Ein Sommerspaziergang anno 2001: Bärte mit Bierschaum, Brombeeren und jede Menge Bellen

Menschentrauben vorm Kiosk, Grillen vorm Wohnwagen – Ein heißer Nachmittag an der „Blauen Adria“

„Der Bellenweg ist nach den Bellen benannt, die hier überall stehen“, klärt mich ein älterer Herr auf. Als ich nur noch verdutzter dreinschaue, lacht er. „Ja, die jungen Leute. Bellen sind Pappeln auf pfälzisch.“ Aha, Pappeln stehen hier im Naherholungsgebiet „Blaue Adria“ viele. Und dieser Weg ist gleich von einer ganzen Reihe gesäumt. Schlauer schlendere ich langsam in der Sommerhitze weiter den schattigen Weg entlang. Doch eine große Abkühlung bietet der Schatten nicht. Es ist zu schwül.

Im See sind einige Schwimmer, viele kleine Kinder tummeln sich am Strand des Neuhofener Altrheins. Auf dem Bellenweg hingegen ist nicht viel los. Nur ein paar Fahrradfahrer und Fußgänger. Inline-Skates bieten sich nicht so an, da der Weg nicht betoniert ist. Plötzlich ein Zaun, quer über den Weg. Umleitung? Verwundert laufe ich an dem Zaun entlang. Dahinter steht ein Haus, auf der anderen Seite komme ich auf den Weg zurück und stehe direkt auf dem Gelände der DLRG-Rettungswache.

Die Wache ist besetzt, ich erkundige mich nach dem Zaun. Nebenan ist Baden für Behinderte, erfahre ich und lasse mir den dortigen behindertengerechten Wasserzugang zeigen. Ein Stück weiter komme ich an eine Liegewiese. Viele Familien mit Kindern sind dort, die Kinder spielen mit einem aufblasbaren Krokodil. Wenn das einer sieht, steht morgen wieder ein Krokodil-im-Rhein-Bericht in der Zeitung. Es ist schließlich immer noch Sommer.

Vor einem Kiosk hat sich schon eine kleine Menschentraube versammelt. Die meisten kaufen Eis, vor allem die Kinder. Einige Ältere sitzen im Schatten und trinken ein frisches Weizenbier. Der Schaum hängt ihnen im Bart, aber bei der Hitze ist scheinbar selbst das Abwischen zu anstrengend. Das Glas wird außerdem clever auf dem Bauch abgesetzt, um das runterlaufende, kühlende Kondenswasser nicht zu verschwenden. Für das auf einem Schild beworbene warme Tagesessen interessiert sich an diesem Nachmittag keiner – obwohl es recht billig ist. Vielleicht findet es gegen Abend mehr Zuspruch. Bekanntlich macht schwimmen ja hungrig.

Kein  Mensch unterwegs an der „Adria“. Die Hitze treibt die Leute ans Wasser. (Quelle: DIE RHEINPFALZ - 03.08.2001 | Text: Alexander Kessler | Foto: Lenz)Der Duft von Holzkohle und Steaks
Links beginnt ein Campingplatz. Niedliche Miniaturhäuser, die manche mit viel Liebe hergerichtet haben. Viele Wohnwägen mit Vorbau, nicht viel los hier. Die Nachmittagshitze treibt die Menschen zum Wasser. An der Südspitze des Platzes beginnt die unbewohnte Natur. Alles menschenleer, aber dafür huschen einige Tiere vor mir schnell ins Gebüsch. Ich bin auf einer Landzunge gelandet.

Mir bleibt nur die Rückkehr, als ich sie sehe: Brombeeren. Ganze Sträucher davon, und wie gut die schmecken. Ein Stück weiter vorne in der Nähe der Straße haben sie noch eher nach Diesel geschmeckt, aber die hier sind wirklich gut. Noch eine Hand voll für unterwegs und zurück.

Jetzt geht es über den Campingplatz. Die Zeit ist wie im Flug vergangen. Überall wird der Gaskocher angeworfen oder die Holzkohle geschürt. Der Duft von gegrillten Steaks und Bratwürsten hängt in der Luft. Ich sehe einen Mann im Unterhemd am Grill, ein kaltes Bier in der Hand. An einigen Wohnwägen wird schon gegessen. Die Leute grüßen freundlich, ich wünsche „guten Appetit“, werde aber nicht eingeladen. Schade eigentlich, vom Geruch habe ich jetzt auch Hunger bekommen.

Wieder ein Kiosk. Dieselbe Menschentraube, die vorhin am anderen Kiosk noch ein Eis geschleckt hat, kauft nun wohl das Abendessen. Ich habe keine Lust mich anzustellen und laufe zum nächsten See. Hier ist fast nichts mehr los. Einige hartnäckige Schwimmer drehen noch immer ihre Runden. Weiter hinten in einer ruhigen Ecke liegt noch ein junges Pärchen eng umschlungen auf der Liegematte. Da kommen drei junge Kerls, werfen ihre Mountainbikes in den Sand und springen mit Radlerhosen in den See. Eine Radtour durch die Vorderpfalz haben sie gemacht und sich dabei ausgerechnet einen der heißesten Sonntage herausgesucht.

Weiter vorne geht eine junge Frau mit ihrem Hund baden. Das Tier ist so groß, dass ich darauf heimreiten könnte, und scheinbar liebt er Wasser über alles. Am Hundverbotsschild scheint sich niemand zu stören, auch die anderen Badegäste beschweren sich nicht. Hund und Frauchen verschwinden auch so schnell wieder wie die drei Mountainbiker. Haben scheinbar nur eine kleine Abkühlung genommen.

Für mich wird es jetzt langsam Zeit, die Kilometer von der „Blauen Adria“ wieder zurückzuwandern. Vielleicht sollte ich nächsten Sommer selbst hier campen. Dann sitze ich vor meinem Zelt, grille Steaks und trinke ein kaltes Bier. Und vielleicht macht dann gerade ein anderer seinen Sommerspaziergang.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 3. August 2001 | Text: Alexander Kessler | Foto: Lenz)
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