Schreib mal wieder

Einen Stift zur Hand nehmen. Richtig schreiben. Nicht nur mal schnell etwas ins Handy tippen, ein Emoji dazu und fertig. Eine Brieffreundschaft zu pflegen, bedarf ein wenig Muße. Und Sorgfältigkeit. Damit der andere auch lesen kann, was da geschrieben steht. In Altrip soll die alte Tradition wieder aufleben. Mit Menschen aus Kutztown.

So schön sieht Kutztown aus. (Quelle: DIE RHEINPFALZ - 23.11.2020 | Text: Christine Kraus | Foto: Joel Seidel)

Wann haben Sie sich zum letzten Mal hingesetzt und einen handschriftlichen Brief geschrieben oder mit Vorfreude einen ganz persönlichen Brief aus dem Briefkasten gefischt? Bei den meisten ist das wohl schon eine Weile her. Altriper Bürger können diese schöne Tradition wieder aufleben lassen, denn dort beginnt nun ein deutsch-amerikanisches Brieffreundschafts-Programm. Ein Vorgeschmack auf eine Städtepartnerschaft des Rheindorfes mit Kutztown in Pennsylvania.

Kutztown oder Kutzeschteddel liegt in den USA in der Nähe von Gettysburg, nach New York City sind es 170 Kilometer, nach Pennsylvania 100 Kilometer. Wer durch die Straßen des 5000 Einwohner-Ortes schlendert, hört vielleicht Klänge, die er dort nicht vermutet hätte: Ist das nicht Pälzisch? Aber irgendwie doch nicht so ganz. In gewisser Hinsicht aber doch: Viele der Einwohner in dieser Region haben deutsche Wurzeln und sprechen „Pennsylvania Dutch“ oder „Pennsylvania Deitsch“. Das ist ein auf pfälzisch/kurpfälzisch aufgebauter Dialekt, den Auswanderer aus der Pfalz im 17. Jahrhundert nach Amerika gebracht haben und der sich vor allem bei den Amischen und Mennoniten erhalten hat.

Im Juli findet in Kutztown ein neuntägiges Deutsch-Folk-Festival statt, das größte in den USA. Und das wiederum ist Auslöser der geplanten Städtepartnerschaft. Denn bei der Vorbereitung des Altriper Jubiläumsjahres 2019 stieß der Heimat- und Geschichtsverein (HGV) Altrip auf den Deutsch-Pennsylvanischen Arbeitskreis und einen Film über das Festival in Kutztown. Man nahm Kontakt zu den Amerikanern auf und die Idee einer Partnerschaft zwischen Altrip und Kutztown begann zu wachsen. Im Juli hätte Alois Eitl, ehemaliger Vorsitzender und jetziger Ehrenvorsitzender des HGV zum Festival in die USA reisen, im November die Städtepartnerschaft dann besiegelt werden sollen. Diese Pläne hat die Corona-Pandemie gründlich durchkreuzt. Wenn alles gut geht, wird es im Frühjahr dann nachgeholt und nächstes Jahr gibt es ja auch wieder ein Festival.

Bis dahin können sich die Bürger der beiden Gemeinden schon einmal per Brief beschnuppern, denn Anfang Dezember beginnt das „Pen Pal Program“. Den Anstoß dazu gab Mackkenzie Keller, ohne von der geplanten Städtepartnerschaft zu wissen. Sie ist Mitarbeiterin der Bücherei in Kutztown. Sie habe die Idee von einer anderen Bücherei in der Nähe: die Exeter Community Library, deren Nutzer sich mit denen einer Bücherei in Exeter, Großbritannien, schreiben. „Da es kein anderes Kutztown gibt, habe ich mich erkundigt, ob wir eine Partnerstadt haben und war glücklich, als ich von Altrip erfuhr“, erzählt sie.

Christa Pickford ist eine der Altriperinnen, die gerne Briefe schreibt und bei dem Programm mitmachen möchte. (Quelle: DIE RHEINPFALZ - 23.11.2020 | Text: Christine Kraus | Foto: Eitl/frei)Nun können sich Bürger aus Altrip und Kutztown bei ihrer jeweiligen Bücherei melden. Ein Flyer mit genaueren Informationen wird noch verteilt. Interessenten geben Ihre Daten, Hobbys und Interessen so wie ihre Sprachkenntnisse – Deutsch, Englisch oder Pälzisch – an und schreiben, wie alt ihr Brieffreund sein soll. Die Büchereiteams suchen dann passende Paare aus, geben den auserwählten Briefpartnern die Vornamen des anderen und los geht’s. Die Briefe werden über die Büchereien verschickt und ausgeteilt. Wenn die Briefpartner es wünschen, können Sie später auch Ihre Adressen, E-Mail-Adressen oder Telefonnummern austauschen und direkt miteinander Kontakt pflegen. „Ich wollte das Programm jetzt starten, weil wir, auch wenn wir im Moment nicht reisen können, doch auf diese Weise die Welt erkunden und etwas über andere Kulturen lernen können“, sagt Mackenzie Keller. Sie habe es immer geliebt, jemandem einen Brief von Hand zu schreiben und einen Brief zu bekommen. „Es gibt nichts Schöneres, als Post zu bekommen und die Handschrift einer anderen Person zu sehen. Es ist so eine persönliche Verbindung“, findet sie und hofft, dass die Briefpartner auch in Zeiten von E-Mail und sozialen Netzwerken noch einen Stift und ein Blatt Papier in die Hand nehmen.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 23. November 2020 | Text: Christine Kraus | Fotos: Joel Seidel, Eitl/frei)
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