Da entsteht etwas

Altrips Ortsbürgermeister Volker Mansky ist mit seiner Tochter in den USA unterwegs gewesen, Anfang 2020 war das. „Aus den Augenwinkeln“ hat er einen Wegweiser nach Kutztown gesehen, erzählt er. Damals waren gerade die ersten Kontakte für eine Partnerschaft der beiden Orte geknüpft. Jetzt sind die Urkunden auf dem Weg über den großen Teich. 

Der Blick auf Kutztown zeigt: Die Pfalz ist gar nicht so weit entfernt. (Quelle: DIE RHEINPFALZ - 12.04.2021 | Text: Christine Kraus | Foto: Joel Seidel/frei)

Wie gut, dass Altrips Ortsbürgermeister einfach mal „scharf nach rechts abgebogen“ ist, auf dem Weg von Washington nach New York, irgendwo in Pennsylvania. „Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht mal, wo der Ort genau liegt“, sagt Volker Mansky (parteilos) über den USA-Urlaub, den er mit seiner Tochter verbracht hat. Nun, ein gutes Jahr später, ist die Partnerschaft zwischen Altrip und Kutztown beschlossen, die Urkunden sind gerade auf dem Weg zur Unterschrift. Viel hat sich in diesem Jahr getan. Trotz Corona – oder auch gerade wegen der Pandemie.

Doch zurück zu den Anfängen vor zwei Jahren: Zur 1650-Jahrfeier Altrips gab es im Bürgerhaus einen Vortrag über das Schicksal Pfälzer Auswanderer nach Pennsylvania. „Das Interesse war geweckt“, sagt Mansky. Zusammen mit dem Heimat- und Geschichtsverein habe man begonnen, über die Möglichkeit einer Partnerschaft mit einer Gemeinde in den USA zu philosophieren. Durch einen Film über das größte deutsche Folk-Festival in den USA, das jährlich in Kutztown stattfindet, sei man dann auf den 5000-Einwohner-Ort gekommen. „Kutztown ist zwar kleiner als Altrip, hat aber eine Universität mit zeitweise mehr als 12.000 Studenten“, sagt Mansky. Viele der Einwohner haben deutsche Vorfahren, zum Teil wird noch Pennsylvania Dutch gesprochen.

Die Partnerschaft nahm zusehends Form an, auch wenn der ursprünglich für Sommer 2020 geplante Besuch in den USA nicht stattfinden konnte. Ende vergangenen Jahres wurde ein Brieffreunde-Programm gestartet, für das die Gemeindebüchereien von Kutztown und Altrip passende Paare unter den Interessenten zusammenstellten. Seitdem wird fleißig geschrieben. Über 40 Brieffreundschaften seien am Laufen, erzählt Mansky, der selbst einen regen Austausch mit seinem amerikanischen Amtskollegen Jim Schlegel pflegt.

Einige der Brieffreunde würden nach wie vor ihre Briefe in die Bücherei bringen, die die gesammelten Briefe dann in die Partnergemeinde schickt. Andere haben längst Adressen ausgetauscht oder kommunizieren über E-Mail oder Facebook. Eine Sprachbarriere gebe es kaum, sagt Mansky. Schulenglisch und Google Translator seien ausreichend. „Meine Mutter und ihre Brieffreundin schreiben sich auf Deutsch. Andere schreiben Pennsylvania Dutch, das dem Pfälzischen sehr ähnlich ist“, sagt er.

Auf diese Weise habe man schon viel voneinander erfahren. „Es ist ein bisschen wie ein Kennenlernen bei einem Kneipengespräch, es dauert nur viel länger“, beschreibt es der Altriper Ortsbürgermeister. Jeder erzählt von sich, wo er herkommt, wie er lebt und was er gerne macht. In jedem Brief ein bisschen mehr. Unter den Bürgermeistern ist natürlich auch das Geschehen im Ort ein Thema. In Kutztown sei man, was die Pandemie betrifft, schon ein Stück weiter und plane bereits das Folk-Festival für den Sommer, in der Hoffnung, dass es dieses Jahr stattfinden kann. Auch die Öffnung der Universität wird vorbereitet.

Die Hoffnung, dass Altriper dieses Jahr nach Kutztown reisen könnten, hat Mansky allerdings begraben und setzt auf ein persönliches Kennenlernen im nächsten Jahr. Kutztown sei für die Altriper sicher eine Reise wert, findet er. Von dort aus bieten sich Tagesausflüge nach New York, Washington oder Philadelphia an.

Auch organisatorisch tut sich einiges. Der Heimat- und Geschichtsverein ist inzwischen im erweiterten Vorstand des Pennsylvanisch-Deutschen Arbeitskreises und Altrip plant die Gründung eines Partnerschaftsvereins, der sich nicht nur um die neue Partnerschaft mit Kutztown, sondern auch um die bestehenden Partnerschaften mit Wiehe in Thüringen und Petit-Réderching in Frankreich kümmert. Doch das soll dann angegangen werden, wenn man sich wieder persönlich treffen darf. „Wir haben keine Eile, es läuft ja schon, und es läuft gut“, sagt Mansky.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 12. April 2021 | Text: Christine Kraus | Foto: Joel Seidel/frei)
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