Der Mutmacher-Song vom Rhein

Christiane Schmidt hat für die Altriper Rheinfinken ein Corona-Lied gemacht – Video bei Youtube

Die Musikpädagogin Christiane Schmidt, Leiterin des Kultursommers Schwegenheim und Mitglied im Speyerer Vokalensemble „Die Rheintöchter“, hat für ihr Nachwuchsensemble „Altriper Rheinfinken“ einen Corona-Song kreiert – der soll auch andere Kinder- und Jugendchöre ermutigen, tapfer weiterzumachen.

„Oh, 2020! Wir hatten so viel vor …“ Der Corona-Song des Kinder- und Jugendchors „Altriper Rheinfinken“ wirkt wie ein Scheinwerfer auf die Misere der Corona-Realität. Wie sie fraglos alle trifft; aber in der Wahrnehmung oftmals die Kleinsten und Schwächsten lediglich so mitlaufen lässt.

Komponierte das Corona-Lied: Christiane Schmidt. (Quelle: DIE RHEINPFALZ - 22.04.2021 | Text: Gertie Pohlit | Archivfoto: Constanze Junk)Christiane Schmidt, die rührige Sängerin und Chorleiterin, hat den vierstrophigen Song für ihren Nachwuchschor getextet und komponiert. Einfach um ein bisschen Seelenbefindlichkeit über die ausschließlich digitale Rampe zu schicken. Und die Kleinen „bei der Stange zu halten“. Der Song listet schmerzlich auf, was alles nicht geht, mündet aber am Ende in den Appell, ja nicht aufzugeben: „Denn wir glauben fest daran: Alles wird gut!“ Mit Ausrufezeichen.

Nicht an den GardaseeDer Speyerer Landeskirchenmusikdirektor Jochen Steuerwald hat, kürzlich auf das ins zweite Jahr gehende Chorsingverbot angesprochen, vor allem die Sorge um den Bestand der Kinder- und Jugendchöre betont. „Naturgemäß ist in diesem Alterssegment die Fluktuation ohnehin groß. Außerdem betrifft es die wesentliche Phase zur Stimm- und Stilbildung. Das fällt derzeit nahezu komplett aus, und wird, wenn die Arbeit wieder anlaufen kann, sehr viel Geduld und Aufbauanstrengungen erfordern.“

Eigentlich hätten die „Rheinfinken“ im Juli 2020 zur Tournee nach Oberitalien starten sollen. Ein Festival-Auftritt im Wiener Musikvereinssaal 2017 hatte für den Kontakt gesorgt. Nun wollte man sich mit dem neuen Partnerchor am Gardasee treffen für ein gemeinsames Konzert. Dann kam Corona, die Planungen waren obsolet.

2004 hat Christiane Schmidt die Leitung des Kinderchors „Altriper Rheinfinken“, in dem sie selbst ja schon seit seiner Gründung mitgewirkt hatte, übernommen. Und versteht es seither fabelhaft, dem Nachwuchs-Ensemble Vitalität und Attraktivität einzuhauchen. Schon bald musizierte sie mit vier Gruppen, den Minis – Kindern ab zwei Jahren, die noch in Elternbegleitung kommen –, dem Vorchor der Fünf- bis Siebenjährigen, dem Hauptchor – da singt man bis zum Alter von zwölf Jahren mit –, und dem Jugendchor „Coro piccolo“.

Nun muss Schmidts vielköpfige Nachwuchsschar – derzeit knapp zwölf bei den Minis, acht Kinder bei der Vorschulgruppe, rund 25 im Haupt- und noch mal 16 im Jugendchor – im Wartestand verharren. Helga Schmidt, rührige Vorsitzende und versierte Organisatorin im Förderverein, bemüht sich, Kontakt zu halten mit den Eltern und Kindern. „All das ist oft unendlich mühsam“, sagt sie. „Wir brauchen die Zuarbeit der Eltern, um die Kinder bei der Stange zu halten. Aber Homeoffice und Digital-Unterricht fressen oftmals alle Zeitfenster und Energien auf.“

Video ist ein SignalUnterstützung erhält Christiane Schmidt nicht allein durch ihre chorbegeisterte Mutter, sondern auch von Tochter Eliana, mehrfache Jugend-musiziert-Preisträgerin in Gesang und nicht zuletzt medientechnisch affin. Sie hat die Produktion des Chor-Videos überwacht, die Klavierbegleitung unterlegt, geschnitten und das Ganze für die Endfassung präpariert. „Nicht alle waren dabei, aber alle Altersgruppen, sogar die Kleinsten, haben sich eingebracht“, freut sich Eliana Schmidt. „Und es spiegelt natürlich nicht die Qualität, die wir sonst bei Live-Auftritten haben. Wichtig aber ist das Signal: Wir sind da!“

Darüber hinaus hat die 22-Jährige, die in Heidelberg studiert, Chorproben über Zoom organisiert. Und sich auch immer wieder digitale Freizeitangebote ausgedacht, wie spannende Ratespiele zum Faschingstreff und zur Osterzeit. Inzwischen werden auch Mitgliedsurkunden überreicht, „so feierlich, wie es eben derzeit möglich ist“, sagt Helga Schmidt. Aber die kleinen Gesten schaffen Zusammenhalt „und unsere ,Veteranen‘, längst in Studium, Ausbildung oder Beruf, bleiben uns so verbunden.“

Der Corona-Song von Christine Schmidt, auch wenn er alle derzeit unerfüllten Sehnsüchte griffig gereimt, gleichwohl schmerzvoll bündelt, will letztlich Mut machen. Ja nicht aufgeben – und danach umso lauter und jubelnder singen. 
 

IM NETZ

Der Corona-Song
Von Christiane Schmidt

Intro: Oh, 2020! Wir hatten so viel vor: In Urlaub fahrn, groß feiern, und singen mit dem Chor! Doch dann kam Corona, wir durften nicht mehr raus, noch nicht mal mehr zur Oma, selbst Papa blieb zu Haus.

Strophe 1: Für Schule am Computer, da hab ich keine Ruh. Es nervt mein kleiner Bruder. Die Kita, die hat zu. Im Homeoffice zu Hause, die Nerven liegen blank, der Vater ruft verzweifelt: Ihr macht mich alle krank!

Refrain: Wir haben uns was ausgedacht, wir singen jetzt zu Haus! Und alle haben mitgemacht, dabei kam das hier raus: Wolln vergessen alle Sachen, die uns keine Freude machen, darum werden wir jetzt singen. Heute lassen wir es krachen, damit alle wieder lachen, unser Lied soll laut erklingen!

Strophe 2: Die Mama wurde fünfzig und saß frustriert zu Hause. Nur fünfe durften kommen, die Party, die fiel aus. Und der Besuch bei Oma, der durfte gar nicht sein, das Risiko war viel zu groß, das sahn wir alle ein.

Refrain: Wir haben …

Strophe 3: Und in den großen Ferien, da wollten wir ans Meer. Doch durfte keiner reisen, die Strände blieben leer. Noch nicht einmal ins Schwimmbad durften wir hinein. Und wenn wir Freunde trafen, dann musste Abstand sein.

Refrain: Wir haben …

Strophe 4: Kein Fußball und kein Tanzen, kein Schachclub und kein Chor, nur Fernsehn und Computer und’s Telefon am Ohr. Gestrickt, gemalt, gelesen, manch einer übt’ Klavier. Wir ham ganz viel gebastelt aus all dem Klopapier.

Refrain: Wir haben …

Outro: Hört, was wir euch singen, habt ein bisschen Mut! Denn wir glauben fest daran: Alles wird gut!

 

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 22. April 2021 | Text: Gertie Pohlit | Archivfoto: Constanze Junk)

 

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