Fund in Osnabrück bringt Irrtum ans Tageslicht

Französischer Kupferstich wohl nicht mit in Kriegswirren verschwundenem „Regino-Bild” identisch

Die Suche nach dem „Regino-Bild” geht weiter. Dieser Tage hat ein Altriper einen über 300 Jahre alten Kupferstich erworben, der in einem Antiquariat in Osnabrück aufgetaucht ist. Es ist zweifelhaft, ob es sich hierbei um das verschwundene Original handelt.

1938 gedachte Altrip des 1100. Geburtstages seines großen Sohnes, des späteren Abts und Geschichtsschreibers „Regino von Prüm”. Dabei steht das Geburtsjahr keineswegs fest. Wie auch immer: Das Rheingönheimer Tageblatt gedachte mit einem geschichtlichen Beitrag dieses vermeintlichen Ereignisses. Im Amtszimmer des Altriper Bürgermeisters Carl Baumann wurde ein Bild von Regino neben Paul von Hindenburg und Adolf Hitler aufgehängt.

Woher das Regino-Bild stammte, wie alt es war und wer es schuf, ist unbekannt. Kenntnis haben wir nur von der Tatsache als solcher. In jedem Amtszimmer gab es früher ein Inventarverzeichnis, versehen mit allem Wertvollen, genauem Datum der Registrierung und das alles unter Glas und auch noch gerahmt. So wissen wir auch heute noch, dass damals auch Bilder vom Altriper Wasserwerk, von der noch nicht umgebauten Riedsiedlung und von einer alten Napoleonpappel am Altrhein das Bürgermeisterzimmer zierten.

Interessanterweise standen dem Ortschef laut Verzeichnis auch ein Gummiknüppel sowie ein Polizei-Seitengewehr nebst zwei Walzenrevolvern zur Verfügung. Dies war wohlgemerkt vor dem letzten Krieg. Bürgermeister Baumann zog ins Feld und nach Kriegsende war, wie zu erwarten, nicht nur das Hitlerbild verschwunden, sondern auch all die anderen. Es ist anzunehmen, dass sich kurz vor Kriegsende einige „Liebhaber” bedienten.

Seit einigen Tagen im Besitz eines Altripers: der über 300 Jahre alte Kupferstich von Nicolas de Larmessin. (Quelle: DIE RHEINPFALZ - 03.11.2005 | Text: Wolfgang Schneider | Foto: Lenz)In diesem Jahre wurde bereits über eine Bürgerspende die 1521 in Mainz gedruckte Regino-Chronik für die Gemeinde Altrip angekauft. Nun ist in einem Antiquariat in Osnabrück ein Konterfei aufgetaucht, das der Kupferstecher De Larmessin mit „Regino, Chronographus, Abbas Prumienses” gekennzeichnet hat. Ob der Kupferstich mit dem in den Kriegswirren verschwundenen „Regino-Bild” identisch ist, darf allerdings bezweifelt werden, denn wertvolle Originale wurden damals erfasst und - ähnlich wie das Altriper Weistum von 1660 - an einem vermeintlich sicheren Ort für die Dauer der Kriegshandlungen eingemottet.

Mit dem Auftauchen des über 300 Jahre alten Stichs konnte zugleich ein Irrtum des Pariser Kupferstechers Nicolas de Larmessin (1640 bis 1725) aufgeklärt werden. De Larmessin ging davon aus, dass das Porträt in der Regino-Chronik des Jahres 1521 auch das von Regino sei. Es zeigt jedoch das Antlitz von Sebastian von Rotenhan, der die Chronik verlegen ließ und sie Kaiser Karl V. widmete. Wie hätte es im 16. Jahrhundert noch ein so exaktes Abbild von Regino, der bereits 915 verstorben ist, geben können? Doch seit De Larmessin haben immer wieder Historiker das vermeintliche Regino-Porträt veröffentlicht.

Nun liegt der französische Kupferstich bei einem Altriper, der ihn dieser Tage erworben hat. Ende Januar 2006 wird der Heimat- und Geschichtsverein Altrip zusammen mit der Gemeinde im Rahmen einer „Ausstellung über 750 Jahre Klosterzeit in Altrip”, die über das ganze Mittelalter streut, Regino und seine Zeit sowie Sebastian von Rotenhan besonders beleuchten. Dabei wird sowohl die 1521 gedruckte Chronik als auch das Porträt seines adligen Verlegers zu sehen sein.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 3. November 2005 | Text: Wolfgang Schneider | Foto: Lenz)
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