Wer hat historische Fotos?

Vom Alten Rathaus der Rheingemeinde

Bürgermeister Jürgen Jacob ist auf Spurensuche: Er sucht Fotos vom alten Rathaus, in dem einst seine Vorgänger von 1860 bis 1951 ihr Amt ausübten. Teilansichten gibt es, jedoch keine Aufnahme, in der das Gebäude an der Ecke der Ludwigstraße zur Römerstraße in seiner ganzen Pracht zu sehen ist.

Viele ältere Altriper erinnern sich sicher noch an die imposante Fassade, die sie vor Augen hatten, wenn sie von der Fähre kommend in rasanter Fahrt die Rheinstraße hinunterfuhren und dabei praktisch bis zum Rathaus nicht mehr in die Pedale treten mussten. Es wurde zunächst als Schul- und Gemeindehaus errichtet, doch ab 1885 befand sich nach einem Teilabriss und dem Bau der benachbarten Ludwigschule die Gemeindeverwaltung erstmals in einem eigenen Gebäude.

Von besonderem Interesse für die jüngere Ortsgeschichte sind Ansichten vom so genannten „Bürgermeisterlocal”, das sich über dem Hofeingang zur Schule befand und auch an das älteste Fachwerkhaus im Ort angrenzte. Dieser Amtsraum war nur über eine frei tragende Treppe zu erreichen. Später befand sich hier nach dem Ersten Weltkrieg die französische Ortskammandantur, das Wachlokal des Ortsgendarmen, eine „Stempelbude” des Arbeitsamts, das Büro der „Arbeitsfront”, die „Strompolizei Altrip” und schließlich der Unterrichtsraum für den Religionsunterricht in der katholischen Diaspora. Ansichten vom Rathauseingang mit den Schildern der im Dritten Reich hier untergebrachten Organisationen, wie die NSDAP-Ortsgruppe, die Hilfsstelle „Mutter und Kind”, der „NS-Volkswohlfahrt”, die zeitweise 700 „Volksgenossen” zu betreuen hatte und dem „Kriegslager Altrip” sind dabei von besonderem Interesse.

Es ist kaum nachvollziehbar, dass es keine entsprechenden Fotos geben soll, zumal sich viele Brautpaare beim Verlassen des Standesamts fotografieren ließen. Die ganze Hoffnung vom Bürgermeister ruht nun auf Amateurfotografen, die sich seinerzeit vielleicht die Chance einer letzten Aufnahme vor dem Abriss nicht entgehen lassen wollten. 

Info
Wer Fotos hat, kann sich im Rathaus, Telefon 3999-21, Zimmer 203, melden. Die Fotos werden umgehend zurückgereicht.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 10. August 2005 | Text: Wolfgang Schneider)
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