Von der Burg in den Rhein zum Heimatverein

1.650 Jahre römischer Burgus: Reliefsteine feierlich enthüllt

Neckarau im Jahre 369 n. Chr.: Der römische Kaiser Valentinian I. wollte die Rheingrenze befestigen und damit die römischen Besitzungen auf der linksrheinischen Seite schützen. Unter seiner Leitung wurden drei Kastelle gebaut, eines auf der Gemarkung des heutigen Altrip, eines auf einer Insel inmitten des Rheins und das dritte auf rechtsrheinischer Seite auf später Neckarauer Gemarkung im noch heute so genannten Casterfeld.

„Neckarau ist der Teil Mannheims mit den bedeutendsten römischen Funden“, erläutert Hansjörg Probst im ersten Band von „Neckarau. Von den Anfängen bis ins 18. Jahrhundert“. Bereits vor rund 30 Jahren hat der Verein Geschichte Alt-Neckarau dieses zweibändige Werk über die Geschichte Neckaraus veröffentlicht, in dem weiter steht: „Neckarau bildete zusammen mit Altrip ein spätantikes Festungssystem von besonderer Wichtigkeit, das wie kaum ein anderer Punkt rechts des Rheins – auch nicht Ladenburg – in zwei zentralen antiken Quellen ausführlich erwähnt wird. Neckarau hat also eine, und zwar die älteste seiner drei Wurzeln in der Antike; es hätte also 1969 mit gutem Recht ebenso ein 1600-jähriges Jubiläum feiern können wie Altrip.“

Feierlich wurden die Bildstelen enthüllt und sind künftig von der Straßenseite aus kostenlos zu bewundern. | Foto: KranczochAktuell: Zum 1650-jährigen Jubiläum präsentiert das Heimatmuseum im Hof des Rathausensembles in der Rathausstraße fünf römische Bildtafeln, die auf Neckarauer Gemarkung gefunden wurden (die Originale befinden sich in den Reiss-Engelhorn-Museen). Die festliche Übergabe fand am Samstag, 5. Oktober, in Anwesenheit des Oberbürgermeisters der Stadt Mannheim Dr. Peter Kurz statt. „Durch die Arbeit des Vereins Geschichte Alt-Neckarau wird Neckarau immer älter“, scherzte dieser. „Und zwar zurück, indem sie immer weitere Entdeckungen machen“, so das Stadtoberhaupt. „Lob und Dankeschön“ überbrachte Kurz „für diese verdienstvolle Arbeit“. Die aktuelle sei „kein kleines Werk, sondern eines von Bedeutung“, und dass der Kaiser Valentinian selbst mitgeholfen habe, „würde man heute Motivation nennen“, meinte Kurz weiter.

Dr. Klaus Wirth, Leiter der Abteilung Archäologische Denkmalpflege und Sammlungen der Reiss-EngelhornMuseen Mannheim, gab einen Einblick in das Geschehen vor 1.650 Jahren. 21 mal 17 Meter mit drei Meter dicken Mauern, zeichnete dieser das Bild des sogenannten Lende-Burgus in Neckarau. „Das war schon ein richtiger Klotz.“ Anzusiedeln übrigens an der Rhenaniastraße, ungefähr da, wo heute die Fähre nach Altrip (wo es wohl ebenfalls eine römische Befestigung gegeben hat) den Fluss quert.

Der Grabstein der Afrania Afra wurde im Rhein gefunden und war wohl Teil dieses mächtigen Mauerwerks. Ein weiterer Reliefstein zeigt auf beiden Seiten eine breitbauchige Vase mit Doppelhenkel, schmalem Fuß und senkrechten Riefen an Hals und Bauch; im Gewann „Hermsheimer Kirche“ (heute Maimarkt-Gelände) wurden zudem zwei Tafeln aus grauem Sandstein gefunden. Zahlreiche Gäste ließen sich den feierlichen Festakt nicht entgehen. | Foto: KranczochSie gehörten zu einem Viergötterstein und waren, bevor sie ins Reiss-Museum kamen, in der Toreinfahrt eines Neckarauer Anwesens eingemauert (Bauer Gund). Dargestellt ist der Gott Vulkan im Arbeitskittel und mit Schmiedezange. Ein weiterer Stein zeigt die Göttin Fortuna mit einem Füllhorn. „Der Burgus existierte bis 407, dann wurde er aufgelassen und diente in der Folgezeit als Steinbruch“, erklärte Wirth die Herkunft der Steine. „Für diese Exponate hat Neckarau ein Alleinstellungsmerkmal“, so Wirth weiter mit Blick auf ein Schwert und einen Bronzekessel, die im Stollenwörthweiher und in der Friedrichstraße gefunden wurden. Die Fachwelt schaue auch immer auf Mannheim und damit auch auf Neckarau.

Musikalisch umrahmte die Veranstaltung die Sängerhalle Germania. Zusätzlich wurde die neu konzipierte Dauerausstellung im Badehaus eröffnet. Die Aufstellung der Bildtafeln wurde auch durch Lore Herbert, Andreas Burger und die Firma Hima in Neckarau ermöglicht. VGAN-Ehrenvorsitzender Helmut Wetzel sorgte – als römischer Soldat gewandet – für den authentisch-römischen Rahmen. | red/nco

(Quelle: Neckarau-Almenhof-Nachrichten vom 31. Oktober 2019)
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