Für die Kirchturmuhr war die Zeit abgelaufen

Bei der Renovierung 1987 ist das gute Stück verschollen - Spurensuche bisher vergeblich - Hoffnung auf Tipps

Nahezu 150 Jahre hat die Gemeinde Altrip ihren Bewohnern die Zeit über eine Kirchturmuhr angezeigt. Die Gemeinde hat die Uhr im alten romanischen Kirchtum aus dem 13. Jahrhundert immer wieder gewartet, geölt, gerichtet und wiederholt auch reparieren lassen. Irgendwann während der vergangenen 20 Jahre aber ist das Uhrwerk aus dem Jahr 1782 samt Ziffernblatt verschwunden. Recherchen bei über 20 Personen, so bei Presbytern, älteren Einwohner, der Kirchendienerin und dem Hausmeister brachten keinerlei Erkenntnisse über den Verbleib.

Früher hatte der Turm der evangelischen Kirche eine Uhr. (Quelle: DIE RHEINPFALZ - 06.07.2005 | Text: Wolfgang Schneider | Foto: privat)Schon Pfarrer Karl Kettering, der von 1954 bis 1972 in Altrip wirkte, schrieb in einem Beitrag für das Buch „Altrip, Porträt eines Dorfes” im Jahr 1969: „Die alte Turmuhr ist unbrauchbar geworden, ihre Zeit ist abgelaufen”. Und sein Nachfolger Siegfried Schappert (1972 bis 1979) teilte auf Anfrage mit: „Was den Verbleib der Turmuhr am Kirchturm betrifft, habe ich keine Ahnung. Da ja am Wasserturm eine öffentliche Uhr angebracht war und zudem fast jeder mit einer Armbanduhr ausgerüstet ist, entfiel jede Notwendigkeit, dort Geld zu investieren.” Er konnte sich auch nicht erinnern, dass darüber im Presbyterium gesprochen wurde. „Da brannte uns anderes auf den Nägeln”, meinte Pfarrer Schappert, denn er plagte sich mit Baumaßnahmen und der Finanzierung der Gemeindekrankenschwester herum.

Pfarrer Bernhard Pfeifer, der seit 1997 protestantischer Pfarrer in der Rheingemeinde ist, fand in alten Rechnungen aus dem Jahr 1964 einen Ausgabebeleg für die Uhr. „Also muss die Uhr wohl auch der protestantischen Kirchengemeinde gehört haben, denn sonst hätte man ja keine Kosten dafür übernommen”, mutmaßt der Pfarrer. Mag sein, dass die der politischen Gemeinde Altrip gehörende Turmuhr, nachdem sie nicht mehr funktionierte, der Kirche „vermacht” worden ist. Ein Beleg hierfür ließ sich aber bisher nicht finden.

Bei der weitern Spurensuche konnte in etwa die Zeit des Verschwindens der Uhr eingegrenzt werden, denn der Vorgänger des jetzigen Pfarrers, Joachim Mazomeit (1985 bis 1997), vermutet, dass das Ziffernblatt wohl 1987 bei der Turmuhrrenovierung, als der „Helm” einen neuen Schutzanstrich bekam, irgendwie entsorgt wurde. Ob damals überhaupt noch ein Uhrwerk vorhanden war und, wenn ja, wohin es verbracht wurde, ist ihm allerdings nicht geläufig. „Wir hatten 1987 zudem andere Sorgen, als für eine alte Uhr Geld auszugeben”, gesteht Pfarrer Mazomeit freimütig.

Seit einem halben Jahrhundert gingen mehrere Pfarrer davon aus, dass die Uhr im Kirchturm auch der Kirche gehöre. Und auch der Hausmeister, der alle Winkel der Kirchenbauten bestens kennt, schließt definitiv aus, dass noch irgendwelche „Brocken” in einer Ecke liegen. Altrip, das nicht gerade reich ist an Überbleibseln der Vergangenheit, wäre natürlich froh, wenn es „seine” Uhr noch hätte und für die Nachwelt erhalten könnte. Vielleicht findet sich das Werk eines Tages noch in einem alten Uhrenmuseum, taucht bei einem Sammler auf oder die Marktplatz regional-Leser führen auf ihre Spur. 

Kontakt
Hinweise, die zur verschollenen Uhr führen können, nimmt Hobbyhistoriker Wolfgang Schneider unter Telefonnummer 06236/425377 entgegen.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 6. Juli 2005 | Text: Wolfgang Schneider | Foto: privat)

Die Spur führt zum Spritzenhaus

Leser meldeten sich auf Bericht über verschwundene Kirchturmuhr

Neue Erkenntnisse in Sachen verschwundene Kirchturmuhr in Altrip brachte unsere Veröffentlichung am 6. Juli 2005 („Für die Kirchturmuhr war die Zeit abgelaufen”). Während der vergangenen 20 Jahre war das Ziffernblatt samt Uhrwerk aus dem Jahr 1782 verschwunden. Keiner konnte bis dahin etwas über ihren Vebleib sagen.

Der Rentner Ernst Warnecker wusste nach Erscheinen des Artikels zu berichten, dass der frühere und mittlerweile schon verstorbene Hausmeister der protestantischen Kirchengemeinde um das Jahr 1990 das Ziffernblatt der Kirchenuhr im alten Spritzenhaus gelagert habe, um es alsbald zu „entsorgen”, wie ihm aufgetragen wurde.

Architekt Otto Klein (71) aus Mutterstadt teilte mit, dass damals nur außen an dem alten Kirchturm aus dem 13. Jahrhundert gearbeitet wurde. Der so genannte „Wormser Hut”, der steinerne Kirchturmhelm, wurde von renommierten Restauratoren vor weiteren Rissschäden bewahrt und „zukunftsfähig” bearbeitet. „Ob seinerzeit noch ein Uhrwerk vorhanden war, entzieht sich meiner Kenntnis”, bedauert Klein, keiner weiteren Tipps geben zu können.

Gemeinde zahlte für Uhr

Der frühere geschäftsführende Beamte von Altrip, Horst Hook, fand mittlerweile heraus, dass die Gemeinde noch bis Herbst 1946 gar eine laufende Vergütung für das Aufziehen der Uhr und das so genannte Polizeiläuten (Alarm) zahlte. Diese Pauschalvergütung strich die Gemeinde mit Hinweis auf die Wasserturmuhr, von der aus den Altripern die Zeit in allen Himmelsrichtungen „angeboten” wurde.

Die Kirchturmuhr von 1782 gehörte jedenfalls der politischen Gemeinde und nicht der Kirche. Offensichtlich wurden die früher einmal üblichen Inventarverzeichnisse nicht besonders genau geführt. Anhand dieser Verzeichnisse konnte stets nachgeprüft werden, ob der Bestand noch vollständig war.

Auch der letzte Einnehmer der Gemeinde, Emil Bähr, kann sich noch erinnern, dass immer mal wieder Kosten für die Kirchturmuhr von der Gemeindekasse bezahlt wurden. Reinhold Schneider (77) aus Mußbach, ein „alter Altriper”, der bei der Gemeindeverwaltung der Rheingemeinde gelernt hat, bestätigt ebenfalls, dass sich die Uhr in Gemeindebesitz befand.

Er weiß auch zu berichten, dass bereits 1764 in der Gemeinderechnung Ölkosten für die Gemeindeuhr anfielen. 1778 wurde diese Uhr von Uhrmacher Johann Caspar Deutmann in Schwetzingen repariert. Doch diese Uhr musste schon recht alt gewesen sein, denn bereits vier Jahre später wurde sie durch die verschwundene Uhr ersetzt.

Der Zeitchronist kann auch nach dieser Reihe von Informationen nun nur noch konstatieren: Die Kirchturmuhr, die keine Kirchen-, sondern eine Gemeindeuhr war, ist wohl für alle Zeiten als verloren anzusehen.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 20. Juli 2005 | Text: Wolfgang Schneider)
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