270 Grad eine beachtliche Brotauswahl zu präsentieren, die zur Versteigerung kamen. Dabei waren Klassiker aus Weizen, Roggen oder Dinkel, Varianten mit Kartoffeln oder Maronen, aber auch mit exotischen Zutaten, etwa Trester oder äthiopischer Purpurweizen.

Zwei Gebäckstücke dagegen waren auf ganz besondere Art aufgewertet. Sie enthielten jeweils eine eingebackene Silbermünze mit Jubiläumsprägung zur Feier von 1650 Jahren Altrip. „Es besteht eine Chance von 1:15, das gibt es in keinem Lottogeschäft“ ließ der Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins, Alois Eitl, die Bieter wissen. Und heizte damit ordentlich die Spannung an. Mindestgebot waren jeweils drei Euro, es folgen 50-Cent und später ein-Euro-Schritte.

Bürgermeister Volker Mansky (parteilos) ließ sich bei der Auktion vom Bietfieber anstecken. Mehrmals überbot er seinen Cousin und Hobbybäcker Rolf und erhielt schließlich bei 50 Euro den Zuschlag für ein Altriper Kastellbrot. Auf den vollbesetzten Plätzen im Bürgerhaus Alta Ripa galt es, jede Körperbewegung und Äußerung zu kontrollieren. Denn jede davon konnte von dem erfahrenen Auktionator Eitl als Gebot gewertet werden. Einer eindeutigen, wenn auch unkonventionellen Bietmethode bediente sich Martin Wilperath. Mehrmals hielt er seinen kleinen Sohn Robin in die Höhe, bis er mit 35 Euro schließlich Höchstbieter für ein Brot aus Champagnerweizen war.

Doris Mansky ist bei der Versteigerung dafür zuständig, dass die Brote hübsch aussehen. Und Alois Eitl kämpft als Auktionator für den besten Preis. Dabei weiß er jede Geste als Gebot zu deuten. | FOTO: LENZVon Eitl als weit und breit das beste Brot angepriesen, das man erwerben kann, kam ein HGV-Hausbrot unter den Hammer. Um die Zeit der kalten Küche und als Strohwitwer leichter zu überbrücken, ersteigerte Peer Heel dies für 21 Euro. „Ab morgen muss ich dann wieder kochen“, scherzte er mit Blick auf die anstehende Rückkehr seiner Frau. „Auch Gäste aus dem Ausland dürfen mitbieten“, zeigte sich Eitl gnädig. Er spielte auf den Besuch der beiden Duisburger Irmi und Karl Sieske bei ihrer seit 30 Jahren in Altrip lebenden Schwester und Schwägerin Brigitte Cielke an. 20 Euro war ihnen ein wunderbar aufgegangenes Schwärzwälder Bauernbrot wert.

Damit man sehen konnte, auf was man sich einließ, wurden die einzelnen Brote vor jeder Versteigerungsrunde an den Tischen von Doris Mansky vorgestellt – mit Schleifchen und genauer Bezeichnung versehen. Sie trug auch Sorge dafür, dass die Grundlage für die Hausmacher-Brote als Verpflegung gesichert war. Bereits am Vortag backte sie mit ihrem Team, bestehend aus Sohn Rolf, Ehemann Rudolf, Tobias Roth und Jupp Settele, die nötigen Laibe. So konnte jeder in den Genuss des gepriesenen Brotes kommen oder sich aber auch an einem Stück Kuchen erfreuen. Und dazu Pfälzer Volksliedern lauschen, vorgetragen von der Sänger Einheit Altrip 1874.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - Oktober 2019 | Von Eva Heyder)

  Weitere Bilder von dieser Veranstaltung finden Sie hier in unseren Fotoalben zum Jubiläumsjahr.

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