Vom unterbezahlten Lehrer

Der Altriper Wolfgang Schneider weiß Interessantes über das Schulwesen früher

Unter dem Titel „Schule früher und heute“ referierte der Ortschronist Wolfgang Schneider vergangene Woche im Bürgerhaus Alta Ripa. Es sollte ein Vortrag über den Pädagogen Theodor Maurer (1927 bis 2015) und sein literarisches Schaffen sein – war aber auch eine interessante Folge von Geschichten über das Schulwesen und die Schüler in vergangenen Zeiten.

Die Lehrer früher waren arm, erläutert der Ortschronist Wolfgang Schneider. Er referierte über den Altriper Pädagogen Theodor Maurer. | FOTO: DKRWolfgang Schneider, Hobbyhistoriker seit etwa 30 Jahren, hatte zu dem Thema viel zu erzählen. Zunächst beleuchtete er den Status eines damaligen Lehrers – und das vor einer Reihe von Schildern, die zum Festzug anlässlich der 1650-Jahr-Feier Altrips gefertigt wurden und die von Theodor Maurer erzählte Geschichte „Die Männlein von Altrip“ darstellten.

In Altrip habe es damals im 19. Jahrhundert zwei Schulen gegeben – mit zwei Lehrern. „Und das waren arme Kerle. Die wurden von der Gemeinde bezahlt, und zwar schlecht“, erzählte Schneider. Wegen der schlechten Bezahlung haben die Lehrer Deputate bekommen und sich selbst eine Nebenverdienstquelle suchen dürfen. So seien zum Beispiel die beiden Lehrer Dirigenten der Gesangvereine gewesen, was auch einen Obolus einbrachte. Bei Hochzeiten etwa seien sie mit der ganzen Klasse vom Haus der Brautleute zur Kirche gegangen. Dann seien die Lehrer zum Schmaus gegangen, bei Beerdigungen sei es genauso gewesen. „So sind sie einigermaßen über die Runden gekommen.“

1894 wurde, so Schneider, ein repräsentatives Schulgebäude gebaut: die Ludwigschule. In der unterrichtete später auch Theodor Maurer, wie überhaupt an allen vier Altriper Schulen, bevor er die Rehbachschule in Neuhofen als Rektor leitete. „In den hohen Räumen der Ludwigschule gab’s an der Wand eine Tafel, in einer Ecke stand der berühmte Rohrstock und in der anderen ein Spucknapf. Weil früher ein Großteil der Kinder TB hatte, konnten die dann da reinspucken!“ Es habe keine Tische und Stühle gegeben, sondern nur Bänke, und ein großer Lulatsch sei ständig mit dem Oberschenkel an die Bankunterseite gestoßen. Und es wurden immer mehrere Klassen in einem Raum unterrichtet. Da hatten die Jüngsten ganz vorne gesessen und die Ältesten ganz hinten. Zu Beginn eines neuen Schuljahres wurde dann alles weiter nach hinten versetzt. Daher, so der Referent, kommt auch der Begriff „versetzt werden“. Hatte einer den Anforderungen und Leistungen an seine Klasse nicht genügt, musste er eben „sitzen bleiben“, was auch diesen Begriff erklärt.

Neben weiteren Erklärungen zum Thema „Schule früher und heute“, wie das Lehrerinnenzölibat, das Züchtigungsrecht oder die Rechtschreibreformen, erzählte Schneider viel über den früheren Altriper Pädagogen Maurer. Jeder Gast bekam eine 70-seitige, von Schneider zusammengestellte Mappe mit Gedichten, Geschichten und sonstigen literarischen Werken des Pädagogen. Die Besucher waren beeindruckt von dem überaus interessanten Vortrag. | dkr

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Marktplatz regional Rhein-Pfalz-Kreis - 24. Oktober 2019)

 Weitere Bilder von dieser Veranstaltung finden Sie hierin unseren Fotoalben zum Jubiläumsjahr.


 

KLARGESTELLT

Wolfgang Schneider ist nicht erst seit 30 Jahren Hobbyhistoriker, sondern nach eigenen Angaben schon seit nahezu 60 Jahren. Das wurde in dem Bericht „Vom unterbezahlten Lehrer“, erschienen am 24. Oktober, falsch wiedergegeben. Zudem gab es in Altrip im 19. Jahrhundert nicht zwei Schulhäuser, sondern nur eines, und das wurde 1884 und nicht, wie berichtet, 1894 erbaut. Wir bitten, die Fehler zu entschuldigen. | rhp

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Marktplatz regional Rhein-Pfalz-Kreis - 31. Oktober 2019)
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