Regen, Matsch und nasse Füße

Altrip und das Hochwasser ist immer wieder ein Thema, besonders schlimm was es vor 100 Jahren

Immer wieder haben Hochwasserwellen Altrip verwüstet. Seine Einwohner kämpften dagegen – mit Dämmen, Strauchbündeln und mit einer Wasserwehr. Sogar eine Umsiedlung des Dorfes stand schon zur Debatte. Ein besonders schlimmes Hochwasser brachten Regengüsse an Weihnachten vor 100 Jahren. Noch am 29. Dezember wurde ein Pegelstand von 8,34 Meter gemessen.

Diese Aufnahme stammt von 1910 – auch da standen die Altriper schon knöcheltief im Wasser ... (Quelle: DIE RHEINPFALZ - 28.12.2019 | Text: btw | Foto: Archiv)Für ein paar Wochen war Altrip damals beinahe komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Zumindest mit Fuhrwerken war das Dorf nicht mehr zu erreichen. „Die Chaussee nach Rheingönheim war auf 1,5 Kilometern Länge überflutet. Nur über den schmalen Grat des Rheinhauptdammes gelangten Lebensmittel, Post und Brennmaterial in den Ort“, schreibt Ortshistoriker Wolfgang Schneider auf der Seite des Altriper Heimat- und Geschichtsvereins.

Es zeigte sich damals, dass beim Anlegen der Straße, die hart am Rheinhauptdamm entlang führte, nicht an Hochwasserereignisse gedacht worden war. Die Bevölkerung forderte daher eine Hochwasserstraße wie sie zwischen Ludwigshafen und Mundenheim bestand. Und da auch die Gierfähre außer Betrieb war, konnten die Altriper nicht mehr ihre Arbeitsstätten in den Mannheimer Stadtteilen Neckarau und Rheinau erreichen. Hinzu kam, dass sich der Feldweg nach Neuhofen ebenfalls in einem nicht befahrbaren Zustand befand und es nach Waldsee keinerlei Verbindungsweg gab. Mehrere Hundert Altriper mussten daher auf einer völlig aufgeweichten Deichkrone täglich zu Fuß zu ihren Arbeitsstellen nach Ludwigshafen und Mannheim laufen.

Hochwasser bedroht bis zum heutigen Tag die Gemeinde in Halbinsellage, das zeigt sich zum Beispiel auch in den jüngsten Diskussionen über Teilstücke des Deichs bei Altrip und Otterstadt, die als sehr schwach gelten und bei Hochwasser brechen könnten. Das Land will sie nicht ertüchtigen, heißt es vor Kurzem noch in einer Bauausschusssitzung, weil dort seltene Pflanzen wachsen. Dass die Befürchtungen der Altriper, was diese maroden Stellen im Damm anbelangen, durchaus begründet sind, zeigen Animationen über die Ausbreitung des Wassers in solchen Fällen. Diese liegen der Verbandsgemeindeverwaltung vor. Aber auch der Polderstreit der Ortsgemeinde mit dem Land hat etwas mit der Angst der Altriper zu tun, dass das Dorf mal völlig unter Wasser stehen könnte.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 28. Dezember 2019 | Text: btw | Foto: Archiv)
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