Auch eine soziale Komponente

Altrip hat seit gestern einen Markt und das freut die Dorfbewohner – Zumindest ist am Freitag ziemlich viel los gewesen

Bunte Blumen, duftende Gewürze, griechische und italienische Spezialitäten, Obst und Gemüse vom heimischen Gemüsehändler, Geflügel- und Wildspezialitäten, Street Food und Espresso: Der neue Wochenmarkt auf dem Partnerschaftsplatz vor der Maxschule hat den Besuchern einiges zu bieten. Gestern waren die Händler zum ersten Mal da. In den nächsten drei Monaten ist jeden Freitag von 7.30 bis 13 Uhr Markttag in Altrip.

Der erste Wochenmarkt auf dem Altriper Partnerschaftsmarkt. Die Altriper freuen sich über das Angebot. (Quelle: DIE RHEINPFALZ - 16.05.2020 | Text: Christine Kraus | Foto: Lenz)„Wir sind froh, dass wir so etwas jetzt endlich hier haben“. Da sind sich Eva Kauerhof und Tina Roth einig. Die beiden Freundinnen haben sich zufällig getroffen und sitzen jetzt im angemessenen Abstand auf einer Bank und tauschen auf Distanz Neuigkeiten aus, auch wenn sie, wie sie sagen, „genug Grund zum Knuddeln hätten“. Freude über den Markt empfinden auch die anderen Besucher: So etwas hätten sie sich in Altrip schon immer gewünscht, ist der Tenor, nicht nur, um einzukaufen, sondern auch wegen der sozialen Komponente. „Das Beste daran ist, dass man Bekannte trifft, die man sonst selten sieht“, findet Ursula Wicke, die mit Enkelin Aurora über den Markt spaziert.

Und das geht auch zu Corona-Zeiten. Obwohl der Markt gut besucht ist, läuft alles sehr diszipliniert ab. Vor den Ständen halten die Marktbesucher gebührend Abstand in der Schlange und tragen Masken. Das teilweise originelle Sammelsurium an Mund-Nasen-Bedeckungen ergänzt das bunte Markttreiben prima. Am kleinen Stehtisch der mobilen Espresso-Bar – an jeder Ecke steht ein Besucher –, sorgt das neue Accessoire für Erheiterung. Leise italienische Musik im Hintergrund, das dampfende, duftende Getränk in der Hand fragt man sich gerade, wie das jetzt mit dem Mundschutz funktionieren soll. Ein langer Kaffee-Klatsch ist aber ohnehin im Moment nicht erwünscht. Auf den zahlreichen Schildern rund um den Platz stehen der Corona-Pandemie geschuldete Verhaltensregeln. Thomas Hauser, Leiter des Ordnungsamtes der Verbandsgemeinde Rheinauen, macht einen Rundgang und schaut, ob die Vorschriften eingehalten werden, ermahnt einen Händler, dem der Mundschutz locker unter dem Kinn baumelt, aber viel auszusetzen hat er im Moment nicht.

Der Markt in der TestphaseIrgendwann wird diese Zeit ja wohl auch vorüber gehen, sagt Alois Eitl, der Organisator des Altriper Wochenmarkts. „Im Moment sind die Leute froh, überhaupt rauszukommen. Sie genießen ein Stück Normalität.“ Er schaut zufrieden um sich. „Der Platz ist wirklich gut dafür geeignet. Mit acht Marktständen ist fast alles abgedeckt. Ein Bäcker und ein Fischhändler fehlen noch“, stellt er fest. „Und Dampfnudeln“, ergänzt Ortsbürgermeister Volker Mansky (parteilos). „Und Bio-Produkte“, wünscht sich Marktbesucherin Kerstin Ehringer. Sie zeigt auf ihren gut gefüllten Einkaufskorb: Sie habe „richtig fett eingekauft“, um die Händler zu unterstützen, auf dass sich der Markt etabliere und zur Dauereinrichtung werde. Denn vorerst ist ein zwölfwöchiger Probelauf geplant. Mansky ist froh, dass man nach einer coronabedingten vierwöchigen Verspätung nun überhaupt endlich an den Start gehen kann.

Der Ortsbürgermeister hätte sich gewünscht, den Markt am Samstag nach Altrip zu holen, aber der Freitag sei der Tag, an dem die meisten Händler Zeit gehabt hätten. Ja, ein bisschen schade sei das schon, denn wenn ihre Home-Office-Phase beendet ist, wird sie wohl nicht mehr kommen können, sagt Marktbesucherin Ursula Wicke. Doch auch sie wünscht sich sehr, dass der Wochenmarkt in Altrip eine feste Einrichtung wird. Verbandsbürgermeister Patrick Fassott (SPD) gibt zu, zum ersten Mal in seiner Amtszeit ein bisschen traurig zu sein, dass er jetzt im Waldseer Rathaus sein Büro habe. Er deutet zu einem Fenster auf der Rückseite des Rathauses: „Da war mein Büro und da hätte ich jetzt jeden Freitag auf den Markt schauen können“, sinniert er. Den Ausblick hätte er sicher genossen. Und den Streifzug darüber auch.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 16. Mai 2020 | Text: Christine Kraus | Foto: Lenz)
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