Unheimlicher Wicht lauert Wanderern auf

Sage berichtet vom geheimnisvollen „Schlapphut” in der Nähe des heutigen Silbersees

Gibt es eine verwegenere Kopfbedeckung als den Schlapphut, der möglicherweise schwarz ist und dessen breite Krempe geheimnisumwittert das Gesicht verdeckt? Vom Träger eines solchen „Hutmonsters” ist in einer Sage aus Altrip die Rede. Diese beruht auf Begebenheiten, die sich vor etwa 100 Jahren - es können auch 120 gewesen sein - zugetragen haben sollen.

„Schlapphut” nannte man den Bösewicht, der sich stets in der Nähe des „Hochziglochs” oder in der Binslach versteckte. Wer sich des Nachts dort hin wagte, dem sprang der Bösewicht auf den Buckel, erzählt die Sage.

Harmlosen Spaziergänger lauert der „Schlapphut“ in Altrip auf – so erzählt es die Sage. (Quelle: DIE RHEINPFALZ - 20.07.2005 | Text: mmö, osl, wlf | Foto: Lenz)

Das „Hochzigloch” ist ungefähr dort anzusiedeln, wo der Weg zum Gasthaus „Weißes Häusl” von der Kreisstraße Richtung Rheingönheim abzweigt. Nicht weit entfernt von dort liegt der heutige Silbersee - der früher den Gemarkungsnamen Binslach trug. Wer heute in mondhellen Nächten auf dem Fahrradweg dort entlang fährt - wenn er nicht gerade von den Scheinwerfern der entgegenkommenden Autos geblendet wird - kann das Rauschen der Pappeln und das Rascheln des trockenen Laubs hören - oder flüstert da etwa der Schlapphut?

Rudolf Wihr beschrieb die düstere Szenerie in den im Jahr 1931 erschienenen Heimatblättern. Einmal hatte sich ein Waldarbeiter verspätet und musste nun bei hellem Mondschein auf dem Damm heim. Als er so auf der Dammkrone hinschritt, huschte drunten eine schwarze Gestalt von Busch zu Busch.

Der Arbeiter machte längere Schritte, da beeilte sich auch drunten der Schwarze. Holte er eben nicht mit einem Prügel zum Schlag aus? Der Arbeiter rannte und rannte, aber der andere wich ihm nicht von der Seite und nahm bei jedem Busch einen Anlauf zum Sprung in dessen Nacken. In Schweiß gebadet erreichte der Verfolgte das freie Feld und atmete auf, weil er unbehelligt aus dem Machtbereich des Schlapphutes gekommen war.

Viele Jahre später, als die Leute nur noch darüber zu erzählen wussten, wiederholte sich Gleiches. Aber das war sicher ein Gauner oder Spaßmacher, der den „Schlapphut” nachahmen wollte. Da beschlossen beherzte Männer, sich diesen Gesellen einmal näher zu betrachten. So begaben sie sich nachts, jeder mit einem Prügel versehen, auf den unheimlichen Weg. Gerade als sie an der Binslach vorbei wollten, versuchte der Schlapphut dem ersten auf den Buckel zu springen, um sich bis ans „Hochzigloch” „hotzeln” (tragen) zu lassen.

Die beiden waren jedoch darauf gefasst und prügelten nun den faulen Gesellen windelweich, bis er ihnen schließlich entfloh. Seitdem hat man nichts mehr von ihm gehört. Ob ihn der Lärm der Arbeiter in den Lehmgruben und die geräuschvollen Bahnen der Ziegeleien vertrieben hat oder ob er sich vor einer weiteren Tracht Prügel fürchtete, weiß man nicht.

Die Figur des Schlapphuts ist ein beliebtes pfälzisches Sagenmotiv. In Neuhofen heißt der Quälgeist Kitschhut, wie Rudolf Wihr schreibt. Die Figur begegnet uns als drückendes Gespenst, ein Männchen oder eine Hexe, die sich dem Schlafenden oder dem nächtlichen Wanderer auf die Brust setzt und ihm die Luft wegnimmt. Auf den Rücken springt der Aufhocker, die zweite Variante dieser Sagenfigur. Er quält die Menschen, indem er sich von ihnen tragen lässt. Er liebt markante Stellen in der Landschaft - besonders gern lauert er Spaziergängern an bergauf führenden Wegen auf und springt ihnen dort auf den Rücken. Die Armen keuchen und plagen sich mit dem zusätzlichen Gewicht. Der Quälgeist soll sogar die besondere Gabe besitzen, dass er immer schwerer wird. Der arme Wicht, der unter dem Aufhocker leidet, schwitzt, bis er fast unter der Last zusmmenbricht.

Der Volkskundler und Buchautor Helmut Seebach hat in seinem Buch „Pfälzisches Sagenlesebuch” die Identität der lästigen Begleiter gelüftet: Totengeister und arme, unerlöste Seelen treiben auf diese Weise ihr Unwesen. (mmö/osl(wlf)

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 20. Juli 2005 | Text: mmö, osl, wlf | Foto: Lenz)
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