Als die Menschen den Rhein ins Bett legten

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - Die Seite mit dem Biber - 2. September 2000 | Text: Tatjana Stegmann | Foto: Lenz)Habt ihr auch schon einmal am Rheinufer gestanden – vielleicht bei Speyer oder bei Wörth – und habt zugeschaut, wie die Schiffe den Fluss hinauf oder hinab gefahren sind? Seid ihr dann auch schon einmal in Gedanken auf die Reise gegangen und habt euch gewünscht, als Kapitän die Länder der Welt zu bereisen? Wusstet ihr eigentlich, dass man den Rhein noch gar nicht so lange mühelos auf der Strecke von Basel in der Schweiz bis hin zu seiner Nordsee-Mündung in den Niederlanden mit dem Schiff befahren kann?

Baseler Hafen erst seit 1936

Während die Menschen schon seit Ewigkeiten hinaus auf die Meere fuhren, blieben die Flüsse und Ströme lange Zeit in für die Schifffahrt nur zum Teil nutzbar. Der Rhein zum Beispiel ist noch nicht einmal seit hundert Jahren komplett mit großen Frachtschiffen befahrbar. Fragt mal eure Großeltern oder Urgroßeltern, ob sie sich noch daran erinnern, dass 1936 der Baseler Hafen eingeweiht wurde, oder wie das in den 60er Jahren war, als immer neue Staustufen und Dämme gebaut wurden.

Der Rhein hatte früher ein ganz anderes Gesicht als heute. Bis ins 19. Jahrhundert bestimmte er praktisch selbst, wo er lang fließen wollte. Und die Menschen mussten mit seinen Launen leben. Immer wieder versanken bei Hochwasser Äcker und Ortschaften in den Fluten des Stromes, der sich auf teilweise bis zu vier Kilometer Breite ausdehnte. Der Rhein wand sich langsam und gemächlich in großen Schlingen und Schleifen durch die Täler. Stechmücken, die brackiges Wasser lieben und von denen es deshalb in den Rheinauen unendlich viele gab, übertrugen zudem gefährliche Krankheiten.

Manchmal erhebt sich der Rhein aus seinem künstlichen Bett und erinnert die Menschen an seine Urgewalt. Unser Bild zeigt das Rheinhochwasser bei Altrip, das im Februar 1999 die Rheinauen überflutete. (Quelle: DIE RHEINPFALZ - 02.09.2000 | Text: Tatjana Stegmann | Foto: Lenz)

Gefürchtete Fluten

So waren viele Menschen von den Plänen des badischen Ingenieurs Johann Gottfried Tulla begeistert, den Fluss in seinem Oberlauf in ein festes Bett zu zwängen. 1818 stimmten die Franzosen Tullas Plänen zu, die Rheinbegradigung begann. Doch schon damals gab es warnenden Stimmen, die auch Nachteile in diesem Eingriff in die Natur sahen: In einigen Dörfern, in denen die Menschen vom Fischfang lebten, gab es Widerstand. Auch mahnten manche die Gefahr an, die Ufer könnten verdorren oder abbrechen. Aber ohne Erfolg. 1879 wird die Korrektur des Oberrheines zwar beendet, doch bis heute gibt es immer wieder Eingriffe – aus Angst vor dem Hochwasser.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - Die Seite mit dem Biber - 2. September 2000 | Text: Tatjana Stegmann | Foto: Lenz)
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