Geschichte aus Mosaiksteinchen rekonstruieren

Marco Schneider gibt im Eigenverlag Bildband über alte Ziegeleien des Ortes heraus

Ohne viel Aufhebens und fast beiläufig überreichte Marco Schneider bei einer Besprechung im Rathaus Altrips Bürgermeister Jürgen Jacob seinen neuen Bildband über die vier früheren örtlichen Ziegeleien. Rund 90 Fotos und Zeichnungen dokumentieren darin die Ziegeleigeschichte. Neben einer ausführlichen Bildbeschreibung ergänzen Angaben über die zeitgleichen Ereignisse in Deutschland und der Gemeinde Altrip das jeweilige Jahr.

Interessiert sich seit seiner Jugend für die Geschichte der Gemeinde Altrip: Marco Schneider. (Quelle: DIE RHEINPFALZ - 06.08.2005 | Text: Wolfgang Schneider | Foto: Lenz)Der 26-jährige Altriper Autor machte zu Beginn des vergangenen Jahres bereits Furore mit selbst gefertigten Modellen der Altriper Ziegeleien, von denen er das über den größten Betrieb, der Gemeinde Altrip als Dauerleihgabe zur Verfügung stellte. Eigens für dieses Modell ließ Bürgermeister Jacob im Bürgerhaus „alta ripa” ein spezielles „Ziegeleizimmer” reservieren. Im Selbstverlag brachte Schneider dazu eine Broschüre über „Das Altriper Ziegeleizeitalter” heraus, die mittlerweile restlos vergriffen ist. Zusammen mit dem Vorsitzenden der Altriper Hobbykünstler, Ernst Schneider, bringt er zudem nach und nach rund 30 Tafeln an Gebäuden an, um an historische oder besondere Ereignisse zu erinnern. Hier investieren die beiden „Schneiders” viel Zeit und Geld. Die Gemeinde wird sich aber mit einem symbolischen Beitrag beteiligen, sagt Bürgermeister Jacob: „Ich stehe voll hinter dem Engagement und freue mich über solche Initiativen für unsere Gemeinde!”

Marco Schneider, der früh seinen Vater verlor, interessierte sich bereits als Jugendlicher für die Ortsgeschichte und bedauert lebhaft, dass von der reichen Altriper Vergangenheit so wenig zu sehen und zu lesen ist. Steinerne Zeitzeugen aus längst vergangenen Tagen sind in Altrip rar; auch weil der Rhein als „wilder Geselle” über viele Jahrhunderte hinweg den Ort immer wieder völlig überflutete und dabei die Behausungen der Bewohner einriss und wegspülte. Schneider versucht nun wenigstens die jüngere Geschichte wie Mosaiksteine für die Nachwelt zusammenzutragen. Einiges ist ihm dabei schon gelungen.

Schichtarbeiter mit drei Berufen

Und dass, obwohl Schneider, von Beruf Chemikant bei der BASF, nicht allzu viel Freizeit hat. Seine Verlobte Susanne Motaln unterstützt ihn aber, besonders bei den Bastelarbeiten. Und so wendig wie im Arbeitsleben - immerhin hat er bei seinem Arbeitgeber auch noch Ausbildungsgänge zum Elektroanlagenelektriker und zum Rettungssanitäter durchlaufen - sorgt Schneider mit einem schon an Besessenheit grenzendem Elan immer wieder für Überraschungen.

So etwa hat er dem Altriper Ortschef Ideen zur Schaffung eines Ziegelei-Denkmals auf der Grünanlage an der Rheingönheimer Straße vorgetragen, wovon Jacob auch angetan ist und ihm bei der Mithilfe der Verwirklichung stückweise „freie Hand” einräumt.
Im Modell will der Altriper zudem den „Südlichen Riedhof” für die Nachwelt nachbauen. Der gehörte einst dem Grafen Waldner von Freundstein, der einem uralten elsässischen Grafengeschlecht entstammte. Besagter Hof, auf dem bis zu 48 Personen lebten, wurde bereits vor rund 120 Jahren zur Wüstung. Heute erinnert in Altrip nichts mehr an die „alte Fürstenherrlichkeit”.

Schneider hat noch weitere Pläne, ein Modell des alten Ortskerns schwebt ihm vor. Doch zunächst muss er den Verkauf des Bildbands schultern, den er im Selbstverlag mit einer Auflage von 400 Exemplaren herausbrachte. Bürgermeister Jacob jedenfalls ist von dem Band so angetan, dass er den Vertrieb über die Gemeinde anbot.

Info
Bildband „Erinnerungen an die Altriper Ziegeleien” zu acht Euro bei der Gemeindeverwaltung Altrip, Zimmer 104, erhältlich.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 6. August 2005 | Text: Wolfgang Schneider | Foto: Lenz)
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