Der Weg durch die Geschichte

Im Jahr nach dem großen Altriper Jubiläum zum 1650. Geburtstag erscheint eine 348 Seiten starke Ortschronik

Die östlichste rheinland-pfälzische Gemeinde hat durch 1650 Jahre eine bewegte Geschichte hinter sich. Und ein ganzes Festjahr, das diesem Jubiläum gerecht wurde. Altrips früheste und jüngste Vergangenheit gibt es jetzt frisch aufbereitet – in neuem Format.

Blick ins Buch – Blick in die Geschichte. (Quelle: DIE RHEINPFALZ - 20.03.2020 | Text & Fotos: Eva Heyder)Ein Riesentrumm. So bezeichnet Alois Eitl, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins Altrip (HGV), in einem Wort das, was den Ort die vergangenen 1650 Jahre geprägt und ausgemacht hat. „Und das kann man ja nicht alles in ein Buch fassen“, sagt er fast ein wenig entschuldigend. Dennoch haben sich er und sein Team der Herausforderung gestellt, eine Brücke zu schlagen zwischen den römischen Anfängen um das Jahr 369 nach Christus über das Mittelalter und die bayerische Zeit bis hinein in heutige Tage. Wichtig war den Herausgebern des neuen Buchs, dass das durch die Ortsgemeinde beauftragte Werk nicht nur eine Fortschreibung der letzten Chroniken um 25 Jahre sein sollte. Es soll den Ort am hohen Ufer (übersetzt aus dem lateinischen „alta ripa“) aus einem anderen Blickwinkel heraus beleuchten. 

In den Beiträgen von 13 Autoren werden Aspekte aus unterschiedlichsten Epochen und Lebensbereichen nachgezeichnet, verknüpft durch den roten Faden einer gemeinsamen Verbundenheit mit der Heimat am Rhein. „Große und kleine Steine säumen den Weg der Geschichte“, das steht für Eitl fest. Daher finden nicht nur die großen und bedeutsamen Themen wie die Römerzeit oder der Rheinverlauf und die Frage, wie maßgeblich dieser Fluss das Leben der Menschen bestimmt hat, ihren Platz. Ebenso vermeintlich Kleinem wie der Lebensmittelversorgung der Nachkriegsjahre ist ein Kapitel eingeräumt.

Altrips Ortsbürgermeister und das „Zugpferd“: Volker Mansky und Alois Eitl. Bei ihm liefen die Fäden für die neue Chronik zusammen. (Quelle: DIE RHEINPFALZ - 20.03.2020 | Text & Fotos: Eva Heyder)Lässt sich das Ende des namensgebenden Kastells Alta ripa tatsächlich, wie bislang angenommen, auf die Jahreswende 406/407 datieren oder schreiben neuere Erkenntnisse die Geschichte um? Wann ging die erste Fähre, „Var“ genannt, über den Rhein? Wer war der erste Automobilist in Altrip und was war sein Fahrzeug? Es wird aufgeklärt, erörtert, unterhalten, wozu auch eingestreute Anekdoten beitragen. Da gab es doch im Jahre 1938 einen Altriper, der es gewagt hat, bei der Volksabstimmung über den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich mit Nein zu stimmen, aber dennoch trickreich einer Bestrafung entging.

Wehrhaft sind sie wohl stets gewesen, die Altriper, freiheitsliebend und stolz. Dazu finden sich viele Beweise auf den 348 auf Volumenpapier gedruckten Seiten. Eine Beschreibung der einstigen Altriper Tracht und der Besonderheiten eines eigenen Dialektes dürfen dabei nicht fehlen. Und die zirka 8000 Einwohner zählende Gemeinde kann feiern. Das zeigt der zweite Teil der Chronik, der durch eine bebilderte Dokumentation die 70 Veranstaltungen des Jubiläumsjahres 2019 unvergessen macht. „Die Leute sollen sich wiederfinden können“, sagt Altrips Ortsbürgermeister Volker Mansky (parteilos). Vorbereitungen, die bereits 2016 begonnen haben, die entsprechende Werbung mit Flyern, Schildern am Ortseingang, Logowettbewerb und diversen Andenken hätten schon im Vorfeld für das passende Gefühl gesorgt, blickt er zurück. „Die Grundstimmung haben wir gut hinbekommen, viele sind mitgegangen“, sagt Mansky. „Mit dem richtigen Zugpferd vor dem Karren“, ergänzt er noch zwinkernd, mit Seitenblick auf Alois Eitl.

Dieser, hauptverantwortlich für die Organisation des Festprogramms und selbst aus München stammend, hat es sich nicht nehmen lassen, die Altriper Zeit im Königlichen Bayern für die Chronik aufzuzeichnen. Zudem liefen bei ihm die Fäden für die redaktionelle Arbeit und das Layout zusammen. Zwei Einmerkbänder in den Altriper Farben gelb und blau runden die äußere Gestaltung ab. Damit aber das Gesamtwerk gelingen konnte, mussten viele Menschen viel Zeit investieren – egal ob Autoren, Lektoren oder Fotografen. Das ist Eitl wichtig zu betonen. So etwas sei eben nur im Team möglich. Dieses hofft nun, ein Zeitdokument geschaffen zu haben, das Lebensfreude und Empathie zu Altrip zum Ausdruck bringt und innerhalb wie außerhalb des Orts für mindestens die nächsten 25 Jahre Zeichen setzt. Und die Geschichte Altrips somit lebendig hält.

NOCH FRAGEN?
„Altrip und sein Weg durch die Geschichte“, erhältlich ab Montag, 23. März, in allen einschlägigen Geschäften Altrips, sowie bei der Ortsgemeinde und dem Heimat- und Geschichtsverein, 15 Euro, ISBN-Nummer: 978-3-96049-032-6

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 20. März 2020 | Text & Fotos: Eva Heyder)
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