Kein Temporausch auf der Walze

Beobachtungen beim Rennen in Altrip – Superfans helfen

Herrreinspaziert und herzlich willkommen in einer der Großküchen des Motorradsports. Auf dem Speiseplan des 47. Internationalen Altriper-Sandbahnrennens stehen nationale wie internationale Solo und Seitenwagenrennen an, ein Bahnrekordlauf und der Titel „Goldener Römer“. Wenn da einem nicht das Wasser im Munde zusammenläuft!

Trotz des Unwetters staubte es gestern schon wieder gewaltig. (Quelle: DIE RHEINPFALZ - 04.06.1999 | Text: Srdjan Markovic | Foto: Kunz)

Den dazugehörigen „Küchenchef“ oder Vorsitzenden des MSC Altrip, Karl-Martin Gensinger, zu finden, ist eigentlich ganz einfach. „Schaun se mal im Fahrerlager nach“, „Vorne an der Halle rechts und dann links“, „Nee, der ist bei Start und Ziel“, „Den finden Sie in der Rennhütte“. In einem großen Container sitzt er schließlich auf einem Holzstuhl und hätte doch beinahe alles absagen müssen das erste Mal seit 27 Jahren. „Das Chaos brach gestern um 16.30 Uhr aus“, sagt er und seine warme Baßstimme füllt das kleine Büro zur Gänze aus. Die Anspannung zeichnet immer noch Spuren in sein Gesicht. Der Sturm, der über den Rhein-Neckar-Kreis hinwegfegte, hatte das Altriper „Ei“ nicht verschont. „Die Bahn war grün, voller Äste und Blätter“, erzählt Gensinger und rutscht dabei unruhig herum, aber treue Superfans hätten bis in die Morgenstunden mitgeholfen, alles wieder ins Lot zu bringen. Und jetzt hätte man sich kein besseres Wetter wünschen können. „Das Wasser hat der Bahn sogar gut getan“, sagt Gensinger erleichtert und ein Lächeln verschiebt seine rosigen Wangen.

In der Zwischenzeit haben sich die Zuschauer von den zahlreichen Fotoständen, Souvenirartikeln und Motorsport-Basars gelöst und ihre Plätze um das Rennoval herum eingenommen. Hier sitzt alles, was nur schwer seine Begeisterung für diesen Sport verbergen kann. Für den richtigen Genuß sorgt aber erst die entsprechende Grundausstattung. Dazu gehören so wichtige Dinge wie Campingstühle, Kühltaschen, Sonnencreme und jede Menge Motoröl im Blut. Auch die obligatorische Schildmütze mit Ventilator darf nicht fehlen. Ganze Fanclubs sind aufmarschiert und begrüßen ihre Favoriten mit lauten Tröten und noch lauterem Jubel, und Eisverkäufer bieten ihre kühle Nascherei mit „lecker, lekker, Boris Becker“ an.

Thorsten Kupper wirft - von der ganzen Szenerie unbeeindruckt - den Motor seiner großen Walze an. Er muß sich beeilen, denn eben wurde sein Team (Wasserwagen, Kräderfahrer und Walze) aufgerufen. Die Strecke ist nach sechs Rennen bereits arg zerfurcht von den Profilen der Reifen. Sechs bis acht Runden muß Kupper fahren. „Das ist besonders in den Kurven wichtig“, sagt er, damit die Reifen wieder besseren Griff haben. Einen Geschwindigkeitsrausch erlebt man mit einer Walze zwar nicht, dafür ist Kupper auch „nicht so rennverückt wie die Zuschauer“ Er interessiert sich mehr für das „Außen herum“. Er bleibt auch die Ruhe selbst als der Wasserwagen etwas zu nahe an ihn heranfährt und die Walze mit Wasser vollspritzt. „Lieber werde ich von ihm naß als von oben“, sagt er und dreht weiter gelassen seine Runden.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 4. Juni 1999|  Text: Srdjan Markovic | Foto: Kunz)
Diese Website nutzt Cookies, um Ihnen die bestmögliche Nutzererfahrung auf unserer Website bieten zu können.