Zum Andenken an einen ganz besonderen Altriper

Wolfgang Schneider sorgt dafür, dass Regino nicht vergessen wird – Dessen Chronik ist nun in einer Vitrine im Altriper Gemeindehaus zu bewundern

Ein Jubiläum der besonderen Arbeit: Vor nunmehr 500 Jahren wurde in Mainz die Chronik des Regino gedruckt. Damit hat sich der Altriper Hobbyhistoriker Wolfgang Schneider (79) intensiv beschäftigt, zumal Regino aus Altrip gebürtig ist und 908 die erste auf deutschem Boden verfasste Weltgeschichte schrieb, die in den Klosterstuben immer wieder handschriftlich von Mönchen kopiert wurde.

Ein Nachkomme des ersten Herausgebers hat die Weltchronik von Regino übersetzen und 1999 nachdrucken lassen – dieses Werk hat Wolfgang Schneider geschenkt bekommen und zeigt es auf dem Foto. (Quelle: DIE RHEINPFALZ - 09.04.2021 | Text & Foto: : Mechthild Möbus)Wolfgang Schneider ist es gelungen, eine Ausgabe von 1521 für die Gemeinde Altrip „an Land zu ziehen“ – und nun ist das Werk in einer Vitrine im Altriper Gemeindehaus zu besichtigen. Doch an den um 840 geborenen Musiktheoretiker, Kanonisten und Geschichtsschreiber erinnert in dem Ort noch viel mehr.

Da gibt es das Denkmal vor der evangelischen Kirche, es gibt die Reginostraße sowie den Reginokindergarten. Und in der Ortsmitte steht das Reginozentrum als Treffpunkt für die Bürger, zumindest wenn keine Pandemie herrscht. Und „dennoch ist Regino ein weithin Unbekannter, wie ich auch bei einer Zufallsbefragung in Altrip, und mehr noch in den übrigen Ortsgemeinden der Verbandsgemeinde Rheinauen, feststellen musste“, bedauert Schneider. Als Heimatforscher habe er sich intensiv mit dem mittelalterlichen Historiografen und Verfasser eines kirchlichen Sendhandbuchs beschäftigt: „Er ist eine Lichtgestalt“, sagt Schneider, und deshalb hat er im vergangenen Jahr eine Broschüre mit dem Titel „Regino – eine Lichtgestalt über 1000 Jahre“ verlegt, die schon restlos vergriffen ist.

Rund 600 Jahre nach dem Erscheinen von Reginos Chronik, in der Zeit, in der Buchdruck noch neu war, hatte der bayerische Ritter und Humanist Sebastian von Rotenhan die Idee, die Chronik des Regino drucken zu lassen. „Es ging dem Editor darum, die Chronik mit Hilfe des Buchdrucks einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, zumal ein entsprechendes Bedürfnis vorlag, denn die Chronik war im Mittelalter sehr gefragt und die Kopisten kamen mit der Vervielfältigung in ihren Skriptorien kaum noch nach“, berichtet Schneider. „Damals wurden relativ wenig Werke verlegt und Rotenhan, der das Werk in Mainz drucken ließ, war ein ausgesprochener Intellektueller.“

Sebastian von Rotenhan, der von 1478 bis 1534 lebte, „war ein Mann der Feder und des Degens, ein Krieger und Literat“, beschreibt ihn Wolfgang Schneider. Von Rotenhan hatte 1502 sein Studium der Rechtswissenschaften mit dem Doktortitel abgeschlossen und als Assessor beim Reichskammergericht in Speyer gearbeitet. Von 1512 bis 1515 hatte er mehrere Reisen – unter anderem nach Palästina – unternommen, wo er in den Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem aufgenommen wurde. 1519 trat von Rotenhan in die Dienste des Erzbischofs Albrechts von Mainz. Während des Bauernkriegs 1525 verteidigte er als Burghauptmann erfolgreich die Würzburger Festung Marienberg gegen die aufständischen Bauern, während alle anderen Burgen und Schlösser in der Umgebung eingenommen und gebrandschatzt wurden. Der Druck der Weltchronik fand noch vor den Bauernkriegen, nämlich 1521, statt und wäre eventuell danach nicht mehr zustande gekommen.

Schneider verweist auch auf die Tatsache, dass sich Sebastian von Rotenhan und der damalige Kaiser Karl V. sehr zugetan waren. So erklärt sich wohl auch das Privileg, dass der Kaiser 1521 ihm in den nächsten zehn Jahre das alleinige Druckrecht zubilligte. Von Rotenhan habe durch seine Bildung „in der Weisheit der Gesetze und durch rechtes Handeln in militärischen Angelegenheiten“ seiner hochberühmten Familie Glanz verliehen, würdigte ihn der Kaiser.

Schneider hat sogar durch einen Zufall in einem Zeitungsbericht der RHEINPFALZ den Namen Sebastian von Rotenhan entdeckt und so herausgefunden, dass es Nachfahren gibt: nämlich einen dritten Namensträger „Sebastian von Rotenhan“ und der lebt noch immer im Familienanwesen im fränkischen Rentweinsdorf. Dessen Vetter, Eyring von Rotenhan, der bei Eisenach lebt, hat die Chronik des Regino 1999 von Latein in gutes Deutsch übersetzen lassen, wovon der Altriper Hobbyhistoriker eine Ausgabe erhalten habe.

Das Ereignis, dass vor 500 Jahren die berühmte Regino-Chronik zum ersten Mal gedruckt wurde, soll im Amtsblatt und auch auf der Internetseite des Heimat- und Geschichtsvereins veröffentlicht werden.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 9. April 2021 | Text & Foto: : Mechthild Möbus)
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